Rockenhausen
Herbstfest-Weinprobe mal anders: Festzelt in Weinlounge verwandelt
Der rote Teppich war ausgerollt, Haselnuss-Stämmchen zierten den Eingang und Scheinwerfer tauchten die Bühne in ein stimmungsvolles Licht: Das Festzelt des Herbstfests wurde für einige Tage zum zweiten Wohnzimmer für viele Rockenhausener und erlebte dabei eine Premiere. Zum ersten Mal bot das Zelt den Gästen der traditionellen Fachweinprobe einen gemütlichen Unterschlupf.
Denn nach dem Brand an der VTR-Halle – dort findet die traditionelle Weinverkostung normalerweise statt – musste eine Notlösung her. Denn durch die Löscharbeiten wurde die Halle zwar nicht zerstört, allerdings stark verunreinigt. Diese noch rechtzeitig bis zur Eröffnung des 76. Herbstfests herzurichten, war zeitlich nicht möglich, hatte Michaela Schwind-Grimm, Erste Stadtbeigeordnete sowie Vorsitzende der VTR und Organisatorin des Abends, zuvor gegenüber der RHEINPFALZ betont. Ein Umzug ins ohnehin vorhandene Festzelt bot sich an und überraschte die zahlreich erschienenen Weinfans.
Zelt im Zelt versprüht besonderen Charme
Die sonst so große Zeltfläche war für die Weinverkostung um die Hälfte reduziert worden, um einen Zelt-im-Zelt-Effekt zu schaffen. Herbstlich in Szene gesetzte Pflanzen, romantische Pavillons und eine kleine Auswahl von Bildern der Künstlerin Carolin Fröhlich ließen die sonst so typische Zeltatmosphäre in den Hintergrund treten. Das Duo „New Shoes“ sorgte mit sanften Gitarrenklängen und bekannten Pop-Hits für Unterhaltung zwischen den Weinreichungen.
Insgesamt 14 Weine aus sieben Rubriken von ebenfalls sieben Winzern aus dem Zellertal und der Naheweinregion gab es bei der Vergleichsprobe zu testen. Die amtierende Naheweinprinzessin Laura Ludwig und Jochen Grimm führten charmant und mit Fachkenntnis durchs Programm. So gaben sie dem Publikum Fakten über die verschiedenen Jahrgänge, die Herausforderungen im Weinbau sowie zu den unterschiedlichen Rebsorten an die Hand.
Einfallsreichtum der Winzer gefragt
Beispielsweise erklärte Ludwig, dass nur zwei Frostnächte im April ausgereicht hatten, um fast den gesamten 2024er Weinjahrgang zu gefährden. Denn die niedrigen Temperaturen erwischten die zarten Blüten der Weinstöcke, aus denen sich später die saftigen Trauben bilden. Um überhaupt einen 2024er Riesling herausgeben zu können, hatte sich das Weingut Schmidt aus Obermoschel eine Notlösung überlegt. Sie verarbeiteten die Lese aus allen Rieslinglagen zu einem Wein. Das Ergebnis: der Cuvée „All in One Riesling – trocken (2024)“.
Außer eine Premiere mit dem Veranstaltungsort feierte die Fachprobe außerdem eine Premiere im Glas: Erstmals gab es einen trockenen 2024er Auxerrois vom Weingut Barth. Die in Frankreich stärker verbreitete Rebsorte, die eine Kreuzung aus Pinot und Heunisch ist und zu den Burgunderweinen gehört, ist in Deutschland noch wenig bekannt. Geschmacklich zeichnet sie sich durch ihre Leichtigkeit aus, ist aber fruchtiger als ein Weißburgunder.
Eine Wiederholung? Gut möglich
Michaela Schwind-Grimm zeigte sich angesichts der kurzfristigen Verlegung der Weinprobe ins Festzelt zufrieden: „Es ist so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe.“ Zwar gebe es sicherlich hier und da noch Verbesserungsmöglichkeiten, „aber dafür, dass es das erste Mal war, bin ich zufrieden.“ Sie schmiedet bereits Pläne für eine Wiederholung: „Für das nächste Herbstfest müssen wir uns dann mal Gedanken machen, inwiefern wir das Zelt etwas beheizen können.“ Die Besucher schien das abgekühlte Wetter weniger zu stören: Sie hatten sich entsprechend mit Jacken ausgestattet. Der Wein, die Musik und die gute Stimmung heizten ohnehin ein.
Stadtbürgermeister Michael Vettermann war ebenfalls angetan von der Veranstaltung: „Wir haben vielleicht keinen großen Festetat, aber wir wissen, wie man feiert.“ Dabei lobte er den starken Zusammenhalt der vielen ehrenamtlichen Helfer und Vereine, ohne die die Umsetzung eines Herbstfestes Jahr für Jahr kaum möglich wäre.