Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Herbstfest: Der Förderverein ist die Lebensversicherung

Jonas Waigel (links) und Niclas Bauer sind Teil des neuen Vorstandes der „Herbstfestfreunde“.
Jonas Waigel (links) und Niclas Bauer sind Teil des neuen Vorstandes der »Herbstfestfreunde«.

Wenn die Stadt keine finanziellen Sprünge machen kann, müssen die Vereine zusammenrücken. In Rockenhausen würde es das Fest ohne die „Herbstfestfreunde“ so nicht mehr geben.

Das Nordpfälzer Herbstfest steht in den Startlöchern. Einmal mehr freuen sich nicht nur die Menschen in Rockenhausen und seinen Stadtteilen auf das Festprogramm, die Weine und den krönenden Abschluss mit Höhenfeuerwerk. Das Herbstfest besitzt einen hohen Stellenwert in der Region, ist aber auch immer wieder Streitpunkt – besonders dann, wenn es um die Finanzierung der Festtage geht. Eine Stütze sind dabei die „Herbstfestfreunde“, die sich 2013 ursprünglich als Förderverein gründeten. Die Stadtfinanzen haben sich seitdem nicht gebessert, was die Rolle des Vereins nur noch wichtiger hat werden lassen.

„Wenn man jetzt rein auf das Finanzielle blickt, würde es das Programm wohl ohne unsere Unterstützung nicht mehr in der Form geben“, findet Niclas Bauer aus dem Vorstand der „Herbstfestfreunde“ deutliche Worte. Allerdings lassen Bauer und Vorstandskollege Jonas Waigel im RHEINPFALZ-Gespräch keinen Zweifel daran, wie groß und wichtig auch die Rolle aller anderen Vereine am Erhalt des Festes ist. „Nur zusammen ist es möglich, das Fest in seiner jetzigen Form zu erhalten und weiterzuentwickeln“, so Waigel. Dass es überhaupt derartige, vor allem finanzielle Not gibt, liegt am defizitären Haushalt der Stadt Rockenhausen, die immer mehr auf Unterstützung angewiesen ist, um das Herbstfest aufrecht erhalten zu können. Die Veranstaltung gilt als freiwillige Leistung und landet somit recht schnell auf der Liste der geforderten Einsparungen. „Das finde ich nur schwer nachvollziehbar, wenn man bedenkt, welche Bedeutung das Fest auch für die Region hat. Rockenhausen ist ja ein Zentrum, viele Gäste kommen auch von außerhalb, arbeiten hier oder gehen hier zur Schule“, sagt Niclas Bauer.

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So wurde das Herbstfest in der Vergangenheit oft zum Politikum. Was man negativ sehen kann, führt bei den „Herbstfestfreunden“ und den anderen Vereinen vor allem dazu, dass alle näher zusammenrücken. „Wir haben seit der Pandemie auch einen beachtlichen Anstieg an Mitgliedern“, freut sich Jonas Waigel. 208 sind es aktuell, neue Anträge sind bereits verteilt. Die Tendenz ist steigend. So fließen vom Förderverein jährlich zwischen 10.000 und 12.000 Euro in den Erhalt des Herbstfestes. Geld, das die aktiven Mitglieder durch ehrenamtlichen Einsatz einsammeln. „Wir haben in diesem Jahr mehr als 200 Briefe rausgeschickt“, sagt Waigel. Adressaten waren vor allem Betriebe, die um Spenden gebeten wurden. Die Rückmeldungen fallen Jahr für Jahr besser aus. Die Arbeit lohnt sich – und sie wird gesehen.

„Man merkt, dass wir in den vergangenen Jahren auch öfter mal im Zusammenhang mit dem Herbstfest nach unserer Meinung gefragt werden“, sagt Jonas Waigel. Das warfrüher nicht so. Ein aktuelles Beispiel sei die Einführung des Eintrittsgeldes am Montagabend. „Wir haben dem auch zugestimmt, da wir es als fair erachten, dass nicht nur das überwiegend jüngere Publikum am Samstagabend zahlt, sondern so auch eine andere Zielgruppe ihren Beitrag leistet“, sagt Niclas Bauer. Und vier Euro seien ja noch überschaubar, zumal sie erst ab 20 Uhr und nur für Besucher über 18 Jahren berechnet werden. Auch bei der Auswahl der Band oder wenn über neue Programmpunkte gesprochen wird, hole man sich zuletzt die Meinung der „Herbstfestfreunde“ ein. Eine Wertschätzung, die im Verein gut ankommt.

Prämierungen beleben den Umzug neu

Erst recht, wenn man bedenkt, dass die „Herbstfestfreunde“ seit langem nicht mehr nur ein Förderverein sind. Schon wenige Jahre nach ihrer Gründung übernahmen sie auch die Organisation des Umzuges, der traditionell am Sonntag stattfindet. Als Reaktion auf die damals sinkende „Qualität des Umzuges“, wie es Waigel nennt, hatten sie die Prämierungen für den schönsten Wagen, die schönste Fußgruppe und später auch den Publikumspreis eingeführt. Mit Erfolg. „Inzwischen ist es schon so, dass wir manchmal irgendwo hinkommen, wo die Preistafeln stolz platziert und gut sichtbar an der Wand hängen“, sagt Waigel. Der Umzug hat davon profitiert. Und selbst die Teilnehmerdelle durch die Verschärfung der Umzugsrichtlinien nach der Pandemie geht allmählich zurück. „Wir hatten auch einmal überlegt, ob wir überhaupt noch einen Umzug machen“, sagt Waigel. Die „Herbstfestfreunde“ blieben standhaft. Und in diesem Jahr sind es wieder zwischen 40 und 50 Zugnummern, auf die sich die Besucher freuen können.

Was 2013 als Förderverein und mit der Entwicklung des heute noch beliebten Herbstfest-Buttons begann, ist längst eine Art Lebensversicherung geworden. Dankbar ist der neue Vorstand auch für das, was die Vorgänger geleistet haben. „Dieses Miteinander und dieses Fundament wäre ansonsten nicht da“, sagt Waigel. Generell gilt: „Jeder, der sich einbringt, auch von den anderen Vereinen hat seinen Anteil, und die Zusammenarbeit, auch mit der Stadt und der Verbandsgemeinde, ist richtig gut“, loben Waigel und Bauer.

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