Donnersbergkreis Höhenflug in der Findungsphase

Börrstadt. Träumen ist erlaubt – erzwingen aber, mahnt Rolf Binovec, sei sinnlos. „Alles, was jetzt kommt, ist das Zuckerchen obendrauf.“ Das Ass des TTC Börrstadt tritt die Bremse. Der frische Dritte der Bezirksklasse Westpfalz Nord/Ost hat einen Lauf: Seine vier Rückrunden-Rivalen, gegen die er in der Hinserie alt aussah, putzte er flugs von der Platte und kratzt nun sogar an der Relegation. Dabei ist der Höhenflug nur schwer zu erklären. Eigentlich steckt der TTC in einer Findungsphase.
Es gab Wochen, da hakte Rolf Binovec resigniert ab. Düstere Gedanken zerbarsten ihm den Kopf, alles prasselte geballt auf ihn ein. In einer Zeit, in der sich Binovec, Spitze des TTC Börrstadt, vor Schmerzen kaum um die eigene Achse winden konnte, kam die Angst. Angst vor dem Klassenkampf, Angst vor dem Absturz in die Kreisliga. Ein halbes Jahr liegt nun das zurück. Und wenn der wuchtige Angreifer heute davon erzählt, dann meint er es ernst, atmet tief durch. Kein Tiefstapeln. „Wir wollten nur die Klasse halten. Das war alles“, schaut er in die Vergangenheit. Mittlerweile Pustekuchen. Binovec zieht die Top-Spins wieder wie ein Jungspund. Längst hat sich der TTC stabilisiert. Mehr sogar noch. „In der Vorrunde mussten wir schauen, nicht hinten rein zu rutschen. Wir sind in ruhigen Fahrwassern“, bestätigt Kapitän Michael Steinbrecher. Eine kleine Rückschau: Bis vor wenigen Jahren war Börrstadt die aufkommende Tischtennis-Macht im Kreis, die am Status der alten Erfolgsclubs zerrte. 2012 stand der TTC sogar dicht vor dem Aufstieg in die 2. Pfalzliga, erst am Finalspieltag fiel er auf die Nase. Danach sollte es schleichend, aber kontinuierlich bergab gehen. Bald stieg er ab aus der Bezirksliga, Abwehr-Experte Matthias Linder und Michael Albus gingen. Mit Ralf Henzig pendelte sich der TTC im Bezirksklasse-Mittelfeld ein – bis der „Paradiesvogel“ und Noppen-Garant nach Bali auswanderte, ein klaffendes Loch hinterließ. Das war im Sommer. Sorgen setzten dem TTC zu. Mit 1:5-Punkten startete er in die Saison. Eine harte Runde deutete sich an. Irgendwie wendete sich das Blatt jedoch. „Mit unserer Aufstellung können wir gegen jeden gewinnen – aber auch unerwartet Punkte lassen. Durch unsere Konstanz haben wir das Manko mit Ralf aufgefangen. Es ist super, wenn es innerhalb einer Saison so aufwärts geht“, schwärmt Binovec. Aus 1:5-Zählern wurde eine 20:10-Bilanz. Börrstadt ist da, Börrstadt ist wieder erstarkt. Der TTC schielt auf Platz zwei, drei Punkte fehlen zum TTC Winnweiler II. Er sitzt im Nacken. „Die Chancen sind gering“, klingt Steinbrecher, zwei Tage vor dem Heimspiel gegen Schlusslicht TTV Siegelbach III (heute, 19 Uhr), wenig optimistisch. „Wir haben uns darüber auch keine Gedanken gemacht. Der dritte Platz wäre ein Riesen-Erfolg für die Mannschaft.“ Zugegeben: Ja, es ist unwahrscheinlich, dass der TTC noch mehr aus der Saison holt. Er hat die fetten Brocken vor sich, außerdem müsste Winnweiler straucheln. Und das mit einfacherem Restprogramm. Alleine die Aufholjagd der Börrstadter aber flößt Respekt ein. „Das Schöne ist, wir können locker aufspielen, weil wir uns nicht mit dem Aufstiegsgedanken tragen“, betont Binovec. Neue Halle, motivierte Spieler, ein frischer Teamgeist – der Erfolg habe viele Namen. Alles kann, nichts muss. So denkt der TTC. Am Anfang wollte er das Abrutschen in den Keller blockieren. Umso stärker, wo er jetzt steht. Der Rest ist Bonus. „Wir müssen realistisch bleiben. Von der Relegation darf man träumen, die Leute sind im Moment geil drauf, zu spielen. Wir zeigen aber zwei Gesichter“, sagt Steinbrecher. Auch Binovec betont: „Wenn wir uns den Patzer erlauben, ist das wurst. Wir können eine Basis schaffen, um nächstes Jahr durchzustarten.“ Der TTC hat sich nach tristen Jahren vom Abwärtstrend befreit. Er blickt nach vorne. Vielleicht gibt es in neun Wochen die Krönung… (ppp)