Donnersbergkreis
Händeringend auf der Suche nach Pflegeeltern im Donnersbergkreis
Bundesweit fehlen nach neuesten Angaben etwa 4000 Pflegeeltern. Auch im Donnersbergkreis wird stets nach passenden Familien gesucht. Das ist nicht immer einfach. Deshalb bietet das Jugendamt Beratungen für Interessierte an, will Hemmungen abbauen, Sorgen nehmen und allen die Möglichkeit bieten, sich über Rechte und Pflichten im Klaren zu sein, bevor sie tatsächlich ein Pflegekind aufnehmen. Wie der Alltag einer Pflegefamilie aussieht, davon weiß Cindy Kurasch zu berichten. Sie lebt mit ihrer Familie im Donnersbergkreis und hat in den vergangenen Jahren schon einige Kinder bei sich aufgenommen.
„Nicht blauäugig an die Aufgabe herangehen“
Vieles klingt zunächst wie bei einer ganz klassischen Familie. Die Eltern arbeiten, man bekommt die eigenen Termine und die der Kinder irgendwie gemeinsam geregelt, fährt gelegentlich in Urlaub, hat ein schönes Zuhause. „Und genau darum geht es ja auch“, sagt Kurasch. Pflegekinder sollen sich aufgenommen und vollständig integriert fühlen – eine Heimat haben. Das sollte grundsätzlich so sein, aber vor allem dann, wenn es um eine Langzeitpflege geht.
Dies bedeutet für die aufnehmende Familie, aber auch für das Pflegekind, zunächst viel Arbeit, viel Geduld, viel Kommunikation – und auch etliche Kompromisse, ehe sämtliche Rädchen ineinander laufen. „Blauäugig sollte man an diese Aufgabe nicht herangehen“, sagt Cindy Kurasch. „Pflegekinder bringen in der Regel ihre eigene Geschichte mit, womöglich auch Diagnosen, die erst mit der Zeit deutlich werden und mit denen man dann umgehen muss.“
Oft bleibt Kontakt nach dem Auszug bestehen
Negativ will sie das aber keineswegs verstanden wissen. Denn vor allem die Erfolgserlebnisse bleiben haften, wie sie betont. Besondere Momente. „Dann, wenn man Erfolge sehen kann. Fortschritte in der Entwicklung der Kinder.“ Schön sei es auch, „wenn sich Ehemalige regelmäßig zurückmelden, weil man über die Jahre eben doch eine ganz besondere Bindung aufgebaut hat“. Für Cindy Kurasch ist die Aufgabe als Pflegemutter nicht beendet, wenn die Kinder ausziehen. Bestenfalls bleibt der Kontakt bestehen – wie in der klassischen Familie eben auch.
Fragen, die Interessierte oftmals ins Grübeln bringen: Kann man diese Aufgabe überhaupt leisten? Und wie verträgt sie sich mit den leiblichen Kindern? Familie Kurasch hat drei eigene Kinder und bindet diese grundsätzlich mit ein, wenn neue Pflegekinder kommen. „Ernsthafte Probleme gab es noch nie, und wir geben den Kindern am Anfang immer ein Mitspracherecht“, sagt die Mutter. Die Sozialkompetenz der Kinder werde dadurch gesteigert, dass diese immer wieder Bindungen zu den neuen Pflegegeschwistern aufbauen. „Die Erfahrungen sind jedenfalls positiv. Was es manchmal gibt, sind die normalen Streitigkeiten, wie man sie auch ansonsten unter Geschwistern kennt“, schildert Kurasch.
Pflegemutter: Seminare sind weichgezeichnet
Es sei generell wichtig, den Schritt hin zum Pflegekind gründlich zu besprechen und zu durchdenken. „Die Aufgabe ist schon sehr groß, und es bleibt oft wenig Zeit übrig“, sagt Cindy Kurasch. Die Seminare, die angehende Pflegeeltern vorab besuchen müssen, bezeichnet sie als weichgezeichnet. Die Zusammenarbeit mit Jugendamt und Fachberater dagegen lobt Kurasch deutlich. „Sie halten sich im Hintergrund und lassen uns freie Hand. Aber sie sind da, man gibt sich Rückmeldungen, und alles ist eng verzahnt.“
So funktioniert das Leben dieser und vieler anderer Pflegefamilien. „Es ist kein Selbstläufer“, betont Kurasch. Bereut hat sie die Entscheidung fürs erste und auch für die nachfolgenden Pflegekinder aber nie. Acht Kinder hatte sie in Langzeitbetreuung, zwei sind derzeit Teil der Familie. Ob es danach noch weitere geben wird, lässt sie bewusst offen. Auch sie möchte irgendwann ein paar Gänge zurückschalten können im Leben. Ausschließen will sie allerdings nichts.
Eine Anfrage verpflichtet zu nichts
Für das Jugendamt im Donnersbergkreis sind Familien wie die Kuraschs ein Segen. „Es ist schon immer knapp – aber in der Regel findet man irgendwie eine Lösung“, beschreiben die Mitarbeiterinnen des Jugendamts die Lage. Bei vielen Fällen gerieten sie „regelrecht ins Schwitzen“. Deshalb wendet sich das Jugendamt offensiv an die Bevölkerung und sucht nach Interessierten. „Eine Anfrage verpflichtet noch niemanden, sich auf irgendetwas einzulassen“, betont Heike Frey, Abteilungsleiterin für Jugend, Familie und Sport bei der Kreisverwaltung.
Zunächst stehen Info-Gespräche an. Sollte die Familie dann noch immer Interesse haben, folgen eine umfangreiche Eignungsprüfung, Seminare – und dann weitere Gespräche. Denn es geht auch darum herauszufinden, welche Pflegekinder zur Familie passen könnten: aus welchen Altersklassen, mit welchen Eigenschaften und mit welchen Bedarfen. Knapp die Hälfte der Bewerber gehen dann laut Jugendamt tatsächlich diesen gesamten Weg mit. Nur wer wirklich möchte – und geeignet ist –, bekommt am Ende ein Pflegekind vermittelt. In 92 Familien im Donnersbergkreis sind momentan insgesamt 114 Pflegekinder untergebracht, teilweise in Dauer-, teilweise in Bereitschaftspflege.
Große Probleme bringen große Erfolgserlebnisse
Bewerben können sich erwachsene Paare oder Alleinerziehende aus allen Lebensmodellen und Altersschichten. „Eine große Motivation, ein geordnetes Umfeld und persönliche Stabilität“ sollten Bewerber laut Jugendamt in jedem Fall mitbringen. Unerlässlich seien zudem Kritikfähigkeit und die Bereitschaft, sich selbst zu reflektieren sowie transparent und kooperativ mit dem Jugendamt zusammenzuarbeiten. „Wichtig ist es auch, Liebe geben und gleichzeitig mit der Herkunftsfamilie kooperieren zu können“, betonen die Mitarbeiterinnen.
Jeder Fall sei verschieden. Die Behörde versuche, den Pflegeeltern stets alle Informationen transparent an die Hand zu geben. Das bestätigt Cindy Kurasch: „Alles, was man wissen kann, das erfährt man auch.“ Dennoch sei jedes Kind anders, und niemand könne in Köpfe hineinschauen. „Vieles zeigt sich erst mit der Zeit. Und dann beginnt die Arbeit oft erst so richtig“, sagt Kurasch. Umso größer könnten dann aber auch die Erfolgserlebnisse werden.
Kontakt
Für Anfragen und die Terminvereinbarung für ein Beratungsgespräch stehen die Mitarbeiterinnen im Pflegekinderdienst zur Verfügung: Ute Grimm-Hofstadt, 06352 710-282; Lena Baumgärtner, 06352 710-281; Pia Scheerer, 06352 710-173; Melanie Betz, 06352 710-220; E-Mail pkd@donnersberg.de