SPEYER Gurs 1940: Erinnerung an ein schreckliches Geschehen

Im Lager Gurs am Fuße der Pyrenäen erwarteten die Ankömmlinge entsetzliche Zustände.
Im Lager Gurs am Fuße der Pyrenäen erwarteten die Ankömmlinge entsetzliche Zustände.

Mit dem Namen Gurs verbindet sich in der Pfalz die Erinnerung an ein schreckliches Geschehen im Oktober 1940: die Deportation pfälzischer Juden in das gleichnamige Lager in den Pyrenäen. Unter den 824 Menschen, die in einer Nacht- und Nebelaktion von den Nazis verschleppt wurden, waren auch über 100 aus dem heutigen Donnersbergkreis. Dem Thema „Gurs 1940“ widmet sich eine Ausstellung, die nun im Historischen Museum der Pfalz in Speyer gezeigt wird.

„Gurs 1940“, die Ausstellung der Berliner Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz, wird vom Bezirksverband Pfalz bis voraussichtlich 23. Mai im Historischen Museum der Pfalz in Speyer bei freiem Eintritt gezeigt. Die Eröffnung findet digital am Donnerstag, 8. April, um 16 Uhr statt und kann im YouTube-Kanal BVPfalz verfolgt werden.

An der Eröffnung beteiligt sind Vertreter einschlägiger Bildungs- und Kultureinrichtungen und der jüdischen Kultusgemeinde der Rheinpfalz, viel Prominenz aus der Politik sowie die beiden Kuratoren der Ausstellung, Christoph Kreutzmüller und Jennifer Heidtke von der Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannseekonferenz Berlin. Ein Kurzfilm gibt einen Eindruck von der Wanderausstellung, für die Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Schirmherrschaft übernommen hat.

Umfassende Dokumentation auf 28 Tafeln

Die Gedenk- und Bildungsstätte Haus der Wannsee-Konferenz (GHWK) hat die 28 Tafeln umfassende Ausstellung laut einer Pressemitteilung des Bezirksverbandes in deutscher und französischer Sprache erarbeitet. Sie entstand im Auftrag und mit Unterstützung der Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland sowie der Arbeitsgemeinschaft zu Unterhalt und Pflege des Deportiertenfriedhofs in Gurs, in der badische Städte und Gemeinden sowie der Bezirksverband Pfalz zusammengeschlossen sind. Die Ausstellung zeigt den Ablauf der Deportation und das Verhalten der lokalen Bevölkerung. Sie beschreibt die furchtbaren hygienischen Zustände im Lager Gurs anhand von Berichten, Fotos und Zeichnungen der dort internierten Menschen und beleuchtet die Zusammenarbeit der Vichy-Regierung und der Nationalsozialisten. Weitere Kapitel widmen sich der Erinnerungskultur und der Aufarbeitung. Neun weitere Stellwände gehen auf Einzelschicksale ein.

Überlebt haben nur wenige

Bei den Verschleppungen am 22. und 23. Oktober 1940 handelt es sich um eine der ersten systematischen Deportationen durch die Nationalsozialisten. Ziel der Züge, die in zahlreichen Städten gestartet waren, war das Lager Gurs, das am Fuße der Pyrenäen in Südfrankreich 1939 für Flüchtlinge aus Spanien errichtet worden war. Viele der Deportierten starben dort oder in anderen Lagern Südfrankreichs. Die in Gurs Internierten wurden ab dem Sommer 1942 nach Auschwitz-Birkenau und Sobibor verschleppt und ermordet. Nur wenige Menschen überlebten.

Auch in der Nordpfalz wird die Erinnerung an das Geschehen wach gehalten. Letztes Jahr etwa, als sich das Geschehen zum 80. Mal gejährt hat, gab es im Westkreis eine Veranstaltungsreihe, die das Gedenken in einzelne Dörfer hineingetragen hat, leider aber unterbrochen wurde durch den neuerlichen Lockdown. In Orten wie Rockenhausen oder Teschenmoschel erinnern Stolpersteine mit Namen und Lebensdaten an die Opfer.

Kurz-Info

  • Die Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz in Speyer ist – sobald es wieder öffnen kann – dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Eine Voranmeldung des Besuchs ist dann erforderlich, und zwar montags bis freitags zwischen 10 und 16 Uhr telefonisch unter der Nummer 06232 620222. Am Museum werden bei Wiederöffnung zusätzlich dienstags bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr Vorausbuchungen am Fenster neben dem Haupteingang entgegengenommen.

  • Weitere Informationen zur Ausstellung sowie ergänzende Materialien finden sich unter www.gurs1940.de, außerdem www.bv-pfalz.de/gedenken-erinnern/80-jahre-gurs/.