Donnersbergkreis „Farbessenzen der realen Welt“

Atmosphärischer Farbnebel: „Januar“ von Martin Noël.
Atmosphärischer Farbnebel: »Januar« von Martin Noël.

«KIRCHHEIMBOLANDEN.» Im letzten Jahr hat das Art-Hotel Braun damit begonnen. Nun wird zum zweiten Mal ein „Kunstwerk des Jahres“ präsentiert. Zu sehen ist „Januar“, eine charakteristische Fotoarbeit des 2010 verstorbenen Künstlers Martin Noël. Vernissage ist am Sonntag, 28. Januar, um 11 Uhr, anlässlich des Neujahrsempfangs des Hotels, wobei auch weitere Arbeiten Noëls zu sehen sein werden. Die Besichtigung ist danach möglich von Montag bis Freitag, 8 bis 23 Uhr.

Die Fotoarbeit Noëls – 90 mal 120 cm, Auflage: sechs Exemplare, Privatsammlung, hinter Acrylglas versiegelt – stammt aus dem Jahre 2006. Sie löst das großformatige abstrakte Werk von Ann-Kristin Hamm ab, mit dem das Hotel eingestiegen ist in die Reihe „Kunstwerk des Jahres“. „Es ist als außerordentliches Geschenk zu würdigen, dass Margarete Noël, die das Werk ihres verstorbenen Mannes mit Kompetenz und Umsicht verwaltet und schützt, für das Ausstellungsprojekt in Kirchheimbolanden die Fotografie ,Januar’ und drei Serien aus dem grafischen Werk von Martin Noël zur Verfügung gestellt hat“, zeigt sich Lydia Thorn Wickert, die mit Art-Kibo dieses Kunstprojekt managt, dankbar für die Möglichkeit, Arbeiten des renommierten Künstlers hier zeigen zu können. Im Gegensatz zur letzten Gruppenausstellung „In meiner Küche nicht!“ mit fünf Künstlern, die durch die Vielfalt der verwendeten Materialien und Ausdrucksformen immer neue und verwirrende Perspektiven eröffnete, bündeln die kleinformatigen Grafiken von Martin Noël nach Darstellung Thorn Wickerts den Blick und lenken ihn auf die Linien und Farbflächen und über diese in die Tiefe. Die Titel der Serien „Venedig“ oder „New York Lines“ verweisen auf Reisen und Arbeitsstipendien, während derer der Künstler seine Bildmotive gesammelt und in Skizzenbüchern und mit Fotos festgehalten hat. Martin Noël gilt als einer der bekanntesten Bonner Künstler der Gegenwart. 1956 in Berlin geboren, fand er sehr jung seinen Weg in die „pulsierende freie Kunstszene des Westens“ und studierte von 1980 bis 1987 Malerei und Grafik an der FH Köln, die er als Meisterschüler abschloss. Zahlreiche Preise und Stipendien wurden ihm verliehen, darunter der Kunstpreis „Junger Westen“, Recklinghausen, und der Kunstpreis der Stadt Bonn. Auch in der Pfalz ist Martin Noël kein Unbekannter, wie Lydia Thorn Wickert weiter herausstellt: 1993 wurde er in Frankenthal mit dem Perron-Kunstpreis der Stadt ausgezeichnet, und im Jahre 1995 erhielt er den Preis der Pfalzgalerie Kaiserslautern für klassische Verfahren der Originalgrafik, woran sich einige Jahre später (1999) Ankäufe durch das Museum anschlossen. „Martin Noël verfolgte unbeirrt seinen eigenen künstlerischen Weg. In Zeiten impulsiver Farbschlachten oder bisweilen beliebig anmutender Installationskunst erforscht er Linie und Fläche. Diese Suche führt den Künstler konsequenterweise zum Holzschnitt und Linolschnitt“, so Thorn Wickert. Er sei in die Fußstapfen von HAP Grieshaber getreten und zum Erneuerer eines althergebrachten Mediums geworden. „Nach dem Druckverfahren bearbeitet der Künstler die Druckstöcke seiner Grafiken und verleiht ihnen den Status des Originals. So entsteht zu Beginn der 90er Jahre eine neue Gattung von Bildobjekten, die ,Hölzer’.“ Die Fotos von Martin Noël entwickeln sich nach weiteren Angaben als eigenständige Bildgattung. Hier ist die Kamera gleichsam die Verlängerung der Augen. „Die Linien sind bis zur Auflösung vergrößert, der Betrachter sieht farbige Flächen, Farbnebel (Ferdinand Ullrich), ,Farbessenzen der realen Welt’ (Elisabeth Volk).“ Noëls Vergrößerungen der Dinge bewirken laut Thorn Wickert beim Betrachter eine Veränderung der Sichtweisen. Die enge Beziehung des Künstlers zur Musik und Literatur findet ihren künstlerischen Niederschlag in der Gestaltung von CD-Covern und Buchumschlägen. Margarete Noël wird persönlich anwesend sein. Zur Ausstellung spricht Wenzel Jacob, Mitglied des Gründungsstabs und erster Geschäftsführender Direktor der Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland in Bonn.

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