Donnersbergkreis
Fallzahlen steigen, Impfstoff wird knapp: Senioren von Grippewelle besonders betroffen
Das Fieber kam plötzlich und war direkt sehr hoch. Drei Stunden zuvor hatte der Zweijährige noch mit seinen Geschwistern im Schnee gespielt, dann lag er jammernd im Bett. Ein Schnelltest bestätigte die Vermutung: Das Kind hatte sich Influenza A eingefangen. Damit ist er nicht allein: Aktuelle Daten in Rheinland-Pfalz deuten laut Landesuntersuchungsamt (LUA) auf ein „erhöhtes Infektionsgeschehen durch akute Atemwegserreger“ hin, aktuell dominiert die Influenza.
„Die Grippewelle hat sich flächendeckend auf Rheinland-Pfalz ausgebreitet“, sagt LUA-Pressesprecherin Kerstin Stiefel. In Altenheimen oder Kitas könne es dennoch „Hotspots“ geben. Besonders gefährdet sind ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen. „Ab einem Alter von 60 Jahren ist das Risiko von Hospitalisierungen oder sogar Todesfällen aufgrund einer Influenza erhöht“, schreibt Stiefel der RHEINPFALZ und verweist auf die Impfempfehlung des Robert-Koch-Instituts. Auch Kleinkinder unter drei Jahren erkranken häufig, da ihr Immunsystem noch nicht ausgereift ist.
Fallzahlen werden weiter ansteigen
Die Grippewelle begann in dieser Saison rund vier Wochen früher als im Vorjahr: Seit Anfang Oktober wurden 4645 Influenza-Fälle bestätigt, im Vorjahr waren es zum selben Zeitpunkt 1149. Aber: „Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass die Erkrankung aktuell schwerer verläuft als in früheren Jahren“, heißt es vom LUA. Man gehe davon aus, „dass die Fallzahlen vorerst noch weiter ansteigen werden, bevor sie wieder zurückgehen“.
Auch für den Donnersbergkreis veröffentlicht das LUA Zahlen: Hier sei die aktuelle Grippewelle deutlich spürbar. Seit Beginn der Saison 2025/26 wurden bereits 102 laborbestätigte Influenza-Fälle gemeldet. Auffällig: 60 Prozent der Erkrankten sind älter als 60 Jahre, gerade bei dieser Altersgruppe sei das Risiko für einen schweren Verlauf besonders hoch. Insgesamt mussten 72 Betroffene wegen Influenza ins Krankenhaus, davon zwei Drittel Seniorinnen und Senioren. Die Inzidenz liegt bei rund 29 Fällen pro 100.000 Einwohner, bei den über 60-Jährigen sogar bei 48.
Auch in Kibo liegen Grippe-Patienten
Coronainfektionen spielen aktuell eine eher geringere Rolle: In der zweiten Kalenderwoche wurden nur sechs bestätigte Fälle registriert, ohne Hospitalisierungen oder Todesfälle. Das RS-Virus trat im Kreis zuletzt nicht als besonderer Schwerpunkt auf. In den Krankenhäusern an den Standorten des Westpfalzklinikums im Donnersbergkreis werden derzeit sieben Personen mit Influenza A stationär behandelt: Zwei auf Station R4, vier auf Station R2 in Rockenhausen und einer auf Station K1 in Kirchheimbolanden.
„Auf der Intensivstation befindet sich aktuell kein Influenzapatient“, teilte Ralph Arnold, Pressesprecher des Westpfalzklinikums, mit. Seit Jahresbeginn wurden in Rockenhausen und Kirchheimbolanden 18 stationäre Influenza-Fälle gezählt. „Damit bewegt sich das Infektionsgeschehen auf dem Niveau zum Vorjahr, als zum gleichen Zeitpunkt 15 stationäre Grippepatienten zu verzeichnen waren“, erzählt Arnold. „Die meisten unserer Patientinnen und Patienten sind zwischen 1940 und 1960 geboren.“
Keine verschärften Besuchsregelungen
Aktuell gelten keine Änderungen der Besuchsregelungen in den Krankenhäusern. „Wir bitten jedoch darum, Besuche aufgrund des erhöhten Infektionsrisikos auf ein Minimum zu reduzieren“, erklärte Arnold. Vor Betreten der Patientenzimmer werden Besucher in das Tragen von Schutzausrüstung und die konsequente Händedesinfektion eingewiesen.
Auch in der Kinderklinik in Kaiserslautern ist die Grippe ein Thema: „Aktuell gibt es bei zwei stationär behandelten Kindern einen Influenza-Nachweis, jeweils als Begleitdiagnose“, sagt Arnold. Ein weiteres Kind mit Influenza A wird intensivmedizinisch betreut, wobei ein anderes Krankheitsbild im Vordergrund steht. Und: „Die Auslastung der Kinderklinik ist derzeit hoch“, berichtet der Pressesprecher.
Wer einen Schnupfen hat, sollte fernbleiben
Neben Influenza treten nur vereinzelt Covid-19-Fälle auf, RSV-Erkrankungen sind seit Einführung der RSV-Impfung selten. Die gute Nachricht: Engpässe bei kindgerechten Medikamenten gebe es nicht. Eltern und Besucher sollten laut Arnold die Schutzmaßnahmen einhalten: „Wir empfehlen eine konsequente Händedesinfektion sowie das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Wer selbst Atemwegssymptome hat, sollte möglichst auf einen Besuch verzichten.“
Auch eine Impfung lohne sich zum jetzigen Zeitpunkt noch, sagt Hausarzt Ulf Christian Niwa aus Albisheim mit Blick auf die bevorstehende Fasnachtszeit. Vor allem sollten sich Menschen über 60, diejenigen mit Vorerkrankungen und wer viel Kontakt mit anderen Menschen oder kleinen Kindern hat oder schwanger ist, impfen lassen. In seiner Hausarztpraxis seien in dieser Saison bereits 660 Impfdosen verabreicht worden. „Das ist eine gute Quote. Die Impfbereitschaft ist also da“, sagt er. Das sei nicht immer der Fall. In der Grippe-Saison 2024/2025 lag die Impfquote bei den Ü60-Jährigen bei etwa 34 Prozent im Donnersbergkreis. „Das ist schon etwas unter dem Bundesdurchschnitt“, ordnet Niwa ein.
Grippewelle kann noch Fahrt aufnehmen
Derzeit treten in seiner Praxis weniger allgemeine Atemwegserkrankungen auf, die im Zusammenhang mit einer Influenza-Infektion stünden, berichtet Niwa. Nur etwa zwei bis drei Patienten hätten zur Behandlung ins Krankenhaus gemusst. Dennoch zeigten die Zahlen, dass es seit Silvester zu einem deutlichen Anstieg der Influenza-Infektionen im Donnersbergkreis kommt. Nicht ungewöhnlich, findet der Allgemeinmediziner. Die Grippewelle erreiche ihren Höhepunkt immer gegen Februar, Covid hingegen eher im Oktober und November. „Wir werden also noch nicht völlig von der Grippewelle überrannt. Bisher gibt es einzelne Cluster. Aber es könnte noch eine interessante Grippesaison werden“, sagt Niwa.
Ein Grund dafür sieht Niwa in den aktuell herrschenden Lieferengpässen des Impfstoffs. Zwar habe das Paul-Ehrlich-Institut, das Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel, 19 Millionen Grippe-Impfstoffe für Deutschland bestellt. Die seien mittlerweile aber weitgehend aufgebraucht, eine Nachproduktion nehme mehrere Monate in Anspruch. „Restbestände halten wir derzeit noch für Ü60-Patienten vor“, berichtet Niwa aus seiner Praxis.
Lieferengpässe und schlecht angepasster Wirkstoff
Ein weiteres Problem sieht er in der weniger gut angepassten Formel des diesjährigen Impfstoffs: „Bei der Herstellung ist es ein wenig wie beim Blick in die Glaskugel: Es gibt verschiedene Grippe-Erreger. Anfang Januar muss entschieden werden, auf welchem Erreger die Impfbasis für die kommende Grippesaison hergestellt werden soll.“ Trotz der häufigeren Infektionsdurchbrüche sieht er weiterhin Vorteile in einer Immunisierung: Was viele außer Acht ließen, sei, dass die Immunisierung einerseits schwere Verläufe verhindere, andererseits die Übertragung des Virus einschränke.
Prinzipiell empfehle er die Impfung ab Ende November „jedem, der sich impfen lassen möchte“. Etwa zwei bis drei Monate schütze der Wirkstoff dann. „Außerdem setzt die Wirkung nicht sofort ein. Etwa sieben bis zehn Tage dauert es, bis die Impfung ihren Schutz entfaltet.“ Selbstzahler müssten mit rund 50 Euro Kosten für den Impfstoff und die Verabreichung rechnen. „In den meisten Fällen lohnt es sich aber, die Rechnung bei der Krankenkasse einzureichen. Sie wird oft übernommen“, weiß Niwa.
Nachimpfen wird nicht empfohlen
Auch gebe es immer mal wieder die Nachfrage, ob sich eine Nachimpfung lohne, wenn die erste Grippeschutzimpfung bereits im Herbst stattgefunden habe. Weil er aufgrund seines Berufs und im privaten Bereich einem erhöhten Risiko ausgesetzt sei, habe er eine Nachimpfung an sich selbst ausprobiert, erklärt er: „Bisher bin ich damit gut über die Runden gekommen und es hat ähnlich wie bei einer Tetanus-Impfung, die mehrfach geimpft wurde, keine medizinischen Folgen. Aber das Robert-Koch-Institut empfiehlt das Nachimpfen der Grippeimpfung nicht.“