Donnersbergkreis Essen für Farbe

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Mittlerweile sind einige Dinge in Steinbach ein bisschen Pizza. Der Dachboden des Feuerwehrgerätehauses zum Beispiel. Oder die beiden „Rollen“ – auf Hochdeutsch Traktoranhänger –, die der örtliche Jugend- und Kerweverein für den Umzug angeschafft hat. Und in diesem Jahr wird auch die Scheunenfassade gegenüber der Kirche ein Stück von dem Kuchen – Pardon, der Pizza abbekommen. Damit das Gebäude aber tatsächlich bald einen neuen Anstrich zur Verschönerung des benachbarten Spielplatzes erhält, müssen morgen möglichst viele Exemplare des italienischen Nationalgerichts über den Tresen auf dem Bürgerhausplatz gehen. Dort findet ab 16 Uhr die vierte Steinbacher Pizza-Party statt. Was 2011 begonnen hat als Versuch, zusätzliches Geld in die Vereinskasse zu spülen, hat sich mittlerweile zu einem der größten Feste im „Schdoabacher“ Jahreskalender entwickelt. Ausgegangen ist die Initiative von Heiko Blickensdörfer, der zusammen mit seinem Vater Heini im Dorf einen Pizza-Service betreibt. Allerdings nicht im herkömmlichen Sinn: Die beiden reisen auf Bestellung mit ihren Öfen zu Feiern aller Art an, die Pizzen werden dann vor Ort frisch zubereitet. „Heiko hat uns den Vorschlag gemacht, dass uns die Firma die Öfen kostenlos zur Verfügung stellt – wir mussten dann nur noch die Zutaten besorgen und die Helfer stellen“, sagt Julian Herrbruck, erster Vorsitzender des Jugend- und Kerwevereins. Dahinter habe die Idee gesteckt, „mal etwas Neues, Anderes auszuprobieren“. Gesagt, getan: Die Premiere war ein voller Erfolg. Und über Mundpropaganda hat die Resonanz in den vergangenen beiden Jahren noch zugenommen: 350 Pizzen haben die Steinbacher Kerweborsch – unterstützt von Heiko Blickensdörfer und einem gelernten Pizzabäcker – im vorigen Jahr verkauft. Tendenz steigend: „Ich hoffe schon, dass es am Samstag noch ein paar mehr werden“, so Herrbruck. Einer der Vorteile: Auf einem Bestellzettel können die Besucher ankreuzen, welche Beläge sie wollen – „jede Pizza wird also individuell gestaltet“. Beliebt ist das Fest aber auch deshalb, weil die Organisatoren beim Drumherum von Jahr zu Jahr zugelegt haben: 2013 ist erstmals eine Ritter-Hüpfburg aufgestellt, außerdem sind Kinderschminken und eine Kinderbetreuung angeboten worden. Zwei Zelte sorgen dafür, dass die Gäste (von außen) trocken bleiben. Und wie im Vorjahr – damals in der Champions League, nun im DFB-Pokal – kann das große Finale Bayern München gegen Borussia Dortmund auf Großbildschirm verfolgt werden; dieses Mal aber statt im Bürgerhaus „Open Air“ im überdachten Eingangsbereich. Die Einnahmen des Festes dienen übrigens nicht (jedenfalls nicht vorwiegend) der Selbstberieselung der Kerweborsch, sondern werden sinnvoll eingesetzt. Beispielsweise hat der Verein einen Beitrag zum Ausbau des Dachbodens im Feuerwehrgerätehaus geleistet. Ein Teil des Erlöses aus dem Vorjahr ist in den Kauf der genannten „Kerwerollen“ geflossen. Und in diesem Jahr will der Verein die Malaktion unterstützen, bei der Kita-Kinder die unansehnliche Wand der Scheune am Spielplatz mit neuer Farbe versehen sollen. Wer also morgen eine zweite (oder dritte) Pizza verputzt (und das Ganze mit einem oder mehreren Schoppen Bier hinunterspült), braucht ob der vielen Kalorien kein schlechtes Gewissen zu haben: Ist ja schließlich alles für einen guten Zweck. Und mal ehrlich: Sind wir nicht alle ein bisschen Pizza? (kra)

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