Gauersheim RHEINPFALZ Plus Artikel „Es ist erst der Anfang“: Workshop beschäftigt sich mit AfD-Treffpunkt

Gauersheim ist seit Wochen aufgrund des lokalen AfD-Treffpunkts Stammgast in den Schlagzeilen.
Gauersheim ist seit Wochen aufgrund des lokalen AfD-Treffpunkts Stammgast in den Schlagzeilen.

„Warum Gauersheim?“ stand auf dem Flyer – und Antworten hörten die anwesenden Gäste im Rathaus einige. Demnach verfolgt die AfD im Südwesten eine klare Strategie.

Der Raum unterm Dach des Rathauses war voll. So voll sogar, dass keine weiteren Sitzplätze gestattet wurden. Wer zu spät kam, musste stehen. Etwa 70 Gäste kamen nach Gauersheim, um den Vortrag „Warum Gauersheim? Raumnahme der extremen Rechten“ zu hören. Es war die erste Veranstaltung der neu organisierten „Jugend gegen Rechts“ im Donnersbergkreis, die nun gemeinsam mit den lokalen „Omas gegen Rechts“ nach Gauersheim einlud. Es war zudem die erste Veranstaltung seit den Geschehnissen vom 3. Oktober, als es beim Bürgerdialog zum Aufeinandertreffen zwischen Gauersheimer Bürgern und der AfD kam.

Diesmal blieb alles friedlich. Präsent waren die Anhänger der AfD dennoch. Mal weniger auffällig, etwa mit einer Deutschlandfahne, die aus dem Fenster hing. Mal direkter, wie eine kleine Gruppe Männer, die in direkter Nähe zum Rathaus an einem Stehtisch stand und die Gäste der Veranstaltung beäugte. Zudem wählte die AfD sicher nicht zufällig eben jenen Tag, um im ganzen Ort Flugblätter zu verteilen und die Menschen selbst zu Gesprächen in ihren „Treffpunkt Nordpfalz“ einzuladen. Zu einer direkten Konfrontation kam es diesmal jedoch nicht. Vielmehr stand der Austausch zwischen den verschiedenen Netzwerken und anwesenden Interessierten im Rathaus im Vordergrund.

Mitarbeiter der Beratungsstelle: „Erst der Anfang“

Zu Gast war unter anderem ein Mitarbeiter der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus in Rheinland-Pfalz. Aus Sicherheitsgründen nannte er seinen Namen nicht und bat auch darum, dass innerhalb der Räumlichkeiten keine Fotos gemacht werden. „Was wir hier erleben, ist erst der Anfang“, sagte er unter anderem. Was sich die AfD gerade in Gauersheim oder generell in West- und Nordpfalz aufbaut, könne sich über Jahre hinziehen. „Und es ist auch kein Zufall, dass sie sich ausgerechnet hier niederlassen“, ergänzte er.

Gründe gebe es viele. Einer davon sei der, dass gleich zwei wichtige politische Entscheidungsträger der Partei in dieser Region verwurzelt sind. Neben Damian Lohr, der aktuell Direktkandidat der AfD für die kommende Landtagswahl und außerdem amtierender Parlamentarischer Geschäftsführer der Partei im Landtag ist, wäre das noch Sebastian Münzenmaier. Auch der Bundestagsabgeordnete hat einen starken Bezug zur Pfalz. Beide hätten, so erklärte der Mitarbeiter der Mobilen Beratung, auch ein gewisses Ansehen innerhalb der Partei und erfahren für ihr Vorhaben in der Region entsprechend Unterstützung.

Wahlergebnis hat Ambitionen unterstrichen

Richtig Fahrt habe das Vorhaben, sich in der Pfalz niederzulassen, aber durch das Ergebnis der Bundestagswahl im Februar aufgenommen. Der Wahlkreis Kaiserslautern war einer von nur zwei Wahlkreisen in Westdeutschland, in denen die AfD bei den Zweitstimmen vorne lag. Münzenmaier verpasste zudem nur knapp das Direktmandat. Auf diesem Fundament wolle die Partei nun weiter wachsen. „Dieses Vorgehen, wie man es hier in Gauersheim sehen kann, hat System. Nichts davon ist zufällig“, betonte er. Nach Informationen der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus sollen weitere Zentren oder Treffpunkte im Raum Kaiserslautern, Kusel und in der Gegend um Birkenfeld entstehen. Es sei eine klare, partei-intern kommunizierte Strategie, Kommunen unter Druck zu setzen. Dem komme die AfD im Südwesten aktuell nach.

Der Workshop widmete sich aber auch dem, was in Gauersheim zuletzt passiert ist. Und der Frage, wie man sich schützen, aber trotzdem für seine Überzeugung eintreten kann. Ortsbürgermeister Reiner Schlesser betonte, dass er einen „breiten Rücken“ habe und sich nicht unterkriegen lassen wolle. „Diese Partei macht für uns hier im Ort nichts. Die interessieren sich doch überhaupt nicht für die Belange von Gauersheim, denen geht es um ganz andere Dinge“, ergänzte er. Nun gehe es darum, zusammenzustehen. Auch zwischen den Kommunen. Daher will er den Austausch mit den anderen Bürgermeistern suchen. Den Workshop in Gauersheim nutzten vor allem die verschiedenen Netzwerke, um eine weitere Zusammenarbeit zu vertiefen. Denn das Thema des Abends wird nicht von alleine verschwinden – da waren sich alle einig.

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