Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Ende einer Ära: Warum der Imbiss von Liane Klein den Rockenhausener Wochenmarkt verlässt

Am Freitag, 19. Dezember, steht Liane Klein zum letzten Mal in ihrem Imbisswagen auf dem Rockenhausener Wochenmarkt. Ein Abschie
Am Freitag, 19. Dezember, steht Liane Klein zum letzten Mal in ihrem Imbisswagen auf dem Rockenhausener Wochenmarkt. Ein Abschied mit Wehmut, der allerdings unumgänglich sei: »Es hat sich leider nicht mehr gelohnt.«

Seit mehr als 40 Jahren steht der Imbiss von Liane Klein auf dem Rockenhausener Wochenmarkt. Warum am Freitag Schluss ist und was der Steinbacherin besonders fehlen wird.

Seit der Eröffnung des Rockenhausener Wochenmarkts im Jahr 1984 ist der Imbisswagen, der sich nun schon seit vielen Jahren in den Händen von Liane Klein befindet, fester Bestandteil des Angebots auf dem Platz vor der protestantischen Kirche. Von Pommes über Schnitzel bis hin zu Hamburgern – die Betreiberin hat im Laufe der Zeit alle Entwicklungen und Trends mitgemacht. Für viele Kunden war der Imbiss Teil ihres Alltags: ein kurzer Halt nach der Schule, ein Treffpunkt, ein Stück Gewohnheit.

Das Sortiment für einen der Klassiker liegt und steht bereit: die Currywurst.
Das Sortiment für einen der Klassiker liegt und steht bereit: die Currywurst.

Übernommen hat Liane Klein den Betrieb 1992/93, doch den Imbiss gab es schon lange davor. Das Gastronomie-Gen wurde ihr sozusagen vererbt: Bereits ihre Eltern, die Koch hießen und aus Steinbach stammten, waren in diesem Metier tätig. Wobei die Wurzeln in der Schaustellerei lagen: Damals zog die Familie mit einem von Pferden gezogenen Kinderkarussell und einem Süßwarenstand in der Region von Kerwe zu Kerwe.

Von Pommes bis Crêpes: Die Speisekarte wandelt sich

In den 1960er Jahren kam der erste Imbisswagen mit Holzkohlegrill hinzu. „Damals hatten wir nur Bratwurst im Brötchen“, gibt Liane Klein die Geschichten ihrer Eltern weiter. Die heutige Speisekarte entstand Schritt für Schritt: In den 70ern kamen Pommes dazu, Mitte der 80er Hamburger, in den 90ern die Currywurst und in den 2000er Jahren schließlich Crêpes – eine Idee von Lianes Tochter Melanie Klein.

Die Anfänge lagen in der Schaustellerei. Hier eine alte Aufnahme vom Kinderkarussell der Familie Koch.
Die Anfänge lagen in der Schaustellerei. Hier eine alte Aufnahme vom Kinderkarussell der Familie Koch.

Seit dem ersten Markttag im Jahr 1984 ist der Familienbetrieb auf dem Wochenmarkt in Rockenhausen vertreten. Mit dem festen Standort kam Stabilität, aber auch Verantwortung. Der Einstieg sei für sie nicht leicht gewesen, gesteht Liane Klein. An ihre Anfangszeit erinnert sie sich noch gut: „Die Stammkunden wollten nicht von mir bedient werden, sondern von meiner Mama.“ Die habe jedoch den Kunden klargemacht, dass sie sich von der Tochter bedienen lassen sollten – oder eben gar nicht. Im Laufe der Zeit seien dann Vertrauen und Routine gewachsen. „Am Ende wollten die Kunden nur noch von mir bedient werden und fragten immer nach, wenn ich an einem Tag mal nicht da war“, sagt Klein und schmunzelt. Aus Skepsis wurde Gewohnheit, aus Gewohnheit Bindung.

Der Süßwarenstand von Margarede Koch, der Großmutter von Liane Klein.
Der Süßwarenstand von Margarede Koch, der Großmutter von Liane Klein.

Heute nur noch 30 bis 50 Kunden pro Tag

Über viele Jahre hinweg sei das Geschäft gut gelaufen. Stammkunden kamen regelmäßig, manche über Jahrzehnte hinweg. Man kannte sich, kannte die Bestellungen und Vorlieben der Menschen. Für viele von ihnen war der Imbiss ein fester Anlaufpunkt auf dem Wochenmarkt. Heute liege die Anzahl der Kunden bei durchschnittlich 30 bis 50 pro Tag – kein Vergleich zu den goldenen Jahren. „Früher lief es von morgens früh bis abends spät“, erzählt Klein.

Ein Stand der Schausteller-Familie Klein/Koch in den 1970er Jahren.
Ein Stand der Schausteller-Familie Klein/Koch in den 1970er Jahren.

Der Arbeitsalltag sei klar strukturiert gewesen: Fritteuse anschalten, Würstchen auf den Grill legen, Crêpes-Zutaten bereitstellen – und los geht’s. In den Wintermonaten stand Liane Klein zuletzt von 9.30 bis 14.30 Uhr im Imbiss; im Sommer etwas länger, bis 15.30 Uhr. Mit den Jahren sei die persönliche Belastung jedoch größer geworden. Krankheit, Stress und die körperlichen Anforderungen hätten ihren Preis gefordert. Hinzugekommen seien steigende Kosten, neue Auflagen und ein wachsender bürokratischer Aufwand. Kurzum: „Es hat sich leider nicht mehr gelohnt“, bedauert Klein. Der Umsatz habe kaum noch gereicht, um die Kosten zu decken.

Den Imbiss gibt es weiter

Am Freitag, 19. Dezember, hat der Imbiss von Liane Klein zum letzten Mal auf dem Wochenmarkt in Rockenhausen geöffnet. Für die letzten Tage der Ära hat sie ihren Wagen nochmal weihnachtlich dekoriert. Vielen Menschen geht damit ein Treffpunkt und vertrauter Anblick auf dem Wochenmarkt verloren. Für die Betreiberin selbst bedeutet der Abschied auch Loslassen: von Routinen, von Begegnungen, von einem sehr langen Lebensabschnitt. Langweilig wird es Liane Klein aber ganz sicher nicht werden. In ihrer freien Zeit möchte sie einige Ecken Deutschlands noch besser kennenlernen. „Ich reise nicht so gerne ins Ausland, wir haben hier viel Schönes“, sagt Klein. Besonders freut sie sich, wenn sie mit ihrer Tochter unterwegs ist – beispielsweise im Europa-Park, den sie regelmäßig besuchen.

Eines der ältesten Fotos im Familienalbum von Liane Klein.
Eines der ältesten Fotos im Familienalbum von Liane Klein.

Außerdem bleibt der Imbiss der Familie Klein auch nach dem Abschied von Rockenhausen erhalten. Tochter Melanie übernimmt den Betrieb – und mit Sicherheit wird auch Liane Klein das eine oder andere Mal aushelfen. Wie in den Anfängen wird der Imbiss an wechselnden Orten auf Märkten in der Region unterwegs sein. Ein erster Halt sei für Februar in Bolanden geplant. Was für Liane Klein vom Rockenhausener Wochenmarkt bleibt, sind jede Menge Erinnerungen: „Es war eine schöne Zeit, und ich habe hier tolle Menschen kennengelernt – die werde ich vermissen.“

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