Meinung RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Geschichte über eine Geschichte, die keine Geschichte war. Oder: Journalisten auf der Jagd

Nicht immer liegen die Themen auf der „Straße“, manchmal muss man auch im Graben suchen.
Nicht immer liegen die Themen auf der »Straße«, manchmal muss man auch im Graben suchen.

Ein Hinweis, ein Skandal und am Ende: nichts. Außer der Erkenntnis, dass Journalismus auch darin besteht, viel Zeit zu investieren, ohne eine Zeile drucken zu können.

Es gibt unter Journalisten einen Spruch, der lautet: „Die Themen liegen auf der Straße“. Will heißen: rausgehen, Augen auf, Ohren auf und losschreiben. Und in der Tat war bestimmt „die Straße“ viele Jahre der Ort, an dem die meisten Themen zu uns gekommen sind. Oder natürlich die wirklich spannenden Geschichten, bei denen der Cousin dritten Grades den Onkel kannte, der von etwas ganz Skandalösem wusste.

Heute streunern viele Themen im Internet umher. Oder vielleicht auch die Themen, die Themen werden wollen. Denn: Vor ein paar Tagen erreichte unsere Redaktion eine kleine, kurze Nachricht von einer Frau, die etwas gehört oder gesehen haben wollte. Es klang nach einer spannenden Geschichte, und so begann ich mit der Recherche.

Viele Gespräche, null Ergebnis

Ich telefonierte, ich schrieb E-Mails, fragte noch einmal nach und schrieb noch mehr E-Mails. Kurzum: Ich beschäftigte ein paar Menschen. Die Dame, von der die Nachricht kam, war übrigens plötzlich vollkommen abgetaucht, nicht zu erreichen. Dafür aber ein paar Ämter und ein paar Organisationen. Aber überall hörte ich: aktuell nichts bekannt.

Ja, da gab es diesen Fall, der war groß in den Medien, aber danach sei die Frau weggezogen und wohne jetzt auch gar nicht mehr hier. Auch der Bürgermeister der Gemeinde hatte sich vor Ort ein Bild gemacht. Aber: keine Hinweise. Es war also nichts herauszubekommen, und wir hatten nur eine kleine Nachricht aus einem sozialen Netzwerk. Aber ich war ein paar Stunden beschäftigt. Geschriebene Zeilen: null. Wobei, so ganz stimmt das ja nun auch wieder nicht – ich schreibe ja gerade darüber.

Was Journalismus ausmacht

Was ich damit sagen möchte? Manchmal haben es Journalisten schwer. Wir wittern ein Thema, eine gute Geschichte – wie wir so unter uns sagen – und wir recherchieren, wir haken nach, wir wühlen weiter, wenn nötig auch im Straßengraben. Aber wir sind nicht Pippi Langstrumpf und können uns die Welt nicht so machen, wie sie uns gefällt. Wenn selbst im Graben nichts liegt, ist da einfach auch nichts.

Eine Geschichte ausdenken, wäre nicht auszudenken bei der Tageszeitung – wir sind schließlich bei „so ist es“ und nicht bei „Wünsch dir was“. Wobei ich sagen muss: Bei einigen Nachrichten der letzten Tage und Wochen, da dachte ich schon, wir wären eher bei „Wünsch dir was“.

Die Sache mit dem Schulputz

Da gab es den Oberbürgermeister einer Stadt in Baden-Württemberg, der sagte, künftig sollen die Schüler ihre Schule selbst putzen und so den städtischen Haushalt entlasten. Und ja, ich gebe zu: Wenn ich an so manche Schultoilette denke, wäre es vielleicht gar keine so schlechte Idee, die Verursacher der Misere einfach selbst putzen zu lassen.

Aber mal ehrlich: Ich finde nicht, dass es die Aufgabe unserer Kinder sein sollte, ihre Schule selbst zu reinigen. Natürlich sollen sie ihre Klassenräume ordentlich behandeln, aber in den Pausen zu putzen statt zu spielen oder dasPausenbrot zu essen, halte ich für falsch. Gerade in der weiterführenden Schule haben die Kinder und Jugendlichen in den Pausen wenig Zeit, hetzen von Raum zu Raum und kommen kaum zum Essen, und in der Grundschule ist die Pause zum Spielen da. Punkt. Oder glauben Sie etwa, der besagte Oberbürgermeister leert seinen Büromülleimer selbst, wischt die Schreibtischplatte ab und putzt den Badspiegel auf der Herrentoilette im Rathaus?

Sehen Sie das anders?

Wie sehen Sie das anders, liebe Leserinnen und Leser? Denken Sie, es wäre eine gute Idee, Schüler in der Schule putzen zu lassen? Und Bürgermeister im Rathaus? Busfahrer im Bus? Sänger Konzerthallen? Schreiben Sie mir doch! Vielleicht finde ich dann so auch noch ein Thema – nicht auf der Straße, sondern über Sie!

Ach, und wenn Sie irgendetwas über verwahrloste Katzen hören, melden Sie sich auch gerne bei mir! Ich kenne jetzt ein paar gute Ansprechpartner für das Thema.

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