Donnersbergkreis Ein Tischler aus ganz besonderem Holz
Er hatte wohl den strengsten Ausbilder, den man sich vorstellen kann – den eigenen Vater. Geschadet hat es Sebastian Nerbas offenbar nichts: Der Obermoscheler hat im Sommer seine Lehre als bester Tischler im Bereich der Handwerkskammer der Pfalz abgeschlossen. Auch beim Landeswettbewerb im Oktober hatte der 20-Jährige die Nase vorne. Dadurch hat er sich für den am Sonntag beginnenden Bundesentscheid in Ebern (Bayern) qualifiziert.
Vielfach wird ja kritisiert, dass Schulabsolventen nur noch studieren wollen und die handwerkliche Ausbildung dabei ins Hintertreffen gerät. Sebastian Nerbas ist da – passend zu seinem Beruf – aus einem anderen Holz geschnitzt: Nach Erlangen der Mittleren Reife an der Realschule Ebernburg hatte er eine dreijährige Ausbildung zum Tischler bei den Werkstätten für Behinderte des Evangelischen Diakoniewerks Zoar in Rockenhausen begonnen. Sein strenger, aber immer gerechter Ausbilder war sein Vater Markus Nerbas, selbst Schreinermeister von Beruf. Der kann zurecht stolz auf seinen Sohn sein: Sebastian hat im Sommer seine Ausbildung beendet und gehörte zu den 20 Besten der insgesamt 357 Absolventen bei der Freisprechfeier der Kreishandwerkerschaft Westpfalz. Bei den Tischlern konnte ihm niemand das Wasser reichen: Sein Gesellenstück – ein aus Rüster-(Ulmen)holz gefertigtes TV-Board wurde mit der Note sehr gut bewertet und bescherte ihm den Kammersieg. Damit war er für den Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks auf Landesebene qualifiziert. Alle Sieger der rheinland-pfälzischen Kammern trafen sich am 17. Oktober in der Handwerkskammer der Pfalz in Kaiserslautern. Hier hatten sie sechseinhalb Stunden Zeit, um eine weitere Arbeitsprobe zu fertigen: einen Servierwagen. Erneut lieferte Nerbas ein erstklassiges Produkt ab – die Juroren setzten ihn auf den ersten Platz. Der Landessieg war für den talentierten Tischler gleichbedeutend mit der Teilnahme am Bundeswettbewerb. Hier wird der Obermoscheler von 8. bis 11. November in der Meisterschule für das Schreinerhandwerk im bayerischen Ebern sein Können unter Beweis stellen. Im Vorfeld verraten hat der Bundesverband der Tischler und Schreiner, dass die Finalisten aus Massivholz ein Stück aus dem Bereich „Bautischlerei“ herstellen müssen. Nach Auskunft seines Vaters, der ihn nach Bayern begleitet, bereitet sich Sebastian intensiv auf diesen Höhepunkt vor: Derzeit sei für seinen Sohn der Beruf zugleich Hobby. Praktisch jede freie Minute verbringe er in der kleinen, zu Hause eingerichteten Schreinerwerkstatt. Selbst das ansonsten so geliebte Motorradfahren werde momentan hinten angestellt. Sebastian sei regelrecht „heiß“ auf das Bundesfinale und freue sich sehr auf die neuerliche Herausforderung. Ob er auch sie bestehen wird? Zuzutrauen ist ihm das allemal. Kein Wunder, bei dem Ausbilder ... (red)