Zimmer frei RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Häuschen mit Seele auf dem Leinigerhof

Nicht zu übersehen.
Nicht zu übersehen.

Norbert Platen hat ein Faible für alte Häuser. Er selbst wohnt in einer uralten Mühle in Gaugrehweiler, und auf dem Leiningerhof hat er ein kleines Häuschen aus dem Jahr 1892 von Grund auf renoviert. Seit gut zwei Jahren vermietet er es als Ferienhaus.

Das Häuschen zu finden, ist gar nicht so einfach. Nur wenige Meter östlich des zu Bayerfeld-Steckweiler gehörenden Schmalfelderhofs liegt der Leiningerhof, der aber Teil von Gaugrehweiler ist. Das Problem: Auf den meisten Karten ist er nicht verzeichnet. Auch über Google Maps wird man nicht fündig. „Da kommt es schon mal vor, dass Gäste sich verfahren“, sagt Norbert Platen. Doch bisher ist noch jeder an sein Ziel gekommen.

In dem nur wenige Anwesen umfassenden Leinigerhof ist das Häuschen dank seiner leuchtenden Farben nicht zu übersehen: Außenwände in Orange, Tür und Fensterläden tiefblau, Tür- und Fenstergewände grau. Doch wie ein Fremdkörper wirkt es keineswegs. Der Eindruck: Da hat sich jemand Gedanken gemacht.

Am Anfang war die Erbschaft

Platen stieß auf das Haus, nachdem er eine kleine Erbschaft gemacht hatte. Ursprünglich wollte er eine Streuobstwiese kaufen, doch das Häuschen zog ihn sofort in seinen Bann. „Was mich daran besonders interessiert hat, war der Name über dem Türsturz: Karolina Freising 1892. Die Bauherrin war also eine Frau. Das war ja schon sehr ungewöhnlich für diese Zeit.“ Viel Bedenkzeit brauchte Norbert Platen nicht: „Es dauerte genau eine Minute, dann wusste ich: Das kauf ich!“

Die Gastgeber in der Wohnküche.
Die Gastgeber in der Wohnküche.

Zunächst noch ohne Plan für eine Nutzung als Ferienhaus, ging er an die Arbeit. Fünf Jahre dauerte die Renovierung, die Platen größtenteils selbst erledigte. Vom Dachstuhl bis zur Elektrik – alles wurde erneuert. Das Ergebnis: ein Design, das in jedem Lifestyle-Magazin bestehen könnte. „Die Sachen müssen mir selbst gefallen“, sagt Platen dazu. Weiße Wände, hellgraue Fliesen und massive Holzböden aus Eiche und Lärche prägen das Interieur. Ein zylinderförmiger Holzofen im Wohnbereich sorgt für einen Touch Heimeligkeit. Die Möbel haben klare Linien, ein Hingucker ist die knallrote Küchenzeile. Das in Weiß gehaltene Bad ist geräumig, farbliche Akzente setzen der blaue Fensterrahmen und das hölzerne Fensterbrett in einem warmen Honigton. Das Obergeschoss wird von dem großen Schlafzimmer eingenommen, in das durch Fenster auf drei Seiten viel Licht fließt.

Geräumig und hell ist das Schlafzimmer.
Geräumig und hell ist das Schlafzimmer.

Die Terrasse ist auch so ein Objekt, über das man sich nur freuen kann: „Eigentlich stand hier ein Plumpsklo mit Spitzdach“, verrät Platen. „Das Dach kam weg, stattdessen habe ich die Terrasse draufgesetzt.“ Das Gesamtbild wirkt gemütlich und ungewöhnlich zugleich. Platens Lebensgefährtin Dorothea beschreibt es treffend: „Das Häuschen hat eine Seele.“

Von Beginn an ein Selbstläufer

Dazu kommt noch die Lage. Nicht gerade da, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, aber doch abgelegen genug, dass man seine Ruhe hat und die Natur bewusst wahrnehmen kann. „Die Gäste sind normalerweise begeistert“, sagt Platen. „Nur angesichts der Windräder überall müssen manche erst mal schlucken.“ Der Gewöhnungseffekt setze aber schnell ein.

Seit gut zwei Jahren wird das Häuschen vermietet. „Seitdem ist es ein Selbstläufer.“ Anfangs wurde es in der Zeitschrift „Landlust“ inseriert, inzwischen ist es auf mehreren Portalen eingestellt, außerdem gibt es eine eigene Website. Viele Urlauber kommen mehr als einmal. „Sie werden dann auch mal von uns zum Essen eingeladen oder wir gehen zusammen wandern“, sagt Platen. Auf Wunsch gibt es auch eine Aufstellung von verschiedenen Sehenswürdigkeiten oder auch Restaurants in der Umgebung. Besuche auf dem Donnersberg werden natürlich immer empfohlen. „Mit dem Fahrrad oder dem E-Bike kann man hier tolle Touren machen.“

Die Terrasse wurde auf ein ehemaliges Plumpsklo gesetzt.
Die Terrasse wurde auf ein ehemaliges Plumpsklo gesetzt.

Auf Neuankömmlinge wartet eine Flasche Sekt

Groß ist das Häuschen mit seinen rund 60 Quadratmetern Wohnfläche zwar nicht, bietet aber gut Platz für zwei Erwachsene. Auf einem Schlafsofa im Wohnbereich können weitere zwei Personen untergebracht werden. Es besteht aber auch die Möglichkeit, Matratzen für Kinder im großzügig dimensionierten Elternschlafzimmer unterzubringen. Ausgestattet ist das Häuschen, in dem übrigens Rauchverbot herrscht, mit den üblichen Annehmlichkeiten, außerdem mit einem Glasfaser-Anschluss und WLAN. Aufgrund der baulichen Gegebenheiten ist es nicht barrierefrei, auch Haustiere sind nicht erlaubt. Auf Neuankömmlinge warten eine Flasche Wasser und eine Flasche Sekt „aufs Haus“.

Der Türsturz mit Hinweis auf die Erbauerin.
Der Türsturz mit Hinweis auf die Erbauerin.

Und was hat es nun mit der Namensgeberin des Häuschens auf sich? – Platen hat inzwischen herausgefunden, dass Karolina Freising, im Ort auch als Näh-Karline bekannt, unverheiratet war und das Haus von ihren Ersparnissen als Näherin bauen ließ, um dort ihren Lebensabend zu verbringen. „Ich hoffe, dass sie da noch lange und glücklich gelebt hat“, sagt er.

Info

Ferienhaus Karolina alias Ferienhaus in der Nordpfalz, Leinigerhof 3, 67822 Gaugrehweiler, 60 Quadratmeter, 1 Schlafzimmer plus Schlafmöglichkeit im Wohnbereich, 1 Bad, Terrasse, Garten, Autostellplatz. E-Mail: norbertplaten@web.de, Homepage: www.ferienhausnordpfalz.de

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