Donnersbergkreis Die Mischung macht’s

Monatelange Renovierungsarbeiten, ständige Planänderungen im Zeitablauf und nervenaufreibende Diskussionen mit dem Denkmalschutz gehören nun der Vergangenheit an: Die Diergartens sind eingezogen. Die Arbeiten an der Außenfassade sind noch in vollem Gange, das stört aber beim Einrichten und Dekorieren der 290 Quadratmeter großen Wohnfläche nicht. Hier ein paar erste Eindrücke aus dem „neuen“ alten Pfarrhaus.
. Möbelstücke und Kunstwerke aus der ganzen Welt, gekauft auf unzähligen Auktionen, tummeln sich in den Räumen der Diergartens. Dass sich darunter ausgerechnet auch Vorhänge von Aldi finden, mag man zunächst kaum glauben. Im Angebotsblättchen entdeckt, musste Ehemann Bernd um Punkt acht Uhr sechs Päckchen, die Margrit für die Fenster im französisch eingerichteten Salon benötigte, sichern. Über den Preis der grauen Gardinen staunte die Hausherrin, die Vorhänge in den alten Häusern ließ sie nämlich immer nähen. Aber hier ist Margrit Diergarten einfach gestrickt und freut sich, wenn sie ein Schnäppchen machen kann – vor allem, wenn es genau ihren Vorstellungen entspricht. Mit einem einfachen Trick behob sie das Problem, dass die Gardinen zunächst etwas dünn erschienen: sie nahm sie einfach doppelt, sodass auf der Seite zwei Vorhänge hintereinander hängen. So sind die gräulichen Vorhänge wie gemacht für das restaurierte Pfarrhaus: Fenster und Holzlatten haben unterschiedliche Grautöne. Wie auch Küche, Bad und Bibliothek. Dabei legte Margrit Diergarten bei der Restauration Wert auf originalgetreue Wiederherstellung des Hauses und achtete sogar bei den Türklinken penibel darauf, dass sie zum Baujahr des Hauses passen. Doch die Mischung macht’s: die moderne Küche in Dunkelgrau passt nicht ins Baujahr des Gebäudes, aber zum Stil. Die Kombination aus bis zu 200 Jahre alten Möbeln und neuer, schlichter Einrichtung wirkt edel. Etwa im Bad. Bei den 100 Jahre alten Keramikfliesen hätte wohl kaum jemand geglaubt, dass sie irgendwann eine riesige, ebenerdige Glasdusche umranden würden. Hierbei hat Margrit Diergarten nicht nur auf Optik und Trend geachtet. Obwohl das Ehepaar topfit ist, könnte das Bad irgendwann einmal mit einem Rollstuhl benutzt werden. Die Waschbecken auf einem Gestell hat sie ebenfalls aus dem Internet: Sonderanfertigungen aus einem Hotel, von denen sie die letzten drei Stück ergattern konnte. Ein weiteres Problem bei der Einrichtung stellte der über zwei Meter lange Esstisch dar. Dieser war zu groß für den dafür vorgesehenen Raum. Bernd Diergarten ersteigerte hierfür einen neuen Tisch mit Einlegeplatten, der im Bedarfsfall auf eine ähnliche Länge vergrößert werden kann. Margrit Diergartens ganzer Stolz ist jedoch die Bibliothek. Die Regale hat der Schreiner schon einmal angefertigt: damals jedoch für die Bibliothek in Pirmasens. Nun mussten sie nochmals her – natürlich in grau. Beim Betrachten der vollen Buchregale mag man nicht glauben, dass Margrit Diergarten Unterbringungsprobleme hat: Einige Bücher warten noch in Kisten auf ihren neuen Platz in einem weiteren Regal, das in eine Nische im Flur des Obergeschosses kommen soll. 4000 Bücher unterzubringen ist eben nicht so einfach. Wie auch die 400 Gemälde. Dass nicht alle aufgehängt werden können, ist klar. Einige werden aber noch einen Platz in – besser gesagt an – den vier Wänden finden. Auch den Keller ließen die Diergartens verputzen – schließlich müssen sie hier durch, wenn sie zur Scheune oder zahlreichen anderen Kunstwerken möchten. Kleinere Arbeiten müssen zwar noch erledigt werden, dennoch fühlt sich das Ehepaar rundum wohl im neuen Heim. Mit ihrem letzten Projekt haben die Diergartens bewiesen, dass es nicht immer ein Neubau sein muss: Auch in denkmalgeschützten Häusern lässt sich ein modernes Leben leben – sogar der Sohn ist etwas eifersüchtig auf den Altersruhesitz seiner Eltern.