Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Die Migrantin, die die Kulturen in der Pfalz zusammenbringt

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren...“, Carla Fernandes Schlegel vor einer Tafel mit der allgemein
»Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren...«, Carla Fernandes Schlegel vor einer Tafel mit der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte.

Eine Portugiesin in der Nordpfalz: Wie Carla Fernandes Schlegel jungen Menschen hilft, Perspektiven für die Zukunft zu finden. In der Region gibt es aber besondere Probleme.

Seit einigen Monaten hat der Jugendmigrationsdienst (JMD) im Donnersbergkreis eine neue Ansprechpartnerin. Ihr Name: Carla Fernandes Schlegel. „Ich habe selbst einen Migrationshintergrund. Ich weiß, wie wichtig es ist, dass jemand da ist, der zuhört, versteht und Lösungen aufzeigt. Genau das möchte ich hier leisten“, sagt sie. Aufgewachsen in Portugal in einer deutsch-portugiesischen Familie, kam sie mit 19 Jahren nach Deutschland.

Der Start als Studentin war alles andere als einfach, was vor allem auch an einer Sache lag: „Damals habe ich den Dialekt in Mannheim kaum verstanden – und so ging es mir sprachlich fast wie vielen meiner heutigen Klienten.“ Diese Erfahrung hilft ihr jetzt, junge Menschen in schwierigen Situationen zu erreichen, Verständnis zu zeigen und ihnen Orientierung zu geben. Ihre Intention: „Ich zeige ihnen verschiedene Wege auf, den Weg müssen sie aber selbst gehen“, sagt die 57-Jährige.

Hier bekommen sie Antworten

Junge Menschen mit Migrationsgeschichte haben häufig mit vielen Herausforderungen zu kämpfen: eine fremde Sprache, oft eine unbekannte Region und die Frage, die alle junge Menschen beschäftigt: Welcher Beruf könnte mir Spaß und Freude bereiten? Der JMD unterstützt die Heranwachsenden und jungen Erwachsenen darin, anzukommen und Antworten auf ihre Fragen zu erhalten. Bundesweit gibt es rund 500 dieser Anlaufstellen, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert werden – im Donnersbergkreis wird der Dienst vom CJD Kirchheimbolanden getragen und mitfinanziert. Ziel der Anlaufstellen sei es, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen zwölf und 27 Jahren langfristig den Weg zu ebnen: beim Ankommen in der neuen Heimat, beim Erlernen der Sprache und beim Einstieg ins Berufsleben.

Auch Carla Fernandes Schlegel hat beruflich bereits ganz unterschiedliche Erfahrungen gesammelt: Nach einer aktiven Familienphase, in der sie ihre drei inzwischen erwachsenen Kinder großzog, ihre Eltern pflegte und in der freien Wirtschaft gearbeitet hatte, entschied Fernandes Schlegel sich für einen beruflichen Neuanfang. Zunächst war sie als pädagogische Fachkraft an einer weiterführenden Schule tätig. In den Weihnachtsferien 2024 begann sie, sich nach einem „Herzensjob“ umzusehen – und stieß auf die Stelle beim CJD im Jugendmigrationsdienst. Ihre Bewerbung passte „zur richtigen Zeit am richtigen Ort“, wie sie sagt, und es „war direkt ein Treffer“.

Auch in Eisenberg bietet sie eine Sprechstunde an

Von Anfang an setzte sie stark auf Netzwerkarbeit. Zu ihren festen Angeboten gehören Sprechstunden. Auch eine monatliche Sprechstunde vor Ort in Eisenberg hat sie etabliert. Gemeinsam mit anderen sozialen Akteuren hat sie im Stadthaus Kirchheimbolanden den offenen Frauentreff ins Leben gerufen, der an jedem zweiten und vierten Mittwoch im Monat Frauen aus verschiedenen Kulturen zusammenbringt. Während der Sommerferien bietet sie außerdem dienstags einen Jugendferientreff an – ein offener Begegnungsort für junge Menschen ab zwölf Jahren.

„Wenn Menschen zusammenkommen, um zu reden, Ideen zu entwickeln und voneinander zu lernen, dann passiert Integration ganz praktisch“, erzählt sie. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Arbeit sind Kooperationsvereinbarungen mit Partnern aus der Region, um die Reichweite des JMD zu vergrößern. „Wir arbeiten zum Beispiel zusammen mit dem Erzählcafé der Freien evangelischen Gemeinde in Kibo oder mit weiterführenden Schulen des Kreises. Solche Partnerschaften öffnen Türen für unsere Zielgruppe, stärken bestehende Netzwerke und bringen Unterstützung direkt dorthin, wo sie gebraucht wird.“

Die ländliche Struktur kann auch schwierig sein

Für die Zukunft möchte sie solche Kooperationen ausbauen, neue Partner gewinnen und Ehrenamtliche weiterhin gut miteinbinden. Allerdings: Die Arbeit im Donnersbergkreis bringt auch besondere Herausforderungen mit sich. Die Region ist ländlich geprägt, die Wege sind weit und der öffentliche Nahverkehr ist ausgedünnt.

Gerade für Jugendliche ohne eigenes Fahrzeug bedeutet das, dass sie Angebote oft nicht erreichen können. Hinzu kommen lange Wartezeiten für Integrationskurse und Unsicherheiten durch gesetzliche Änderungen, etwa beim Familiennachzug.

Schlegel muss sehr flexibel arbeiten

Diese Hürden erfordern von Carla Fernandes Schlegel viel Flexibilität. Sie ist regelmäßig unterwegs in Eisenberg, Kirchheimbolanden und Rockenhausen – überall dort, wo sie gebraucht wird, und fährt auch zu ihren Klienten. Aktuell arbeitet Fernandes Schlegel in einer 50-Prozent-Stelle. Das zwingt sie dazu, Prioritäten zu setzen und besonders dringende Fälle zuerst zu bearbeiten. „Ich würde gern mehr arbeiten und eine Kollegin oder einen Kollegen haben – dann könnten wir noch mehr junge Menschen mit Migrationshintergrund erreichen. Bis dahin haben die Fälle, bei denen es wirklich um alles geht, wie drohende Obdachlosigkeit oder den Verlust einer Ausbildungsstelle Vorrang. Dennoch darf die alltägliche Beratung, insbesondere bei Antragstellungen und beim Übergang von der Schule in die Ausbildung oder ins Berufsleben, nicht zu kurz kommen.

Trotz aller Herausforderungen erlebt sie immer wieder Momente, die ihr zeigen, warum sie ihre Arbeit liebt: „Es kommen Jugendliche zu mir, die orientierungslos sind und nicht wissen, wie es weitergehen soll. Wenn sie nach unserem Gespräch mit einem Strahlen im Gesicht gehen und wissen, was sie als Nächstes tun können, ist das für mich der schönste Augenblick.“ Für die Zukunft hat sie ein klares Ziel: Das Netzwerk im Donnersbergkreis soll so stark sein, dass junge Menschen jederzeit die Hilfe bekommen, die sie brauchen – nicht nur im Notfall, sondern auch für ihre langfristige Entwicklung.

Junge Menschen sollen gesehen werden

Sprachförderung, ehrenamtliche Projekte und ein jährlicher regionaler JMD-Treff in Kaiserslautern gehören zu den Ideen, die sie umsetzen möchte. Dabei verfolgt sie stets den Grundsatz einer nachhaltigen Hilfe zur Selbsthilfe. „Ich wünsche mir, dass jeder junge Mensch in seiner Individualität gesehen sowie geschätzt wird. Und ich wünsche mir, dass wir als Gesellschaft eine offene und wertschätzende Gemeinschaft bleiben.“ Ihr persönlicher Leitsatz spiegelt genau diese Haltung wider: „Was kann ich heute für dich tun?“

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