Donnersbergkreis Der in der Pfalz beliebte Kaiser

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In einer kleinen Feierstunde im Stadtmuseum Kusel begrüßte Bürgermeisterin Ulrike Nagel einen alten und gleichzeitig neuen Kuseler, auch wenn er persönlich nie in der Stadt war: Die Napoleon-Büste, die 1811 von der Stadt gekauft worden war und später dem Museum Speyer überlassen wurde, kehrte zurück – zumindest als perfekte Gipskopie. Vom Museum Speyer, wo sich das Original der Büste befindet (wir berichteten), nahmen Eckart Köhne und Lutger Tekampe an der Veranstaltung teil. Sie schilderten das Schicksal des Werkes, das sich in Jahrhundertschritten abspielte.

Napoleon Bonaparte hatte einige Fürstenthrone in Europa mit Mitgliedern seiner Familie besetzt, wenn auch nicht immer mit dem erwarteten Erfolg. Aber die Familie aus Korsika erwies sich zumindest als sehr geschäftstüchtig. Nach einer Büste des französischen Bildhauers Antoine Denis Chaudet (1763 - 1810) wurden etwa 1000 Marmorrepliken in unterschiedlichen Größen zum Verkauf angefertigt. Die älteste Schwester des Kaisers als Eigentümerin der Marmorbrüche hatte dafür in Carrara eine eigene Fabrik gegründet. Die Kopien brachten nicht nur guten Gewinn, sondern dienten gleichzeitig dem Personenkult Napoleons. Der Präfekt des Saardepartements, zu dem auch Kusel gehörte, erhielt den Auftrag, zwölf Büsten in seinem Gebiet zu verkaufen. Vier davon sind bis heute erhalten. Auch Kusel musste einen „Napoleon“ kaufen und bezahlte dafür 500 Francs, was etwa dem Verdienst eines Handwerkers für ein halbes Jahr entsprach. Was nach dem Sturz Napoleons mit der Büste passierte, ist nicht bekannt. Der französische Kaiser war auch noch lange nach seinem Tod in der Pfalz beliebt, weil sie ihm die Errungenschaften der französischen Revolution verdankte. Dazu gehörten die Bauernbefreiung, die Gewerbefreiheit und die Bürgerlichen Rechte. Die Soldaten, die unter seinen Fahnen gekämpft hatten, trafen sich noch Jahrzehnte lang als Veteranen. Es ist denkbar, dass bei solchen Feiern die Büste Napoleons eine Rolle spielte. Erst 100 Jahre nach der Anschaffung war wieder von ihr die Rede, als die Stadt Kusel die Büste dem Museum in Speyer als Leihgabe überließ, allerdings nicht auf Dauer, wie man gelegentlich liest oder hört. „Unbeschadet des Eigentumsrechtes der Stadt Kusel“ heißt es ausdrücklich in dem Dankschreiben des Museums. Dieser Vorgang war in Vergessenheit geraten, bis vor zwei Jahren ein Kuseler die Büste in einer Ausstellung in Berlin entdeckte. Seitdem gibt es Verhandlungen zwischen Kusel und dem Museum in Speyer, was mit dem Kaiserporträt geschehen soll. Einige Kuseler hätten gerne das Original zurück, doch ist die Bürgermeisterin mit der „Teilrückkehr“ zufrieden. Die Gipskopie ist sehr sorgfältig modelliert, bemalt und patiniert, so dass sie einer Marmorskulptur zum Verwechseln ähnlich sieht. Für Nagel gibt es noch zwei weitere Argumente, das Original in Speyer zu belassen. Das Museum in Kusel geht kein Risiko ein mit einem Exponat, dessen Wert sich im fünfstelligen Bereich bewegt. Außerdem wird es von Speyer im „Museum digital“ präsentiert und immer wieder zu Ausstellungen verliehen, so dass Napoleon dabei auch als „Botschafter“ für Kusel tätig wird. Wer nun erwartet, dass die Büste Ähnlichkeit mit der historischen Person hat, wird enttäuscht sein. Sie zeigt nicht das Gesicht eines 50-jährigen Mannes, in dem das Leben bereits deutliche Spuren hinterlassen hat, und auch keine Herrschaftsabzeichen. Stattdessen erblickt man die ebenmäßigen Züge eines jungen Mannes. Das ist kein Zufall und beruht auch nicht auf dem mangelnden Können des Bildhauers, sondern folgt einem politischen Programm. Napoleon sah sich nicht als Nachfolger der französischen Monarchie, die während der Revolution beseitigt worden war. Vielmehr verstand er sich als Vollender der Revolution und gleichzeitig als Monarch an der Spitze der europäischen Staaten, weshalb er den Kaisertitel führte. Ein geeignetes Vorbild fand die Propaganda in dem römischen Kaiser Augustus. Denn dieser hatte betont, er habe die Republik nicht abgeschafft, sondern sei nur der „erste Mann im Staat“ („Princeps“). Bereits zu seinen Lebzeiten entstand ein Personenkult, der vor allem mit stilisierten und standardisierten Porträtbüsten verbreitet wurde. Ein solches Werk war auch das Vorbild für die Napoleonbüste. Ihre Kopie ist jetzt ein wichtiges Exponat im Kuseler Stadt- und Heimatmuseum. Die Büste ist ein Werk des „Empire“, wie man die Hof- und Staatskunst zur Zeit Napoleons bezeichnete. In dieser kurzen Epoche wurde die Kunst des Altertums in vielen Bereichen wieder zum Leben erweckt und nachgeahmt. Gleichzeitig erinnert die Büste an die Zeit, in der das linksrheinische Gebiet ein Teil Frankreichs war. Schließlich ist die Büste ein Beispiel dafür, wie Kunst sich in den Dienst der politischen Propaganda stellte oder von ihr dazu verwendet wurde. Das galt für die Antike gleichermaßen wie für das 19. Jahrhundert. (dhb)

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