Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Das Ziel: Mit einer App schnell Hilfe holen und Leben retten

Auch in anderen Bundesländern gibt es bereits die Ersthelfer-App, inklusive Schulung für die Nutzung.
Auch in anderen Bundesländern gibt es bereits die Ersthelfer-App, inklusive Schulung für die Nutzung.

Mit einer neuen Ersthelfer-App möchte die Kreisverwaltung Notfallpatienten schneller erreichen und so die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdienstes überbrücken.

Bis der Rettungsdienst nach einer Alarmierung in abgelegenen Orten eintrifft, vergehen häufig mehr als die angestrebten zehn bis 15 Minuten. Bei plötzlichen medizinischen Notfällen kann diese Verzögerung lebensgefährlich sein. Um die Zeit bis zum Eintreffen von Sanitätern und Notärzten zu überbrücken, setzen manche Regionen bereits auf First-Responder-Einheiten oder auf Apps, über die in der Nähe befindliche Ersthelfer gerufen werden können. Der Donnersbergkreis arbeitet aktuell gemeinsam mit der Stadt Kaiserslautern und dem Kreis Kusel an der Einführung einer eigenen Ersthelfer-App.

„Wir sehen die Einführung der App als perfekte Ergänzung zur bereits fest etablierten Rettungskette in unserem Bereich“, erklärt Thomas Klaffke von der Pressestelle des Kreises Kaiserslautern. Geplant ist, dass die Integrierte Leitstelle Anrufer telefonisch zu Wiederbelebungsmaßnahmen anleitet, bis ein registrierter Ersthelfer aus der Nähe die Versorgung übernimmt. Falls verfügbar, schließt sich ein First-Responder-Team mit medizinischer Ausrüstung an, bevor der reguläre Rettungsdienst eintrifft und die Reanimation fortführt. Welche Notfallszenarien eine Alarmierung auslösen, legt die Kreisverwaltung fest.

Alarmierung und Schutz der Daten

„Hierbei möchten wir uns primär auf den Herz-Kreislauf-Stillstand als schlimmstes Szenario beschränken“, erläutert Klaffke. Die Alarmierung erfolgt ausschließlich über die Leitstellen, nachdem diese den Notfallmelder zur Lage befragt haben. „Sollte der Anrufer nicht maßlos übertreiben, ist es ausgeschlossen, dass Ersthelfer zu Bagatellen geschickt werden“, betont der Kreissprecher. Der Weg über die Leitstelle gewährleistet zudem den Schutz der Daten der Ersthelfer.

Während die App grundsätzlich allen offenstehen könnte, die jemals einen Erste-Hilfe-Kurs absolviert haben, wollen die Verantwortlichen den Kreis der Registrierten bewusst beschränken. „Unser Bestreben ist es primär, Freiwillige aus der Blaulicht-Familie oder aus medizinischen Berufen zu rekrutieren“, sagt Klaffke. Diese Gruppen hätten durch ihre Berufserfahrung Routine im Umgang mit Notfällen und könnten Extremsituationen gelassener meistern als Durchschnittsbürger.

Mehr Menschen überleben

Jedes Jahr erleiden in Rheinland-Pfalz rund 6.000 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand. Für die meisten endet dies tödlich – oft, weil Hilfe zu spät eintrifft. Der Leitstellenbereich Kaiserslautern, der die Landkreise Donnersbergkreis, Kusel, Kaiserslautern sowie die Stadt Kaiserslautern umfasst, arbeitet nun an der Einführung des Systems. Der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes hat das Konzept bereits den politischen Verantwortlichen vorgestellt, und alle beteiligten Gebietskörperschaften haben einer Teilnahme schriftlich zugestimmt.

Der Landkreis Kaiserslautern übernimmt als zuständige Rettungsdienstbehörde die Federführung für das Projekt. Nach Einführung der App können Interessierte, die die Anforderungen erfüllen, bei der Kreisverwaltung ihre Registrierung beantragen. Erst nach Aufnahme in den Helferpool ist die Anwendung aus dem App-Store nutzbar. Bei einem Notfall sucht das System gezielt nach Ersthelfern in unmittelbarer Nähe. Zwei bis drei von ihnen werden per Smartphone alarmiert. Die Helfer können den Einsatz ablehnen oder annehmen. Im letzteren Fall erhalten sie die genaue Adresse des Einsatzorts. „Sollte kein Ersthelfer in der Nähe sein, entfällt dessen Unterstützung“, erklärt Klaffke. Die reguläre Rettungskette laufe jedoch in jedem Fall weiter.

Finanzierung und Kostenaufteilung

Die Einführung wird zunächst durch die Pilotförderung „Interkommunale Zusammenarbeit (IKZ)“ finanziert. In einer Voranfrage bei der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) wurde eine Förderung bereits in Aussicht gestellt. Für die ersten zwei Jahre deckt diese Förderung sämtliche Kosten, darunter die Anschaffung der Software, ungefähr 11.000 Euro, die Schnittstellenanbindung an die Leitstelle, ungefähr 15.000 Euro, sowie jährliche Servicekosten von etwa 10.000 Euro. Ab dem dritten Jahr werden die laufenden Kosten nach der Einwohnerzahl auf alle beteiligten Kommunen verteilt.

Wann genau die App im Donnersbergkreis startet, ist derzeit noch offen. Die Anforderungen an die registrierten Ersthelfer – etwa zu Qualifikation und Schulung – werden durch den Rettungsdienstträger festgelegt. Erfahrungen aus anderen Landkreisen lassen auf eine hohe Beteiligungsbereitschaft schließen. Regionale Herausforderungen sind gering: Die App arbeitet überall dort, wo Mobilfunknetze verfügbar sind. Für abgelegene Ortschaften ohne Netzempfang steht sie allerdings nicht zur Verfügung.

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