Donnersbergkreis Corona-Tagebuch: Wann wird’s mal wieder richtig Sommer?

Angesichts der momentanen Situation wie Bilder aus einer anderen Welt: Public Viewing auf dem Kaiserslauterer Stiftsplatz währen
Angesichts der momentanen Situation wie Bilder aus einer anderen Welt: Public Viewing auf dem Kaiserslauterer Stiftsplatz während der Fußball-WM 2006.

In diesem ganzen Corona-Chaos war es nur ein kleiner, scheinbar unbedeutender Moment. Am Sonntagnachmittag „häckelt“ meine Tochter Alisha ein bisschen im Garten, ich bin oben im zweiten Stock. Plötzlich höre ich Stimmen und schaue aus dem Fenster: Fabian Schmitt, freier Mitarbeiter bei der RHEINPFALZ und ein guter Bekannter, hat mit seinem Fahrrad auf dem Bürgersteig still gehalten. Er unterhält sich mit meiner Tochter, natürlich in gebührendem Abstand. Aus der Höhe „schalte“ ich mich zu. Wir plaudern kurz – über das Virus, was sonst. Die Luft ist kalt, aber die Sonne strahlt. Über der Stadt liegt eine – leider nur trügerische – Ruhe. Ein Stück Sonntags-Idylle. Abgesehen vom Inhalt unseres Dialogs: Fast ist so wie „früher“ – vor ein, zwei Monaten, als nur Insider den Namen Covid-19 kannten.

Auf einmal kommt mir ein Gedanke: Zwar ist mein Gesprächspartner „Luftlinie“ locker sechs, sieben Meter weg – aber er steht ja unter mir. Und wegen der Erdanziehung ... Angenommen, ich wäre infiziert – dafür gibt es keinerlei Anzeichen! –, und der Wind steht ungünstig: Könnte ich ihn von hier oben beim Sprechen anstecken? So theoretisch das Szenario ist: Unwillkürlich trete ich einen Schritt zurück. Denn momentan ist Vorsicht ja nicht nur die Mutter, sondern auch der Vater der Porzellankiste.

Das Zusammenleben aus den Fugen geraten

Die Episode hat mir gezeigt, wie verunsichert wir derzeit sind, wie unser aller Zusammenleben binnen kurzer Zeit völlig aus den Fugen geraten ist. Wie war das noch beim Sommermärchen 2006, als hunderttausende Menschen aus aller Welt wochenlang und auf engstem Raum fröhlich miteinander gefeiert haben? Erinnerungen, die mir Gänsehaut machen – weil es derzeit so unvorstellbar ist. Mancher hat schon davon gesprochen, dass die Welt nach Corona (in Monaten? Jahren?) nicht mehr die gleiche sein wird. Große Worte – aber ein bisschen was davon habe ich am Sonntag im Kleinen gespürt: Schulter an Schulter ein Plausch mit Nachbarn, ein freundlicher Händedruck, eine spontane Umarmung – wie lange wird’s dauern, bis das wieder ohne Angst möglich ist? Anders gefragt: Wann wird’s mal wieder richtig Sommer ...? Umgekehrt gibt es natürlich auch Dinge, die sich durch diese Krise gerne zum Besseren wenden dürfen.

Keine Frage – im Moment gibt’s Wichtigeres: Der Kampf gegen das Virus, dem sich so viele Menschen mit großer Kraft entgegenstellen. Und die Misere hat auch wunderbare menschliche Reaktionen hervorgebracht. Dennoch war er traurig, dieser kleine Moment am Sonntagnachmittag ...

x