Donnersbergkreis
Busunternehmer nach drei Unfällen an drei Tagen: „Ich war fassungslos“
Herr Hein, als Sie am Mittwoch letzter Woche von dem dritten Unfall mit einem Ihrer Busse erfahren haben – was haben Sie da gedacht?
Zunächst muss man vorwegschicken, dass jeder Unfall ein Unfall zu viel ist. Als wir von der erneuten Meldung erfahren haben, war die erste Reaktion Fassungslosigkeit – eine solche Häufung innerhalb so kurzer Zeit erscheint grundsätzlich kaum vorstellbar. Die zuletzt vorherrschenden, sehr ungünstigen Witterungsverhältnisse haben nicht nur uns überrascht, sondern viele Verkehrsteilnehmer betroffen. Aufgrund der Beteiligung von Schulbussen hatte dies verständlicherweise eine besonders starke öffentliche Wirkung.
Können Sie sich rückblickend an eine ähnliche Unfallserie erinnern?
Nein. Weder ich persönlich, noch unsere langjährigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich an eine vergleichbare Unfallserie in der Unternehmensgeschichte erinnern.
Haben Sie Kontakt zu den Verletzten aufgenommen, und wissen Sie, wie es ihnen geht?
Vor Ort bestand Kontakt mit einzelnen Elternteilen sowie mit den Einsatzkräften. Uns wurde übereinstimmend berichtet, dass es sich ausschließlich um sehr leichte Verletzungen handelte. Die Unterbringung der Kinder in Krankenhäusern erfolgte vorsorglich zur Abklärung. Nach unserem Kenntnisstand und gemäß der Aussage der Einsatzkräfte wurde kein Kind stationär aufgenommen. Aus Datenschutzgründen liegt uns bislang keine vollständige Kontaktliste der sich im Bus befindlichen Kinder vor. Uns wurde zugesagt, dass wir bis Ende der Woche die Kontaktlisten bekommen, dann werden wir mit einer kleinen Wiedergutmachung auf die betroffenen Familien zugehen.
Wie lassen sich künftig solche Unfälle vermeiden?
Nach aktuellem Kenntnisstand stehen die Unfälle im Zusammenhang mit den Witterungsbedingungen. Unsere Fahrerinnen und Fahrer sind entsprechend geschult, die Fahrzeuge sind für winterliche Verhältnisse ausgestattet. Drastischere Maßnahmen wie eine vorübergehende Einstellung des Linienverkehrs aus Witterungsgründen sind Entscheidungen, die wir uns nicht leicht machen. Gerade in einem weitläufigen Flächenkreis wie dem Donnersbergkreis wären hiervon viele Pendlerinnen und Pendler sowie Berufstätige betroffen – auch vor dem Hintergrund, dass witterungsbedingte Straßenverhältnisse regional sehr unterschiedlich ausfallen können. Auch wenn es keine hundertprozentige Sicherheit geben kann, nutzen wir die aktuellen Ereignisse selbstverständlich, um diese bei Mitarbeiterunterweisungen nochmals gezielt zu thematisieren und bestehende Abläufe weiter zu schärfen.
Es gab Kritik an den Fahrern. Ein Punkt dabei war, dass dieser kein Deutsch verstanden habe. Können Sie dazu etwas sagen?
Dieses Thema wurde in der zurückliegenden Berichterstattung bereits ausführlich behandelt. Fahrerinnen und Fahrer, bei denen noch sprachliche Defizite bestehen, sind verpflichtet, an von uns organisierten und durch ein externes Bildungsinstitut durchgeführten Sprachkursen teilzunehmen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass das Erlernen einer Fremdsprache individuell unterschiedlich verläuft und Menschen unterschiedliche Auffassungsgaben mitbringen. Ziel ist die kontinuierliche Verbesserung der Sprachkompetenz.
Wie viele Busse besitzen Sie und wie viele Fahrer sind bei Ihnen beschäftigt?
Wir betreiben unternehmensweit etwa 350 Fahrzeuge und beschäftigen rund 500 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Nach welchen Kriterien wählen Sie die Fahrer aus?
Die Auswahl unserer Fahrerinnen und Fahrer erfolgt vorrangig anhand der bisherigen Berufserfahrung. Wesentliche Kriterien sind Fahrerfahrung, Freundlichkeit, ein gepflegtes Auftreten sowie die Sprachkompetenz. Es ist allerdings – gerade vor dem Hintergrund des branchenweit bestehenden und weiter zunehmenden Personalmangels – herausfordernd, alle diese Anforderungen in jeder Bewerbung vollständig erfüllt zu finden.
Haben Sie grundsätzlich Probleme, geeignete Fahrer zu finden?
Die Fluktuation in unserem Unternehmen bewegt sich insgesamt, auch im Vergleich zu einer branchenweiten Betrachtung, in einem sehr annehmbaren Bereich. Durch Betriebsübernahmen in benachbarten Linienbündeln haben wir in den vergangenen zwei Jahren mehr als 100 Fahrerinnen und Fahrer neu rekrutiert und eingestellt. Das zeigt, dass es zwar anspruchsvoll ist, geeignetes Fahrpersonal zu finden, wir jedoch erhebliche Anstrengungen in Recruiting, Mitarbeitergewinnung und Mitarbeiterbindung unternehmen. Ergänzend dazu haben wir eine Kooperation mit einer ortsansässigen Fahrschule aufgebaut, über die wir gezielt Menschen ansprechen, die sich für den Beruf der Busfahrerin oder des Busfahrers interessieren und bislang noch nicht über die Fahrerlaubnis der Klasse D verfügen. Damit investieren wir bewusst in die eigene Ausbildung und langfristige Personalgewinnung.
Zur Person
Marc Hein, 37 Jahre alt, lebt im Donnersbergkreis und ist seit 2020 Geschäftsführer der Behles Bus GmbH. Das familiengeführte Unternehmen mit Sitz in Kirchheimbolanden betreibt zusammen mit seinen Tochterunternehmen Busverkehr Zipper und die Verkehrsbetriebe Leininger Land beides in Grünstadt und Krauss & Wolff Reisen in Kirchheimbolanden.
Busverkehr und Schülerbeförderung im Donnersbergkreis
Auch die Kreisverwaltung des Donnersbergkreises hat auf die Unfallserie reagiert und eine Stellungnahme abgegeben. Landrat Rainer Guth betont dabei: „Jeder Unfall ist ein Unfall zu viel, gerade im Busverkehr. Sicherheit und Zuverlässigkeit stehen für uns an erster Stelle.“ Im Donnersbergkreis sei es jahrelang zu keinen nennenswerten Unfällen gekommen; im Jahr 2026 waren es bislang drei.
Alle Busse haben laut Kreisverwaltung alle Winterreifen. Die Busse werden alle drei Monate sicherheitsgeprüft; die meisten sind mit Gurten ausgestattet. Außerdem teilt die Verwaltung mit, dass im Donnersbergkreis jährlich rund drei Millionen Buskilometer gefahren werden – täglich mit 70 Bussen und 90 Fahrern. Der Schülerverkehr ist in den Linienverkehr integriert. Die Geschwindigkeit wird per Fahrtenschreiber kontrolliert. Ausfälle sind selten, eine eigene Werkstatt und ein Notdienst sichern den Betrieb. Die Fahrerinnen und Fahrer werden regelmäßig geschult und medizinisch untersucht.
Die Anwerbung von Busfahrern aus dem Ausland ist laut Kreisverwaltung aufgrund des massiven Fachkräftemangels zu einer zentralen Strategie deutscher Verkehrsbetriebe geworden
.
