Meinung
Busunfall-Debatte: Mehr Vertrauen, weniger Empörung
Zwei Unfälle mit Schulbussen, acht leicht verletzte Kinder, große Aufregung, schwere Vorwürfe und deutliche Kritik von Eltern an der Schulbusbeförderung im Donnersbergkreis: Das ist die wenig erfreuliche Bilanz der vergangenen Tage. Was bei all dem Ärger nicht verdrängt werden darf: Es sind die ersten Unfälle dieser Art und so gehäuft seit Jahren im Kreis, die Witterungsverhältnisse waren zu dem Zeitpunkt herausfordernd und keinem Kind ist ein ernsthafter Schaden entstanden. Die Sache hätte deutlich schlimmer ausgehen können. Und doch darf das glückliche Ende nicht über Defizite, Mängel, Misstrauen und Sorgen in Bezug auf das System Schülerbeförderung hinwegtäuschen.
Zwei ganz generelle Anschuldigungen wurden in der aktuellen Empörungswelle, die großteils durch die sozialen Netzwerke schwappte, besonders häufig hervorgebracht: Die Fahrer würden kaum Deutsch sprechen, um sich im Notfall zu verständigen, und sie seien ständig viel zu schnell auf den Landstraßen, in Kurven und bergab unterwegs. Beide Kritikpunkte haben Polizei und das zuständige Busunternehmen dementiert; teilweise auch widerlegt. Das hat auch ein bisschen dazu geführt, dass die Monsterwelle ein bisschen abebbte. Mit Transparenz, gegenseitigem Zuhören und Erklärungen gelingt das. Die Sicherheit der Kinder sollte bei aller Aufregung und Erregung für alle immer oberste Priorität haben.
Es braucht viel Vertrauen
Eltern müssen, wenn es um ihre Kinder geht, nahezu immer und überall vertrauen: Den Lehrern in der Schule, dass sie ihre Sprösslinge anständig unterrichten und somit bestens auf die (berufliche) Zukunft vorbereiten. Den Trainern in Sportvereinen, dass sie angemessen mit den Mädchen und Jungen umgehen, ihnen Werte wie Respekt, Fairplay und Zusammenhalt vermitteln. Und den Schulbusfahrern, dass sie die Kinder täglich gesund und unversehrt in die Einrichtungen und wieder nach Hause bringen. Diese Erwartungshaltung in der breiten Gesellschaft ist hoch, ihr Erfüllen keine Selbstverständlichkeit und Vertrauen eben ein wesentlicher Faktor.
Gerade im ländlichen Raum sind viele auf das System Schulbus angewiesen. Die wenigsten Eltern möchten und können ihre Kinder jeden Morgen und jeden Mittag Dutzende Kilometer zur Schule fahren und wieder abholen. Auch das sollten diejenigen bedenken, die nun laut nach Konsequenzen, Strafen, Anklagebank, anderem oder mehr Personal für die Schulbusse schreien.
Denn der Fachkräftemangel trifft nicht nur den Donnersbergkreis und nicht nur die Sparte Busfahrer – er wird nur hier eben gerade einmal besonders deutlich. Wenn aber die aus dem Ausland angeworbenen Fahrer (mit ihrer hier rechtmäßigen Zulassung und den notwendigen Qualifikationen) nun nicht mehr fahren sollen und dürfen, weil die Eltern sie für nicht fähig halten, dann stellt sich die Frage: Wer macht es dann?
