Kriegsfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Bundeswehr-Munitionsdepot wird reaktiviert: Rodung von mehr als 50 Hektar Fläche

Noch tut sich auf dem Gelände nicht viel. Wenn es mal losgeht, dann richtig: Umbauu, Neubau, Rückbau.
Noch tut sich auf dem Gelände nicht viel. Wenn es mal losgeht, dann richtig: Umbauu, Neubau, Rückbau.

Seit 2010 ist das Munitionsdepot in Kriegsfeld (Donnersbergkreis) stillgelegt. Nun soll es modernisiert werden. Umfangreiche Maßnahmen stehen an. Auch Tiere sind betroffen.

Im Januar kündigte die Bundeswehr an, die Arbeiten am seit 2010 stillgelegten Munitionsdepot südlich von Kriegsfeld in diesem Jahr zu beginnen. Damals blieb einiges unklar, weil ein Umweltverträglichkeitsgutachten noch nicht veröffentlicht war. Dieses Gutachten liegt nun vor und steht der Öffentlichkeit für Einblicke zusammen mit den übrigen freigegebenen Unterlagen bis zum 13. März bei der Verbandsgemeindeverwaltung Kirchheimbolanden zur Verfügung. Die RHEINPFALZ hatte Einsicht in die Planungsakten. Zuständige Behörde ist das Bundesamt für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr.

Zur Vorbereitung der Baumaßnahme ist eine grundlegende Modellierung des Geländes erforderlich, wofür auch Bäume gefällt werden müssen. Geplant sind rund 55 Hektar Rodungsfläche, davon werden knapp 27 „dauerhaft in eine andere Bodennutzungsart umgewandelt“, wie es in den Unterlagen heißt. Rund 28 Hektar sind nur zeitweilig während der Bauausführung betroffen. Für die gesamte Rodungsfläche werden Ausgleichsflächen ausgewiesen, sie liegen jedoch nicht in unmittelbarer Nähe des Depots.

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Eine der wichtigsten Änderungen in den Planungsunterlagen ist die Aufhebung der bisherigen Trennung von Verwaltungs- und Lagerbereich: Statt zwei Liegenschaften beidseits der L404 ist nun ein Neubau des Verwaltungsbereichs im südwestlichen Teil vorgesehen – unter anderem, um Kosten für einen zweiten Einfahrts- und Wachbereich zu vermeiden.

Rückbau von 16 Gebäuden - Bunker werden teils instandgesetzt

Ebenfalls vorgesehen ist der Rückbau von 16 nicht mehr nutzbaren Gebäuden, die Einfahrt über die L404 soll neu gestaltet werden, inklusive eines Wachgebäudes mit Carport, eines Annahme- und Versandgebäudes sowei eines Hundezwingers mit Versorgungsgebäude. Im Verwaltungsbereich sind ein Kombi-Gebäude für Verwaltung, Unterkunft und Aufenthalt sowie ein Werkstatt- und Lagergebäude mit Holzlager geplant. Außerdem entstehen zwei Abfallsammelplätze, eine Kfz-Halle mit Tankstelle und Waschhalle sowie ein Technikgebäude. Weiterhin vorgesehen sind Munitionsarbeitshäuser, Packmittelschuppen, eine Containerpackstation sowie Abstellflächen für beladene Lkw und Container. Die vorhandenen Munitionsbunker werden instandgesetzt, weitere Bunker neu gebaut. Die Verkehrsinfrastruktur wird teils saniert, teils neu gebaut.

Der knapp neun Kilometer lange Außenzaun wird einschließlich eines fünf Meter breiten Sicherheitsstreifens erneuert, innerhalb des Zauns wird ein Postenweg angelegt. Das Lager soll an die öffentliche Stromversorgung angeschlossen und an das Wasserwerk Oberwiesen angebunden werden. Temporär werden während der Bauzeit zusätzlich Flächen für die Baulogistik beansprucht, etwa für die Zwischenlagerung von Material und Baustoffen. Neu geplant ist außerdem ein Hundeausbildungsplatz.

Vögel, Reptilien, Wildkatze: Bautätigkeit kann Lebensraum beschädigen

Im Rahmen des Genehmigungsverfahrens wurde ein Artenschutzgutachten erstellt, das das Gelände des ehemaligen Munitionsdepos als wichtigen Lebensraum beschreibt. Untersuchungen 2020 und 2025 dokumentierten zahlreiche Vogelarten, mehrere Fledermausarten, Wildkatzen, Haselmäuse, Siebenschläfer, Amphibien, Reptilien und seltene Totholzkäfer wie den Hirschkäfer. Alte Laubwälder, Bunker und einzelne Höhlenbäume gelten als besonders wertvolle Brut, Ruhe- und Überwinterungsorte.

Munitionsdepot Kriegsfeld: Die bestehenden Bunker werden saniert – und einige weitere neu gebaut. Außerdem müssen Straßen sanier
Munitionsdepot Kriegsfeld: Die bestehenden Bunker werden saniert – und einige weitere neu gebaut. Außerdem müssen Straßen saniert werden. Was das ganze Projekt am Ende kostet, darüber gibt es keine verlässlichen Zahlen.

Das Gutachten stellt fest, dass die geplante Reaktivierung durch Rodungen, Bautätigkeit, Flächenversiegelung, Lärm und Licht Lebensräume beschädigen kann. Nester könnten zerstört, Quartiere verloren und Tiere verletzt werden. Besonders bedroht wären Höhlenbrüter, Fledermäuse, Wildkatze, Haselmaus, Zauneidechse und der Hirschkäfer. Um die negativen Folgen zu begrenzen, schlägt das Gutachten konkrete Schutzmaßnahmen vor.

Dazu gehört die zeitliche Staffelung von Bau- und Rodungsarbeiten zur Vermeidung von Eingriffen in Brutzeiten und Überwinterungsphasen, die Beschränkung von Arbeitsflächen und der Erhalt angrenzender Baum- und Heckenbestände. Außerdem die Minimierung nächtlicher Beleuchtung, das Vermeiden spiegelnder Glasflächen sowie die Einrichtung einer Umweltbaubegleitung, die Tabuzonen festlegt. Ergänzend sind Zäune für Reptilien und Amphibien, Querungshilfen für die Wildkatze und möglicherweise auch ein Tempo-20-Limit in sensiblen Bereichen vorgesehen.

Bundeswehr spricht von "überragendem öffentlichem Interesse"

Ein Monitoring während der Bauarbeiten und in den Folgejahren soll die Wirksamkeit der Maßnahmen prüfen. Bei vollständiger Umsetzung erwartet das Gutachten keine dauerhafte Schädigung der lokalen Populationen. Die Bundeswehr beschreibt die Reaktivierung als militärisches Vorhaben zur Sicherstellung der Wehrfähigkeit und stuft es als „von überragendem öffentlichem Interesse“ ein. Zumutbare Alternativen, die denselben Zweck erfüllen, gibt es nach ihrer Auffassung nicht.

Zum Zeitplan: Die Rodungen sollen im November dieses Jahres beginnen. Sie werden bis Februar 2027 andauern. Im Anschluss sollen die eigentlichen Bauarbeiten folgen, Ziel für die Fertigstellung ist Ende 2031. Was die Kosten angeht, hält der Bund sich bedeckt. Fest steht, dass die ursprünglich genannten 70 Millionen Euro weit übertroffen werden. Zwischenzeitlich hatte die Bundeswehr die Summe von 250 Millionen genannt – doch auch diese werden sich wohl nicht halten lassen. Erbaut wurde das Munitionsdepot 1954 von den US-Streitkräften in Vorbereitung auf einen möglichen Atomkrieg mit der Sowjetunion.

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