Bayerfeld-Steckweiler RHEINPFALZ Plus Artikel Bundesstraße gesperrt: Betriebe fürchten um Existenz, Bürger üben scharfe Kritik

Werden kleine Geschäfte aufgeben müssen, weil die B48 zwischen Bayerfeld-Steckweiler und Mannweiler-Cölln für elf Monate vollges
Werden kleine Geschäfte aufgeben müssen, weil die B48 zwischen Bayerfeld-Steckweiler und Mannweiler-Cölln für elf Monate vollgesperrt wird?

Schon wieder Baustelle: Die B48 wird ab nächster Woche für elf Monate vollgesperrt. Bürger und Geschäftsleute sind verärgert. Die Region steht vor einer Belastungsprobe.

Eine Vollsperrung geht selten ohne Ärger über die Bühne. Im Fall der B48 zwischen Bayerfeld-Steckweiler und Mannweiler-Cölln häufen sich dieser Tage die Unmutsäußerungen. Ab der kommenden Woche ist die Bundesstraße dort für voraussichtlich elf Monate nicht befahrbar. Eine weiträumige Umleitung wird Pendler und Einwohner über Monate belasten. Umstände, die bei Straßensanierungen schwer zu vermeiden sind. Dennoch ist der Fall für die Betroffenen besonders: Denn dieser Bereich der B48 war bereits 2024 von einer über mehrere Monate andauernden Vollsperrung betroffen. Das und andere Punkte sorgen für deutliche Kritik aus unterschiedlichen Richtungen.

„Das trifft uns hart“: Diego und Claudia Tedesco machen sich Sorgen um den Fortbestand ihrer Pizzeria „Dino“ in Mannweiler-Cölln
»Das trifft uns hart«: Diego und Claudia Tedesco machen sich Sorgen um den Fortbestand ihrer Pizzeria »Dino« in Mannweiler-Cölln.

So äußert beispielsweise Claudia Tedesco von der Pizzeria „Dino“ in Mannweiler-Cölln „Existenz-Ängste“, die bei ihr geweckt worden seien. „In erster Linie haben wir tatsächlich Angst, dass Gäste wegbleiben werden. Elf Monate sind wirklich eine lange Zeit und gerade jetzt, in einer finanziell sehr gebeutelten Phase durch Corona-Rückzahlungen und andere Dinge, trifft es uns sehr hart“, erklärt Tedesco. Ähnlich äußern sich Cornelia und Sandra Preis. „Das ist für uns eine mittlere Katastrophe“, sagen die Inhaberinnen von „Preis Aquaristik“ in Bayerfeld-Steckweiler. Sorge bereitet ihnen neben der womöglich aufgrund der Umleitung ausbleibenden Kundschaft vor allem der Onlinehandel. „Bei uns sind es beispielsweise lebende Korallen, die innerhalb von 24 Stunden beim Kunden sein müssen. Die Transportunternehmer oder auch unsere Speditionen werden uns aufgrund der Baustelle nicht mehr täglich anfahren“, befürchten sie. Schon bei der letzten Vollsperrung sei das vorgekommen, mitunter sei man sogar eine Woche nicht angefahren worden. „Das ist für einen Onlineshop nicht tragbar. Man bekommt schlechte Bewertungen und lebende Ware muss sofort abgeholt werden“, erklären Cornelia und Sandra Preis. Zudem würden durch die Speditionen Mehrkosten entstehen und eine tägliche Abholung wäre eben nicht mehr gewährleistet. „Einige kleinere Betriebe spielen deshalb mit dem Gedanken, komplett aufzuhören“, ergänzen sie. Sie wissen von einem Betrieb im Ort, der während der letzten Vollsperrung monatliche Mehrkosten im vierstelligen Bereich stemmen musste. „Das sollte auch die Verbandsgemeinde bedenken. Wo kein Umsatz ist, gibt es auch keine Gewerbesteuer“, so Preis.

LBM: Keine Winterpause auf der Baustelle

Im Rat der VG Nordpfälzer Land war die Vollsperrung ebenfalls Thema. „Wir haben darauf keinen Einfluss“, stellt Verbandsbürgermeister Michael Cullmann (SPD) klar. Auch die Verwaltung sei „nicht glücklich“, wie er erklärte. „Dass gebaut werden muss, war und ist klar“, ergänzte er. Man habe aber Verständnis dafür, dass Zeitpunkt und Dauer – erst recht mit Blick auf die vorherige Vollsperrung, die noch nicht allzu weit zurück liegt – für viel Ärger unter den Bürgern sorgen.

Betroffen ist auch das „Cöllner Lädsche“ in Mannweiler-Cölln. Inhaber Werner Wolf richtete sich mit einem Leserbrief an die RHEINPFALZ und machte seinem Ärger Luft: „Die Geschäfte entlang der B48 werden wieder mit starken Umsatzeinbußen zu kämpfen haben und im äußersten Fall aufgeben müssen“, schätzt auch er die Lage sehr ernst ein. Wolf nimmt die Verwaltung in die Pflicht. „Ich appelliere als Bürger, dass sich die Verwaltung um die Menschen und ihre Geschäfte kümmert. Es kann so nicht weitergehen, dass die einzigen die noch Wachstum verzeichnen, die Verwaltung ist“, schreibt Wolf. Er kritisiert zudem, dass die jetzt anfallenden Arbeiten nicht bereits an jene im vergangenen Jahr, als die Straßenbrücke der B48 über die Alsenzbahn erneuert wurde, angeschlossen wurden.

Fritz Müller, Ortsbürgermeister von Bayerfeld-Steckweiler, hatte sich im Zuge der Maßnahme einen Gehweg zum Nachbarort gewünscht
Fritz Müller, Ortsbürgermeister von Bayerfeld-Steckweiler, hatte sich im Zuge der Maßnahme einen Gehweg zum Nachbarort gewünscht – vergeblich.

Auf RHEINPFALZ-Anfrage erklärt der Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Worms, dass eine zeitliche Verschiebung dieses Bauabschnitts notwendig wurde, weil „die vor einer öffentlichen Ausschreibung der Bauleistungen erforderlichen straßenplanerischen und bautechnischen Vorbereitungen sowie notwendigen Abstimmungen noch nicht abgeschlossen waren“. Zudem hätte, wie LBM-Dienststellenleiter Bernhard Knoop erklärt, eine Zusammenlegung der Brückensanierung und der jetzt anstehenden Arbeiten „sowohl in Sachen Materialanlieferung, Baustellenversorgung, wie auch von der Bauabwicklung nicht funktioniert“. Es hätte Schwierigkeiten zur Sicherung eines funktionierenden Rettungsdienstes gegeben und „im Ergebnis zu keinen zeitlichen Synergieeffekten geführt“, so Knoop. Die Kritik am Zeitpunkt der nun anstehenden Maßnahme lässt Knoop ebenfalls nicht unkommentiert. Anders als es vielerorts dargestellt wird, sollen die Arbeiten ohne Winterunterbrechung erledigt werden. „Maßgebend für den Baustart noch im November dieses Jahres und für den gesamten, eng terminierten Bauzeitenplan zur Neuverlegung der Wasserleitung, dem Bau der bergseitigen und bahnseitigen Stützwände und der grundhaften Erneuerung der B48 sind die von der Bahn fest und verbindlich vorgegebenen Sperrpausen im Gleisbereich“, erklärt Knoop.

Bürgermeister enttäuscht, weil Gehweg fehlt

Ab nächster Woche sollen die Arbeiten mit der Erneuerung der Trinkwasserleitung beginnen. Ab Anfang 2026 schließt sich dann die Fahrbahnsanierung der Bundesstraße, inklusive dem Bau von Stützwänden an. Eine Baumaßnahme, deren Planung schon vor fünf Jahren begonnen hatte, wie Fritz Müller, Ortsbürgermeister von Bayerfeld-Steckweiler, betont. „Darüber, ob die Planung des LBM effizient ist, will ich mir kein Urteil erlauben“, sagt er. Aber zweifellos sei es sinnvoll, eine „60 Jahre alte Wasserleitung zu erneuern“, wenn die Straße ohnehin grundsaniert werde. „Enttäuschend ist aber, dass der Wunsch der Gemeinde, einen durchgängigen Bürgersteig von Bayerfeld bis Cölln anzulegen, nicht berücksichtigt wurde“, ergänzt Müller. Was den Umleitungsverkehr angehe, sei aber erfreulich, dass die Straßenmeisterei zugesichert habe, die Bürger des Schmalfelderhofes zu entlasten, indem dort für die Zeit der Umleitung eine Geschwindigkeitsbegrenzung gelten werde.

Es wird Geduld nötig sein – auf allen Seiten. Bei den Anwohnern und Betrieben, wie auch bei den Pendlern. Schließlich wird sich die Fahrzeit zwischen Alsenz und Rockenhausen in diesem Zeitraum mehr als verdoppeln. Von Alsenz kommend wird über Obermoschel, Sitters, Waldgrehweiler und Ransweiler zurück zur Bundesstraße umgeleitet. In entgegenkommender Richtung über Gerbach, Sankt Alban und Gaugrehweiler zurück zur B48 geführt. Das sind einige Kilometer und auch Höhenmeter, die bewältigt werden müssen. Auch das trägt besonders in den Wintermonaten nicht unbedingt zum Verständnis unter den Betroffenen bei.

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