Donnersbergkreis Bremer Stadtmusikanten: Gehäkelt, gestrickt und gebastelt
Sprechen üben, Selbstbewusstsein trainieren, Scheu überwinden: Das soll die Maßnahme „Aktiv mit neuer Arbeit“ (Ana) der Neuen Arbeit Westpfalz (NAW) erreichen. Zielgruppe sind Männer und Frauen, die seit langer Zeit arbeitslos sind. Dass sich Jobkompetenz auf viele Arten erwerben lässt, zeigen die Teilnehmer des Programms bei ihrem Puppentheater. Mit selbst gefertigten Puppen und einer selbstgestalteten Bühne haben sie bei der Interkulturellen Woche das Märchen „Die Bremer Stadtmusikanten“ aufgeführt.
„Die Kinder waren schon da“, erzählen die Puppenspieler als erstes. Ganz viele Kinder seien es gewesen, und das Märchen sei beim jungen Publikum richtig gut angekommen. Die Männer und Frauen, die sich im Gebäude der Neuen Arbeit Westpfalz vor der großen Märchenbühne versammelt haben, sind zufrieden. Und auch ein bisschen stolz. „Die Menschen können hier ihr Selbstbewusstsein trainieren“, erklären Marina Senger und Dagmara Gruska. Die beiden Sozialarbeiterinnen haben das Theaterstück auf die Beine gestellt. Die Akteure: 29 Männer und Frauen, Teilnehmer der Maßnahme „Aktiv mit neuer Arbeit“, kurz: Ana. Die Fördergelder hierfür stammen vom europäischen Sozialfonds, das Jobcenter Kaiserslautern fördere ebenfalls, berichten Gruska und Senger. Die Maßnahme dauere zwischen sechs Monaten und einem Jahr. Die Teilnehmer üben sich in Teamarbeit, im Präsentieren und im Formulieren von Bewerbungsschreiben, wie Senger erläutert. „Wir haben Teilnehmer mit und ohne Migrationshintergrund“, berichtet die Sozialarbeiterin. Das sichere und flüssige Sprechen gehöre ebenfalls zu den Dingen, die trainiert werden. „Viele Leute trauen sich nicht, deutsch zu sprechen, obwohl sie alles verstehen“, berichten die beiden Frauen. Sie waren es auch, die die Idee zur Märchenaufführung im Rahmen des Kompetenztrainings hatten. Das passende Stück war schnell gefunden: die Bremer Stadtmusikanten. „Den Teilnehmern geht es ähnlich wie den Bremer Stadtmusikanten. Sie haben es auch nicht immer leicht im Leben gehabt“, sagen Senger und Gruska. Bevor sich die Teilnehmer jedoch hinter der Bühne des Puppentheaters bewähren konnten, stand jede Menge Arbeit ins Haus. Gemeinsam haben die Teilnehmer in der Holzwerkstatt der Neuen Arbeit Westpfalz die Holzbühne entworfen, gebaut und angemalt, wie Thilo Clemens von der NAW berichtet. Ebenfalls aus eigener Herstellung sind die Spielfiguren: gehäkelt, genäht und gebastelt präsentieren sich die Bremer Stadtmusikanten als farbenfrohe, fröhliche Truppe, die die Räuber mit lautem Gebrüll in die Flucht schlägt. Zwei Monate haben die Teilnehmer an diesem Projekt – gefördert vom deutsch-amerikanischen Frauenclub – gearbeitet, berichten Senger und Gruska. Über den Erfolg sind sich die beiden einig: „Das Stück hat einige Hemmungen abgebaut.“ Die Teilnehmer selbst sind ebenfalls zufrieden mit dem, was sie auf die Bühne gebracht haben. Und voller Tatendrang: Im November steht das nächste Märchen auf dem Plan, Schneewittchen und die sieben Zwerge. An den Puppen dazu arbeiten sie bereits. (jtt)