Eisenberg
Brücke: Immer mehr Menschen, immer weniger Ware
Die Inflation, hohe Energiekosten sowie deutliche Preiserhöhungen bei den täglichen Dingen des Lebens: Es ist nicht auszuschließen, in Zeiten wie diesen sind mehr Menschen auf Einrichtungen wie die Brücke angewiesen als sonst. Seit 2007 haben Menschen, die nur über ein geringes oder gar kein Einkommen verfügen, die Möglichkeit, Lebensmittel von der Eisenberger „Brücke“ zu erhalten. Voraussetzung dafür ist ein sogenannter Berechtigungsschein, den die Menschen beim Sozialamt der Stadt erhalten.
Donnerstag ist um die Mittagszeit reges Treiben vor dem Ladengeschäft in der Philipp-Mayer-Straße. Seit kurzem dürfen Berechtigte nur alle zwei Wochen kommen. „Viermal mit!“, ruft Heidrun Uhrich ihrer Kollegin Dagmar Grimm zu. Will heißen: Ein Kunde möchte für vier Personen Lebensmittel einkaufen und das „mit“ bedeutet, es kann auch Wurst vom Schwein dabei sein.
Immer mehr Menschen brauchen Hilfe
Zwischen 20 und 30 ehrenamtliche Helfer kümmern sich in Eisenberg um die Brücke. Ursprünglich nur als Provisorium gedacht, ist sie längst zur festen Einrichtung geworden. In den vergangenen Jahren waren es zwischen 80 und 100 hilfsbedürftige Personen, die hier pro Woche aufschlugen. Als der Krieg in der Ukraine begann, fanden binnen weniger Wochen rund 135 Menschen aus der Ukraine in Eisenberg Zuflucht, allein in der Stadt wurden 71 registriert. Für die Flüchtlinge ist die Brücke ebenfalls eine Anlaufstation. Mittlerweile kümmert sich die Einrichtung also um rund 350 Personen. „Weil die Nachfrage so gewaltig gestiegen ist, mussten wir die Ausgabe auf einen Zwei-Wochen-Rhythmus umstellen“, sagt Dagmar Grünewald, die mit anderen Helfern bei der Brücke die Organisation übernimmt.
Die Eisenberger Brücke schickt an jedem Wochentag ihre Fahrer zu verschiedenen Spendern. Dazu gehören Supermärkte, Discounter, aber auch Bäckereien oder Landwirte. Abgesehen vom Brot gilt für die meisten Artikel: Es wird weniger. Aldi Süd, seit vielen Jahren ein verlässlicher Spender, teilte auf RHEINPFALZ-Nachfrage mit, dass alle Filialen Lebensmittel an Tafeln wie in Eisenberg spenden. Gespendet würden alle Lebensmittel, die uneingeschränkt zum Verzehr, jedoch nicht mehr zum Verkauf geeignet sind. Allerdings habe auch Aldi Süd mit Lieferschwierigkeiten zu kämpfen. Dass die „Brücke“ anscheinend nicht auf die gewohnte Menge an Lebensmittelspenden gekommen sei, könne auch am aktuellen Kaufverhalten liegen.
Hamsterkäufe haben Auswirkungen
Auch Wettbewerber Lidl betont, dass das Unternehmen ein verlässlicher Partner bei der Spende von Lebensmitteln sei und die Abgabemenge je nach den Abverkäufen im Geschäft schwanke. Lidl verweist ebenfalls auf etwaige Hamsterkäufe von gewissen Produkten, was dann Auswirkungen auf die Ausgabe habe.
Woran es auch liegen mag: Die Brücke hat mit dem geringeren Angebot an Lebensmitteln zu kämpfen. An manchen Tagen stünden die Helfer mit leeren Händen da. Und natürlich hat die „Brücke“ auch Kosten, die gerade ebenfalls steigen. Stichwort Energie. Aktuell hält die Stadt Eisenberg die Hand über diese freiwillige Einrichtung. Miete, Fahrtkosten und Unterhalt werden aus dem Stadtsäckel bestritten. Das Spendenaufkommen an die Brücke hält sich mit rund 1000 Euro im Jahr in Grenzen.
Es braucht mehr Förderer und Spender
Stadtbürgermeister Peter Funck (FWG) findet, man müsse über einen „Plan B“ nachdenken. Wie der aussehen könnte, sei aber völlig offen. „Es muss auf jeden Fall gelingen, mehr Spenden für die Brücke an Land zu ziehen“, so Funck. Er sorgt sich auch um die künftige Entwicklung, denn die steigenden Lebenserhaltungskosten werden mehr Menschen bedürftig machen. Auf die Brücke werden über kurz oder lang also mehr Hilfesuchende zukommen, vermutet der Stadtchef. Funck hofft daher, dass sich für die Einrichtung weitere Förderer und Spender finden, auch von Lebensmitteln.