NIEDERMOSCHEL RHEINPFALZ Plus Artikel BI wehrt sich gegen Windkraft-Pläne

Sonne statt Wind: Die BI lehnt Windräder ab und schlagt dafür ein Photovoltaik-Kraftwerk vor, das sich genossenschaftlich organi
Sonne statt Wind: Die BI lehnt Windräder ab und schlagt dafür ein Photovoltaik-Kraftwerk vor, das sich genossenschaftlich organisieren ließe.

Gegen die Windkraftplanungen der Firma Juwi in der Niedermoscheler Gewanne „Roter Kopf“ gibt es massiven „Gegenwind“. Der wurde jetzt im Gemeinderat spürbar. Eine bereits 2001 gegründete Bürgerinitiative im benachbarten Hallgarten wehrt sich gegen das Vorhaben.

Der Gemeinderat hatte im Grundsatz dem Vorhaben mehrheitlich positiv gegenüber gestanden. Als Nächstes sollte bei der Verbandsgemeinde Nordpfälzer Land ein Antrag auf Änderung des Flächennutzungsplanes beschlossen werden, damit Windkraft im fraglichen Gebiet – bislang keine Vorrangfläche für diesen Zweck – überhaupt ermöglicht wird. Dieser Antrag stand nun nicht auf der Tagesordnung der jüngsten Sitzung. Doch Ortsbürgermeister Gunter Keller verteilte später ein Schreiben der Bürgerinitiative Pro Nordpfalz aus Hallgarten, die diese Planungen in Sichtweite zu ihrer Gemeinde vehement ablehnt, da die Errichtung von vier Windkraftanlagen mit geplanter Höhe von 246 Metern katastrophale Auswirkungen auf den direkten Lebens- und Erholungsraum habe. Infraschall, Lärm, Schlagschatten, Immobilienwertverlust, massive Rodungen und damit Zerstörung von Waldflächen, Gefährdung für Luchse, Waldschnepfen, Fledermäuse und der Zugvögel in diesem Gebiet wie auch massive negative Auswirkungen auf den Tourismus werden darin als Beeinträchtigungen genannt.

BI schlägt Agrar-Photovoltaik vor

Das Schreiben der neu aufgelebten BI ist von zehn Personen unterschrieben, darunter auch vom Niedermoscheler Ratsmitglied Thomas Grünewald. Zudem hat die BI zu einer Online-Unterschriftenaktion bereits über 650 Unterschriften erhalten und Gespräche mit den Ortsbürgermeistern der Gemeinden Hallgarten, Obermoschel und Niedermoschel geführt.

Statt des Windkraftprojektes, von dem nur einzelne Grundstückseigentümer profitierten, schlägt die BI ein gemeindeübergreifendes regeneratives Energiekraftwerk mit Agrar-Photovoltaik vor. Dies könnte mit einem Genossenschaftsmodell organisiert werden. Einnahmen daraus könnten Bürgern aus den drei Gemeinden zugute kommen, so die Idee. Zudem könnten unter den Modulen sonnensensible Pflanzen angebaut werden.

Ratsmitglied Grünewald betonte, dass er die BI unterstütze, weil er grundsätzlich gegen die Errichtung von Windrädern sei und ihn die Lärmbelastung störe. In der Region seien zudem mittlerweile auch genügend Anlagen errichtet worden, so dass das Landschaftsbild leide. Beigeordneter Rainer Greth erinnerte an seine Aussage in der letzten Sitzung, dass noch viele Hürden zu überwinden seien und er gerne abwarten wolle, ob das Projekt überhaupt möglich sei. Ebenso könne mit dem Antrag auf eine Änderung des Flächennutzungsplanes abgewartet werden, bis ein belastbares Ergebnis vorliege.

Vor 20 Jahren erste Windkraft-Pläne

Ralf Haage befand den BI-Vorschlag eines regenerativen Energiekraftwerkes „lächerlich“. Ortsbürgermeister Keller verwies auf die Vorgaben der Landesregierung, wonach die Windkraft in naher Zukunft verdoppelt werden solle und Niedermoschel dadurch profitieren könne.

Die BI Pro Nordpfalz war bereits im Jahr 2001 von mehreren Bürgern im damaligen Neubaugebiet „Auf den unteren Aspen“ in Hallgarten gegründet worden, als die Firma Prokon auf der Gemarkung Niedermoschel in der Gewanne „Roter Kopf“ und in der in unmittelbarer Nähe gelegenen Gewanne „Ruth“ den Bau von acht Windrädern plante und die SGD Süd ein Raumordnungsverfahren einleitete. Aus Naturschutzgründen hatte Prokon auf die Teilfläche „Roter Kopf“ verzichtet und das weitere Verfahren nur für die Teilfläche „Ruth“ betrieben. Doch die dafür beantragten Anlagen wurden 2003 von der SGD Süd als mit der Raumordnung und Landesplanung nicht vereinbar abgelehnt. Hallgarten konnte so seine „Insel der Ruhe und Erholung“, wie die Gemeinde touristisch für sich wirbt, erhalten, wie die BI ausführt. Und nun, 20 Jahre später, lasse man am damals bedenklich erachteten Standort „Roter Kopf“ unter völligen Missachtung des damaligen Votums nunmehr erneut eine Planung zu, sogar mit fast doppel so hohen Anlagen wie damals beantragt.

Die BI appelliert an die Gemeinderäte in Niedermoschel und Obermoschel auf die Beantragung der Fläche „Roter Kopf“ als Sonderbaufläche für Windenergie im neu zu erstellenden Flächennutzungsplan der VG Nordpfälzer Land zu verzichten.

x