Obermoschel
Bürgermeisterwahl: Eine Rebellin will Stadtchefin werden
Melissa Metz ist bewusst, dass sie polarisiert. Die 31-Jährige möchte etwas verändern – und möchte gern Stadtbürgermeisterin von Obermoschel werden. Seit sie vor wenigen Tagen ihre Kandidatur bekannt gemacht hat, wird in der kleinsten Stadt der Pfalz viel geredet. Metz weiß davon und macht auch keinen Hehl daraus, dass manches von dem, was man hört, auch stimmt. Im zurückliegenden Bundestagswahlkampf hatte sie sich für die AfD eingesetzt, sogar Plakate an ihrem Haus aufgehängt. „Ich stehe für deren Wahlprogramm und ganz und gar nicht für Rechtsextremismus“, betont sie. Sie sei jedoch weder AfD-Mitglied noch AfD-Kandidatin. „Ich bin parteilos und trete als Einzelkämpferin an“, sagt Metz.
Doch warum dann die Plakataktion bei der Bundestagswahl? „Ich wollte auf den Putz hauen. Mir war klar, dass das polarisieren wird“, sagt sie. „Für mich ist aber auch klar, dass es so nicht weiter gehen kann.“ Damit meint sie nicht nur die Bundespolitik, sondern auch das, was auf kommunaler Ebene passiert. Metz sieht sich als eine Art Rebellin. Als junge Frau, die eine neue, andere Sichtweise in die Kommunalpolitik einbringen will. Mit dem Rücktritt des noch amtierenden Stadtbürgermeisters Ralf Beisiegel sei in ihr der Entschluss gereift, jetzt selbst anzutreten. Beisiegel nannte als einen der Gründe für seinen Rücktritt als Stadtoberhaupt das Ergebnis der Bundestagswahl in Obermoschel. Dort hatte die AfD 32 Prozent erreicht.
Noch fehlen die Gegenkandidaten
„Es war schon immer mein Wunsch, mal selbst in die Politik zu gehen und etwas zu verändern“, sagt Melissa Metz. Bislang habe das Leben aber stets andere Pläne für sie bereitgehalten. Nun will sie es versuchen. Auf kommunalpolitische Erfahrung kann Melissa Metz dabei noch nicht zurückgreifen. Sie sieht ihre Stärken eher darin, mit den Menschen ins Gespräch zu gehen. Bewusst auch mit denen, die ihr vielleicht zunächst mit Skepsis begegnen. In Obermoschel lebt sie erst seit etwa einem Jahr, fühlt sich in der Stadt aber gut aufgenommen und schnell integriert. „Ich war schon an vielen Orten, auch in größeren Städten, aber habe mich noch nie irgendwo so willkommen gefühlt“, sagt Metz. Mit ihrer siebenjährigen Tochter versuche sie, an möglichst vielen Veranstaltungen und Angeboten teilzunehmen. Metz ist im Schützenverein aktiv, arbeitet im Förderverein der Grundschule mit. „Und ich spüre hier eine große Hilfsbereitschaft; schon von Anfang an“, sagt sie. Entsprechend erhalte sie auch Unterstützung bei ihrem Vorhaben, Stadtbürgermeisterin zu werden. Auch ein Ratsmitglied habe bereits den Kontakt gesucht und sich zumindest für die Hintergründe der Kandidatur interessiert.
Ganz alleine steht Melissa Metz, die in der Pflege arbeitet, also nicht da. Einen Gegenkandidaten sucht man allerdings bislang vergeblich. Die Wahl ist auf den 22. Juni terminiert – viel Zeit bleibt also nicht mehr. Wer sich ebenfalls zur Wahl aufstellen lassen möchte, muss dies bis zum 5. Mai, 18 Uhr tun, dann endet die Frist. Ansonsten bräuchte Metz als Einzelkandidatin dennoch mindestens 50,1 Prozent Ja-Stimmen, um Stadtbürgermeisterin zu werden. Eine mögliche Stichwahl würde am 6. Juli stattfinden.
Ein Imbisswagen als erstes Pilotprojekt
Sie mag für einige Menschen noch unbekannt und eine Außenseiterin sein – kämpferisch ist Metz dennoch. Und sie benennt klare Ziele in ihrem Wahlprogramm. Um die Stadt wieder attraktiver zu machen, würde sie gerne ein Café oder eine Eisdiele ansiedeln. „Wanderer fragen immer wieder, wo man denn mal eine Tasse Kaffee bekommt“, sagt sie. Die Angebote in der Stadt seien aber begrenzt. Als Pilotprojekt schwebt Metz dafür ein Imbisswagen vor, den man an einer prominenten Stelle platzieren könnte, um die Nachfrage zu testen. „Der könnte dann Kaffee, kleine Speisen und Kaltgetränke anbieten“, sagt Metz. Statt einem „Ärztehaus ohne Ärzte“, wie sie es nennt, denkt Metz eher an ein Gebäude, in dem neben ärztlicher Versorgung auch Einkaufsmöglichkeiten entstehen sollen. In die Aufgaben der Verwaltung will sie dann hineinwachsen. „Ich setze da auch auf die Expertise im Stadtrat. Ich bin nicht allwissend“, sagt Metz. Dort, wo sie direkt anpacken kann, möchte sie das aber auch tun. Mit Gesprächen, Kontakt oder zur Not damit, auch einfach mal als Frau auf den Tisch zu hauen.