Münchweiler
Aus „Fräulein Lenz“ wird „Frau Lenz“: Gemüseerzeugerin wagt Neustart
Aus einer Ernährungsumstellung wurde für Carla Jennewein nicht nur ein Beruf, sondern ein Lebenstraum: Zusammen mit ihrer damaligen Lebenspartnerin rief sie „Fräulein Lenz“ ins Leben, baute in Münchweiler auf 3000 Quadratmetern Freilandfläche und weiteren 500 Quadratmetern Tunnelfläche händisch „Gemüse wie früher aus Omas Garten“ an und verkaufte es. Nach gut zehn Jahren drohte das Geschäftsmodell jedoch zu scheitern.
Im vergangenen Jahr fassten die beiden den Entschluss: Mit Fräulein Lenz sollte es vorbei sein. Die Gründe: Finanziell sei es nicht immer ganz einfach gewesen, sagt Carla Jennewein. Das frühere Paar hatte sich auf die Fahne geschrieben, dass sich jeder sein Gemüse in Bioqualität leisten können sollte. „Aber Gemüse hat seinen Preis – nur ist der in Deutschland nicht sonderlich hoch“, erklärt Jennewein. Die Erzeuger koste der Anbau und die Pflege der Pflanzen nach dem Marktgartenprinzip und in einer gewissen Qualität dennoch Geld – egal, ob mit oder ohne offiziellem Bio-Siegel.
Herausforderungen über Herausforderungen
Das Marktgartenprinzip beschreibt ein ökologisches Anbauprinzip, bei dem Gemüse auf kleinstmöglicher Fläche mit einfacher Technologie und großer Effizienz produziert wird. Auf den Einsatz von Pestiziden, Fungiziden oder künstlichen Düngemittel wird verzichtet. „Für Investitionen blieb also kaum Raum“, beschreibt die promovierte Biologin. Schwerwiegender hätten beide aber die Unausgeglichenheit zwischen Arbeitsalltag und dem Privatleben empfunden. „Die Work-Life-Balance hat einfach nicht mehr gestimmt“, findet Jennewein klare Worte für aufreibende Monate, „Wir haben einfach nicht mehr gesehen, wie wir weitermachen können.“
„Ab Oktober haben wir also all unseren jahrelangen Stammgästen mitgeteilt, dass es keine weitere Saison bei Fräulein Lenz geben wird“, berichtet Jennewein. Deren Reaktionen reichten über Trauer bis hin zu Verzweiflung. Jennewein kann die Gefühle ihrer Kunden verstehen. „Supermarktware schmeckt einfach ganz anders. Wenn man sich jahrelang an unser Gemüse mit viel intensiveren Aromen gewöhnt hat, fällt es schwer das wieder aufzugeben.“
Mit verändertem Konzept zum Neustart
Erst hätten die beiden Frauen versucht, den Betrieb zu verkaufen, einen Nachfolger zu finden. Doch die Suche gestaltete sich mehr als schwierig. Es wurde hin- und herüberlegt, wie vielleicht eine der beiden Initiatorinnen doch in Eigenregie weitermachen könnte. Auch Jennewein habe sich auf dem Arbeitsmarkt umgeschaut, ihre Fühler nach einer neuen Anstellung ausgestreckt. „An Weihnachten wurde mir klar: Ich finde nichts besseres, als hier mein eigener Chef zu sein und das zu machen, was mir Spaß macht“, beschreibt die promovierte Biologin, „also habe ich überlegt, was es braucht, damit ich weitermachen kann.“
Seitdem arbeitet Carla Jennewein an einem neuen Konzept, hat einiges umstrukturiert und verändert – angefangen beim Namen: Aus „Fräulein Lenz“ ist nun „Frau Lenz“ geworden. „Der Betrieb ist quasi erwachsen geworden.“ Das zeigt sich auch an veränderten Strukturen: Nun werden die Abo-Kisten mit Gemüse, die Kunden wöchentlich von Mai bis Oktober beziehen können, nicht mehr bis an die Haustüre gebracht. Stattdessen stehen sie in Depots in Münchweiler (Mühlstraße 21), im Kaiserslauterer Uniwohngebiet und neuerdings in Holger Jacobs Stadthotel zur Abholung bereit. „Außerdem können Kunden das Abo nur noch drei Mal im Jahr pausieren“, macht Jennewein deutlich. Gerade während der Sommerurlaube machten sich die wochenlangen Abbestellungen bemerkbar: Bis zu 20 Kisten weniger von etwa 100 bezogenen Kisten habe das bedeutet.
Garten soll Ort der Begegnung werden
Darüber hinaus soll sich bei „Frau Lenz“ noch mehr tun: Der Acker wird wieder eröffnet. Die Markttage, an denen auf dem Gelände von „Frau Lenz“ eingekauft werden kann, werden wieder ins Leben gerufen. Zusätzlich sollen Kunden ihr Gemüse auch selbst ernten können. Die Unternehmerin plant zudem, Angebote für Schulen und Kitas anzubieten, so Natur und Landwirtschaft erlebbar zu machen: „Der Garten soll ein Begegnungsort werden und gleichzeitig den Menschen zeigen, was alles dahintersteckt.“
Außerdem soll es Workshops zu Themen wie Jungpflanzenanzucht, Selbstversorgergärten, Draußenküche oder Weideflechtkurse geben. Einmal im Monat ist sogar ein Mitmachtag geplant. „Es soll einerseits um Bildung für Nachhaltigkeit gehen, aber auch um eine gute Zeit in der Gemeinschaft und am Lagerfeuer.“ Eigens dafür hat sie sogar einen Verein gegründet, nur der passende Name fehlt noch. „Ich glaube, dann haben wir eine gute Grundlage geschaffen, mit der es für ’Frau Lenz’ weitergehen kann“, freut sich Carla Jennewein über den Neubeginn.
Info
Weitere Informationen zu „Frau Lenz“ und den Angeboten gibt es auf der Website www.fraeulein-lenz.de.