Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel Aus für Tierpark: Behörde entzieht Erlaubnis

Der Privatzoo in Rockenhausen wurde 2006 für Besucher eröffnet; hier lebten teilweise rund 100 Arten, darunter viele Exoten.
Der Privatzoo in Rockenhausen wurde 2006 für Besucher eröffnet; hier lebten teilweise rund 100 Arten, darunter viele Exoten.

Nach jahrelanger Kritik von Bürgern, Besuchern und Behörden: Das Veterinäramt schließt den Privatzoo in Rockenhausen für die Öffentlichkeit – und nennt die Gründe.

Er ist ein Dauer-Reizthema in Rockenhausen und der Nordpfalz: der privat betriebene Tierpark von Andreas Spieß. Seit Jahren sieht sich der Zoo massiver Kritik von Besuchern, Behörden und Tierschutzorganisationen ausgesetzt. Und die Liste der Beanstandungen ist lang. Bemängelt werden Hygiene- und Haltungsbedingungen, die Gehege seien schmutzig, marode und zu eng, Tiere würden vernachlässigt, nicht artgerecht ernährt, sie litten unter Stress und Langeweile. Zudem gebe es Defizite bei der Versorgung und Klimatisierung, Erkrankungen würden nicht erkannt, Rückzugsmöglichkeiten für die Tiere fehlten. Kurzum: Es würden unzumutbare Zustände für die Lebewesen herrschen. Andreas Spieß wehrte sich stets gegen die Vorwürfe, beteuerte aber, die gesetzlichen Mindestanforderungen zu erfüllen und räumte ein „geringes Platzangebot“ im rechtlichen Rahmen ein.

Betreiber Andreas Spieß, hier mit zutraulichen Lemuren, nannte den Zoo mal sein „Lebenswerk und Herzensprojekt“.
Betreiber Andreas Spieß, hier mit zutraulichen Lemuren, nannte den Zoo mal sein »Lebenswerk und Herzensprojekt«.

Der Kerzenheimer investierte nach eigenen Angaben rund zwei Millionen Euro in seinen Privatzoo und betreut rund 100 Arten, darunter vielen Exoten, teils vom Aussterben bedroht. Er betreibt die Anlage auf dem Parkplatz zwischen Tedi-Markt, Spielothek und Tankstelle seit 2006 – und fast genauso lange kämpft er schon gegen das Schmuddel-Image. Immer wieder hatte in den vergangenen Jahren auch die Tierschutzorganisation Peta gegen den Privatzoo medial mobil gemacht, Videos von Whistleblowern veröffentlicht und gegen das Veterinäramt der Kreisverwaltung Donnersbergkreis geklagt. Die Behörde verwies nun jedoch erneut auf regelmäßige Kontrollen, insgesamt 29-mal sei sie in den vergangenen zehn Jahren vor Ort gewesen, stetig Hinweisen und Beschwerden nachgegangen und „im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten aktiv gewesen“. Bei den Auflagen seien die Mindestanforderungen regelmäßig erfüllt worden, so die Kreisverwaltung wiederholt auf RHEINPFALZ-Anfrage.

Bis vor Kurzem.

Der Eingang zum Zoo im Jahr 2024.
Der Eingang zum Zoo im Jahr 2024.

Das Veterinäramt hat nun festgestellt, dass die gesetzlichen Anforderungen nicht (mehr) erfüllt wurden. Deshalb zog es, wie erst jetzt bekannt wurde, schon im Februar die Reißleine und schloss den Tierpark für Besucher. Dem Betrieb wurde die als Zoo notwendige Erlaubnis nach Paragraf 11 des Tierschutzgesetzes (TierSchG) entzogen. Der Paragraf regelt die Erlaubnispflicht für das gewerbsmäßige Halten, Züchten, Handeln oder Ausbilden von Tieren sowie das Betreiben von Tierheimen. Diese Tätigkeiten erfordern eine behördliche Erlaubnis vom Veterinäramt, um Sachkunde und Zuverlässigkeit nachzuweisen und den Tierschutz zu gewährleisten. Andreas Spieß darf sein „Lebenswerk und Herzensprojekt“, wie er es selbst mal bezeichnet hat, nur noch privat weiterführen. Den Tierpark Donnersberg gibt es als solches nicht mehr; die Probleme, Bedenken und Beschwerden lösen sich dadurch aber nicht in Luft auf.

Private Haltung der Tiere weiter möglich

Peta befürchtet, dass die nun fehlenden Einnahmen durch das Eintrittsgeld die finanzielle Situation des Tierparks zusätzlich verschärfen könnten. Die Folge: Die Tiere würden noch schlechter versorgt. Daher hat Peta schriftlich an die Veterinärbehörde appelliert, ein generelles Tierhalteverbot zu prüfen. „Mit dem Entzug der Zoogenehmigung ist es nicht getan. Dass die Öffentlichkeit das Leid nicht mehr sehen kann, ändert nichts an der Situation der Tiere“, so Biologin Yvonne Würz, Petas Fachreferentin für Tiere in der Unterhaltungsbranche. „Ihr Alltag bleibt geprägt von den Umständen, unter denen sie zuvor leiden mussten. Sie sollten schnellstmöglich in Auffangstationen und andere geeignete Einrichtungen kommen, die ihre Bedürfnisse besser berücksichtigen.“

Karakale kommen hauptsächlich in Afrika und Asien vor.
Karakale kommen hauptsächlich in Afrika und Asien vor.

Die private Haltung von Tieren, so wie sie jetzt in Rockenhausen der Fall ist, unterliegt jedoch weiterhin tierschutzrechtlichen Bestimmungen, heißt: Das Veterinäramt kontrolliert regelmäßig, nimmt Hinweise entgegen und prüft sie. Sollten die Mitarbeiter dabei Verstöße feststellen, würden diese „entsprechend geahndet“.

„Höllenloch für Tiere“?

Peta bezeichnete die Anlage in Rockenhausen einst als „Höllenloch für Tiere“. Die Berichterstattung der Whistleblower 2023 war für ihn als Betreiber „extrem geschäftsschädigend“, erzählt Andreas Spieß. Er fühlte sich gegängelt, die Videos und Fotos, die kahle Gehege zeigten, seien aus dem Zusammenhang gerissen worden und nicht repräsentativ, erklärte er. Folglich kamen viel weniger Besucher in seinen Zoo – und nun kommen gar keine mehr.

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