Dreisen
Aus der Nordpfalz zu GNTM: Kim Bathkes steiler Weg ins Showgeschäft
Kim Bathke ist im Donnersbergkreis aufgewachsen, Teilnehmerin in der aktuellen Staffel von „Germany’s Next Topmodel“ (GNTM) und seit einigen Jahren in Berlin als sogenannte Dragqueen unterwegs. Im RHEINPFALZ-Interview spricht sie über ihr Leben als Trans-Frau, also als männlich geborene Person, die sich als Frau identifiziert, das Aufwachsen und den heutigen Bezug zur Heimat Pfalz sowie ihre Erlebnisse und Erfahrungen bei GNTM.
Kim, Sie leben heute als Trans-Frau in Berlin und sind als Dragqueen in der queeren Szene unterwegs. Wie war es für Sie in einer ländlich geprägten Region aufzuwachsen?
Ich bin in Kibo geboren und in Dreisen aufgewachsen. Meine Familie lebt immer noch dort. 2020 habe ich auf dem Weierhof mein Abi gemacht und bin dann mit 19 zum Studieren nach Berlin, weil ich schon immer in einer großen Stadt wohnen wollte. Ich wohne jetzt seit fünf Jahren in Berlin und erkenne nun, was für ein Privileg es ist, in so einer schönen Region aufgewachsen zu sein. Ich habe aber generell noch einen sehr engen Bezug zu meiner Heimat und komme spätestens alle drei bis vier Monate zu Besuch zurück. Ich fühle mich als Pfalzkind durch und durch. Meinen Pfälzer Dialekt und meinen Pfälzer Wein nimmt mir in Berlin niemand weg. (lacht)
Haben Sie, gerade zu Schulzeiten, negative Erfahrungen in Bezug auf Ihr Queer-Sein gemacht?
Ja, definitiv. Die Schulzeit war nicht immer einfach für mich. Ich habe recht früh gemerkt, dass ich queer bin, und wollte das auch nicht verbergen. Ich musste mir viele dumme Sprüche und Beleidigungen anhören. Durch diese negativen Erfahrungen habe ich mir aber auch ein dickes Fell zugelegt. Denn wenn du das nicht hast, gehst du als queere Person, die auf dem Land aufwächst, unter. Das hat mir letztlich auch bei GNTM geholfen.
Inwiefern?
Ich wusste, dass ich als Trans-Person grundsätzlich schon polarisieren werde. Und online habe ich auch viel Hass und Spott abbekommen – vor allem über Social Media. Das macht mir aber nicht mehr viel aus. Seit Beginn der GNTM-Ausstrahlung haben sich auch viele Menschen aus der Heimat bei mir gemeldet und meine Mutter wurde sogar auf ihrer Arbeitsstelle in Kirchheimbolanden auf meine Teilnahme angesprochen. Tatsächlich gab es aber durchweg positive Reaktionen. Ich finde es schön, dass jemand wie ich, aus einem kleinen Dörfchen in der Pfalz, es auf die große Bühne und zu GNTM geschafft hat.
Apropos: Wie kam es dazu?
Das war eigentlich recht spontan. Kurz nach dem Finale der vorherigen Staffel gab es den Bewerbungsaufruf für die jetzige Staffel. Mein Vater meinte daraufhin zu mir, dass ich mich doch einfach mal bewerben soll. Und nach kurzem Überlegen habe ich das gemacht, weil es auch kein besonders schwieriger Bewerbungsprozess war. Ich wurde dann zum Casting nach Köln eingeladen. Allein das war schon surreal. Ich hätte aber nie gedacht, dass ich mich da durchsetzen kann.
Wie haben Sie die Dreharbeiten erlebt?
Der Drehstart war im September 2025, gedreht wurde zunächst in Berlin. Das war sehr angenehm, weil ich dadurch keine weite Anreise hatte. Die Zeit vor Ort war sehr spannend und intensiv. Mein persönliches Highlight waren die Freundschaften mit den anderen Teilnehmerinnen, die ich geknüpft habe. Weil man während des Drehs kein Handy hat, lernt man sich schnell sehr gut kennen. Ich habe mit fast allen heute noch Kontakt und es ist so, als kennt man sich schon jahrelang.
In Folge 10 mussten Sie die Sendung leider verlassen. Waren Sie sehr enttäuscht?
Nein, ich kann gar nicht enttäuscht sein, weil ich nie gedacht habe, dass ich es so weit schaffe. Außerdem habe ich sehr viel Unterstützung bekommen. Ganz viele Leute aus der Heimat haben sich bei mir gemeldet.
Neben dem Modeln sind Sie in Berlin als Dragqueen tätig. Was bedeutet das?
Das Drag-Dasein ist aktuell mein Hauptberuf. Ich bin seit 2023 als Dragqueen in meiner Rolle als „Nic Autin“ unterwegs, seit April 2024 habe ich mit meiner besten Freundin eine eigene Drag-Show in der queeren Bar „Curly“ im Berliner Stadtteil Wedding. Wir geben unseren Show-Auftritten jeden Monat ein eigenes Motto. Es gab auch schonmal ein „Pfalz“-Motto, da habe ich beispielsweise das Pfalzlied auf der Bühne gesungen.
Was sind Ihre Ziele für die mittelfristige Zukunft – beruflich, aber auch privat?
Ich möchte auf jeden Fall weiter modeln, vor allem auf Social Media. Mein Ziel ist es, das Modeln als Hauptberuf neben dem Drag zu etablieren – mein absoluter Traum ist es, beides miteinander zu verbinden. Privat ist mein größtes Ziel, die Sichtbarkeit für Trans-Frauen deutlich zu steigern und anderen Trans-Personen damit Mut zu machen. Meine Geschichte zeigt: Es ist nie zu spät, für seine Träume zu kämpfen, auch nicht, wenn man aus einem kleinen Dorf wie Dreisen kommt.
Zur Person
Kim Bathke ist 24 Jahre alt und in Dreisen im Donnersbergkreis aufgewachsen. Seit fünf Jahren lebt die Trans-Frau in Berlin. Dort hat sie Psychologie studiert und arbeitet als Dragqueen und Model. Sie war als Teilnehmerin bei der 21. Staffel von Germany’s Next Topmodel dabei und kam in die Top 15 der Frauen.