Donnersbergkreis Auf nach Hawaii!

Nasse Schwämme im Trikot, Eiswürfel, Wasserduschen – auf dem Weg zum EM-Titel nutzt Tom Holzmann jede Gelegenheit, um seinem Kör
Nasse Schwämme im Trikot, Eiswürfel, Wasserduschen – auf dem Weg zum EM-Titel nutzt Tom Holzmann jede Gelegenheit, um seinem Körper etwas Kühlung zu verschaffen.

«Frankfurt.»Als Tom Holzmann am Sonntagnachmittag nach 9:36 Stunden das Ziel erreicht, ist für Euphorie und Freude kaum Platz in seiner Gefühlswelt. „Die Übelkeit und das Unwohlsein haben erst einmal alles überlagert. Was den Kreislauf angeht, habe ich mich noch nie so mies gefühlt“, sagt der 24-Jährige. Erst jetzt, einen Tag später, könne er sich über seinen Erfolg richtig freuen. Zu Recht: Holzmann erreicht nicht nur als 39. von mehr als 2000 Finishern das Ziel. Der Kirchheimbolandener sichert sich auch noch Platz eins in seiner Altersklasse, der M18-24, damit den Titel des Europameisters – und das Ticket für den Ironman auf Hawaii. Selbst das Wasser ist zu warm Dass Letzteres geklappt hat, ist ein Glücksfall. Nicht nur für Holzmann, sondern auch für seine Familie. Die hatte schon Wochen im Voraus gezockt, Reise und Unterkunft für Hawaii gebucht. Wer sich spät entscheidet, hat es schwer bei der Suche. War das eher Druck oder Ansporn? „Ich hatte schon etwas Druck“, gibt Holzmann zu. Andererseits hätten die Trainingsergebnisse gezeigt, dass er das Zeug zum EM-Titel habe. Für ihn sei klar gewesen: Wenn er erst einmal gesund an der Startlinie stehen würde und während des Rennens nicht noch mit einem technischen Defekt zu kämpfen habe, sollte es reichen. Der Frankfurter Ironman am Sonntag ist ein Wettkampf der Extreme – schon der Temperaturen wegen. Weil das Wasser im Langener Waldsee zu warm ist, dürfen die Starter nur ohne Neopren-Anzug ins Wasser. „Ich wäre lieber mit Neopren gestartet“, gibt Holzmann zu. Schließlich sorgt ein solcher Anzug auch für etwas Auftrieb. Aber angesichts der Hitze „wäre das auch unverantwortlich gewesen“, zeigt er Verständnis für die Entscheidung. Nach 1:04:34 Stunden wechselt der 24-Jährige aufs Rad. „Ich hatte auf eine Zeit knapp über einer Stunde gehofft“, gibt er zu. „Andererseits fallen drei Minuten an so einem langen Tag nicht ins Gewicht.“ Aufstehen um halb vier morgens Ein langer Tag – den erleben Holzmann, seine Familie und Freundin in der Tat. Gemeinsam stehen sie um halb vier Uhr morgens auf, fahren nach Frankfurt. Der Start erfolgt am frühen Morgen. Immer mit dabei: Holzmanns Familie. Immer wieder geben die Eltern Zeiten durch, halten ihren Sohn auf dem Laufenden, wie er sich im Altersklassen-Vergleich schlägt. „Das kriegt man schon mit und freut einen, wenn man am Streckenrand bekannte Gesichter sieht“, sagt er. Vor allem auf der Radstrecke, auf der der Jura-Student zeitweise schwer zu kämpfen hat. „Auf den ersten 120 Kilometern war ich noch einigermaßen im Soll. Aber die nächsten zehn Kilometer wurden superschwierig. Ich konnte keine Flüssigkeit und keine Kohlenhydrate mehr aufnehmen“, sagt Holzmann später. „Ich habe noch kurz gedacht: Das bringt doch alles nichts. Aber wenn man vorher sozusagen die Klappe aufreißt, muss man das auch durchziehen.“ Das Ziel ist schließlich klar: Hawaii. Und Holzmann will es nicht aufgeben. Zumal die durchgegebenen Zeiten zeigen: Auch die Konkurrenz hat zu kämpfen. Nach 180 Kilometern auf dem Rad geht es zu Fuß weiter. „Schnell als verrückt abgestempelt“ Das A und O, weiß Holzmann nicht nur an diesem Tag, ist die Fitness. Rund 25 Stunden wöchentlich gehen seit Jahresbeginn für den Triathlon drauf. „Natürlich muss man sich auch mal motivieren und in den Hintern treten“, sagt Holzmann. „Aber der Körper fordert das irgendwann auch ein.“ Nebenher bereitet er sich auf das Staatsexamen in Jura vor. Die Prüfungen hierzu sind, geht alles glatt, sieben Tage vor Hawaii erledigt. Was seine Kommilitonen wohl sagen, denen alleine die Vorbereitung aufs Examen tagesfüllend erscheinen dürften? „Ich glaube, man wird schnell als verrückt abgestempelt“, sagt Holzmann schmunzelnd. Andererseits sei so ein Langdistanz-Triathlon „halb so wild. Das kann jeder schaffen, der es will und gesund ist“, glaubt er. Was zählt, sei die Hingabe zum Sport. Und der sei ganz nebenbei ein guter Ausgleich zum Lernen. Erst Staatsexamen, dann Hawaii In Frankfurt geht es weiter auf die Schlussdisziplin, einem Marathon bei Sommerhitze. Zum Glück für die Athleten haben die Veranstalter vorgesorgt, zusätzliche Versorgungsstände aufgebaut. Holzmann nutzt jede Gelegenheit. „Ich bin an jeder Stelle durchgewalkt, einfach um das auszuhalten und kein Risiko einzugehen.“ Immer wieder schnappt er sich Getränke oder Eiswürfel, stopft sich auch nasse Schwämme ins Trikot, um seinen Körper zu kühlen. Von Schmerzen will Holzmann nicht reden, eher ist es ein Unwohlsein, das ihn kontinuierlich plagt. Zwischenzeitlich geht ihm ein Gedanke durch den Kopf: „Ich bringe das jetzt zu Ende, aber so was tue ich mir nie wieder an“, erzählt er lachend – wohl wissend, dass er sich schon in einigen Monaten wieder „so etwas antun“ wird. Die 900 US-Dollar Startgebühr sind bereits beglichen. Hawaii ruft.

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