Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Auch in Donnersberger Apotheken fehlen Medikamente

Medikamente in einem Lager. Vieles fehlt aber mittlerweile.
Medikamente in einem Lager. Vieles fehlt aber mittlerweile.

Lieferengpässe bei Medikamenten sind eine echte Herausforderung für Apotheken im Donnersbergkreis.

„Es ist ein Albtraum“, stöhnt Gerhard Böhr, Inhaber der Adler-Apotheke in Winnweiler, bei der Frage, ob er aktuell mit Lieferengpässen bei Medikamenten zu tun habe. „Es ist zwar im Augenblick nicht so schlimm wie vor anderthalb Jahren, aber es ist immer noch ein Kampf“, sagt er. Er steht mit diesem Problem nicht alleine da. Eine RHEINPFALZ-Umfrage zeigt, dass es seinen Kolleginnen und Kollegen ähnlich geht. In ganz Deutschland sind bestimmte Medikamente knapp oder gar nicht mehr lieferbar. Und das schon seit geraumer Zeit.

Für die Apotheker und ihre Mitarbeiter heißt das neben den Umsatzeinbußen vor allem: Mehraufwand. Patienten, die dringend auf Arzneimittel angewiesen sind, müssen vertröstet, zurück zum Arzt geschickt oder gleich ganz abgewiesen werden. „Im besten Fall gibt es ein vergleichbares Medikament“, sagt Böhr. „Das muss aber erst gefunden werden, und dann müssen wir schauen, ob es lieferbar ist.“ Oft gilt es, verunsicherte Kunden zu beruhigen: „Gerade ältere Patienten sind nun mal an ,ihr’ Medikament gewöhnt. Da muss man dann erklären, dass der Wirkstoff derselbe ist. Oder dass sie auch einem ausländischen Produkt trauen können.“ Denn manchmal kann Nachschub nur aus dem Ausland geholt werden, wenn der deutsche Markt nichts mehr hergibt. „Dann müssen Sie aber erst prüfen, ob das Mittel hier auch zugelassen ist, sonst gibt es Ärger mit den Kassen.“

Fiebersäfte sind aktuell kein Problem

Besonderer Mangel herrscht seiner Einschätzung nach aktuell bei dem Asthmamittel Salbutamol. Das sei seit Jahresbeginn schon nicht mehr lieferbar. Es fehlen aber auch die vermeintlich ganz einfachen Dinge wie beispielsweise sterile Kochsalzlösungen. Nicht lieferbar sei zudem Quetiapin, eingesetzt bei psychischen Erkrankungen, und das Beruhigungsmittel Oxazepam. Fiebersäfte für Kinder, die in den vergangenen Jahren immer mal wieder knapp waren, seien aktuell nicht das Problem, dafür würden aber Antibiotika knapp. Allerdings sei es in diesem Fall immer noch möglich, auf ein anderes Präparat umzusteigen. „Das Problem ist manchmal die Menge und die Dosierung, da muss man dann improvisieren.“

Der kranke Mensch kann sich derweil nur noch die Augen reiben. Wie kommt es, dass ausgerechnet Deutschland, dem Land, das viele Jahrzehnte lang als „Apotheke der Welt“ bezeichnet wurde, die Medikamente ausgehen? Deutsche Pharmaunternehmen waren doch einmal weltweit führend in der Entwicklung und Herstellung von Arzneimittel! Doch das ist lange her. Inzwischen werden nur noch knapp fünf Prozent der Wirkstoffe in medizinischen Präparaten in Deutschland hergestellt. Im ganzen EU-Gebiet sind es noch 33 Prozent.

Deutschland wird abhängig von China

„Die wichtigsten Wirkstoff-Hersteller sitzen mittlerweile in China und Indien“, weiß Marc Muchow, Inhaber mehrerer Apotheken, mit Hauptsitz in Kirchheimbolanden. Eine Ursache sei die Sparpolitik der Krankenkassen. „Die Kassen drücken die Kosten.“ Für deutsche Unternehmen lohne sich die Produktion irgendwann nicht mehr. In Asien, vor allem in Indien und China, seien die Kosten deutlich geringer, vor allem bei einfachen, nicht patentgeschützten Wirkstoffen. Die Folge: „Wir werden immer abhängiger von diesen Herstellern.“

Umgekehrt gelte das aber nicht. Da in anderen europäischen Ländern, zum Beispiel Italien, höhere Preise gezahlt würden, würden diese Märkte bevorzugt beliefert. Diese Situation sei aber nicht von heute auf morgen entstanden, vielmehr handele es sich um einen Prozess, der Jahrzehnte gedauert habe.

Nicht so dramatisch wie vor zwei Jahren

Die Politik versucht inzwischen gegenzusteuern – mit dem „Arzneimittel-Lieferengpassbekämpfungs- und Versorgungsverbesserungsgesetz“. Bisher allerdings offenbar mit wenig Erfolg. „Man merkt eigentlich keine Besserung“, sagt zum Beispiel Torben Schreiner, Inhaber der Sonnen-Apotheke in Albisheim. Aktuell fehlen ihm 83 Medikamente, die er normalerweise auf Lager hat, darunter das bereits genannte Quetiapin. Immerhin will die EU noch in diesem Jahr ein neues Gesetzespaket vorlegen, um wieder langfristig Pharmaunternehmen auf ihren Gebiet anzusiedeln.

Bis dahin behelfen sich die Apotheken mit Vorratskäufen, was die Lage jedoch zusätzlich verschärft, denn die Menge der verfügbaren Medikamente wird davon ja nicht größer, und die zusätzlichen Kosten machen gerade kleineren Apotheken zu schaffen. Außerdem wird, wenn nötig, „ausgetauscht, was austauschbar ist“, wie Muchow es formuliert. Manchmal könne man auch die Darreichungsform ändern, statt Tabletten beispielsweise Kapseln oder Tropfen geben. „Dass wir selbst etwas herstellen, kommt selten vor. Manchmal arbeiten wir aber Medikamente um und passen zum Beispiel Präparate, die eigentlich für Erwachsene sind, für Kinder an“, präzisiert er. In den vergangenen Jahren sei das etwa bei Fiebersäften der Fall gewesen. In dringenden Fällen springen Apotheken füreinander ein. Immerhin: Aktuell sei die Lage zwar ernst, aber nicht so dramatisch wie vor zwei bis drei Jahren, betont Muchow. „Mit Einschränkungen kann jeder Patient versorgt werden.“

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