Rockenhausen RHEINPFALZ Plus Artikel „Amüse Köhl“: Das steckt hinter dem Erfolgsrezept eines Pfälzer Feinkostladens

 Petra Steller hat das Geschäft „Amüse Köhl“ seit 13 Jahren und füllt den Laden mit schwer zu findenden Produkten – die meisten
Petra Steller hat das Geschäft »Amüse Köhl« seit 13 Jahren und füllt den Laden mit schwer zu findenden Produkten – die meisten Kunden wissen, was sie wollen.

Wie ein Feinkostladen ohne Lager und Onlineshop funktioniert? Ein Laden in Rockenhausen ist so individuell wie seine Besitzerin.

Mitten in Rockenhausen führt Petra Steller einen Feinkostladen, der so individuell ist wie seine Inhaberin. „Amüse Köhl“ ist geprägt von persönlichen Kontakten, ausgewählten Produkten – und einer Arbeitsweise, die sich bewusst gegen schnelle, anonyme Abläufe stellt.

Besonderer Tee, außergewöhnliche Deko, ein Gemälde der ‚Mädchen mit dem Perlenohrring‘-Version mit Hund – der Laden hat etwas fü
Besonderer Tee, außergewöhnliche Deko, ein Gemälde der ‚Mädchen mit dem Perlenohrring‘-Version mit Hund – der Laden hat etwas für jeden Sinn.

Beim Betreten des Ladens fällt der erste Blick auf die Einrichtung: sorgfältig dekoriert, warm, fast verspielt. Zwischen Gewürzen, Ölen und Schokolade steht sogar ein Bett im Raum – Teil eines Schlafsystems, das ebenso zum Konzept gehört wie die Feinkost. Petra Steller lebt nach dem Motto „Ernährung, Bewegung und Schlaf“: eine Triade für einen gesunden Alltag. Die Inhaberin selbst wirkt, als gehöre sie genau hierher: stilvoll gekleidet, mit Pixie-Cut, moderner Brille, einem Tuch um den Hals und einer ruhigen, sanften Art zu sprechen. Wäre ihr Alter nicht bekannt, würde man sie deutlich jünger schätzen.

Von außen ein normaler und einladender Eingang, innen ein umfangreicher Katalog des Lebensgenusses.
Von außen ein normaler und einladender Eingang, innen ein umfangreicher Katalog des Lebensgenusses.

Die 66-Jährige wurde in Bayerfeld-Steckweiler geboren und wuchs in Rockenhausen auf. Beruflich hat sie viele Stationen durchlaufen: Zunächst arbeitete sie im Krankenhaus, unter anderem in der chirurgischen Ambulanz, später übernahm sie Leitungsaufgaben im Einkauf. Über drei Jahrzehnte hinweg prägte vor allem der Sport ihr Leben. Gemeinsam mit einer Partnerin führte sie ein Studio, gab Kurse, bildete sich weiter und beschäftigte sich intensiv mit Bewegung, Training und Ernährung. Nach einem schweren Knieunfall musste sie sich jedoch aus dem aktiven Unterrichten zurückziehen – und wandte sich einem Bereich zu, der ihre Haltung kaum besser widerspiegeln könnte.

Eine Familientradition

Vor 13 Jahren eröffnete sie ihren Feinkostladen „Amüse Köhl“ – ein Name mit persönlicher Geschichte. Er knüpft an den Kolonialwarenladen ihrer Großeltern an, „Kolonialwaren Köhl – Genuss-Schätze aus aller Welt“, der von 1938 bis 1975 bestand. Die Idee zum Namen kam ihr spontan auf dem Weg zu einer Messe: Sie rief ihre Geschäftspartnerin an und sagte einfach: „Wir nennen es Amüse Köhl“ – und so blieb es. Inspiriert ist der Name zugleich vom französischen Begriff „amuse gueule“, einer kleinen Gaumenfreude, kombiniert mit dem Familiennamen Köhl. So hält sie die Tradition ihrer Familie auf eigene Weise lebendig.

Familientradition: von Kolonialwaren Köhl zu „Amüse Köhl“.
Familientradition: von Kolonialwaren Köhl zu »Amüse Köhl«.

Dass sie mit ihrem Konzept keine großen Gewinne macht, verschweigt sie nicht. Der Laden trägt sich, mehr aber auch nicht. Deshalb stemme sie die Arbeit größtenteils allein. „Ich lebe davon, und das reicht mir“, sagt Steller. Unterstützung gibt es nur punktuell. Meist sei sie es, die hinter der Theke steht – aber dann doch nicht allein: Im Hintergrund liegt ihr Hund, ein Irish Greyhound mit dem ungewöhnlichen Namen Chessplayer, eingerollt unter einer Decke. „Die Rasse hat kaum Fell und es wird ihm manchmal kalt: Der wartet, bis ich ihn zudecke“, erklärt sie. In ruhigeren Momenten gehen die beiden kurz nach draußen – ein eingespieltes Duo, das genauso selbstverständlich zum Laden gehört wie die Dekoration.

Die charmante und moderne Version der Kuckucksuhr.
Die charmante und moderne Version der Kuckucksuhr.

Warum glückliche Hühner einen Einfluss haben

Das Sortiment wirkt wie eine sorgfältig kuratierte Sammlung besonderer Dinge: von modernen Kuckucksuhren bis hin zu traditionellen italienischen Pralinen. Fast so, als würde man sich durch ein liebevoll ausgewähltes Angebot klicken – nur eben analog. „Ich arbeite nicht mit dem Internet“, sagt Steller. Stattdessen setzt sie auf direkten Kontakt zu ihren Händlern, viele kenne sie persönlich. Einmal pro Woche ist sie unterwegs und holt Ware selbst ab. Unter anderem deshalb bleibt der Laden mittwochs geschlossen. „Aber die Kunden dürfen natürlich mit Karte bezahlen – man muss sich an die Zeiten halten“, berichtet Petra Steller. „Ich sage immer: Die Geräte müssen online sein, nicht ich.“

 Eine freundliche und stilvolle Beratung ist Petra Steller wichtig – damit verbringt die 66-jährige Hobby-Kampfsportlerin die me
Eine freundliche und stilvolle Beratung ist Petra Steller wichtig – damit verbringt die 66-jährige Hobby-Kampfsportlerin die meiste Zeit.

Wie konsequent sie dieses Prinzip lebt, zeigt sich etwa bei ihrer Pasta. Die stammt von einem kleinen Produzenten aus der Region. Industrielle Abläufe gibt es dort nicht. „Wenn die Hühner keine Lust haben zu legen, bekomme ich keine Nudeln“, sagt sie. Ein Lager führt sie bewusst nicht – die Ware soll frisch bleiben und nicht lange stehen. Was sich nicht rechtzeitig verkauft, bietet sie günstiger an, bevor es an Qualität verliert. Für sie gehöre das dazu: „So ist das eben, wenn man es organisch macht.“

Der treue „Schachspieler“, der den Laden begleitet: ein Irish Greyhound.
Der treue »Schachspieler«, der den Laden begleitet: ein Irish Greyhound.

Wo man alles finden kann

Ihre Kundschaft ist so unterschiedlich wie ihr Sortiment: Manche wissen genau, was sie wollen, andere lassen sich bewusst überraschen. Ein Mann kommt kurz herein, greift gezielt zu einem Gewürz, zahlt, nickt – ein routinierter Ablauf, der zeigt, dass er genau weiß, wo er fündig wird. Doch manchmal sei es auch anders. Viele Kunden kämen ohne konkrete Vorstellung. „Oft sagen sie einfach: Machen Sie mir ein Präsent“, erzählt Steller. Dann frage sie nach: Für wen ist es gedacht? Wie alt? Eher klassisch oder offen für Neues? Daraus entstehen individuelle Zusammenstellungen, abgestimmt auf die Person. Dass diese gut ankommen, zeigt sich schnell: Immer wieder folgen größere Bestellungen, auch von Firmen. Ein Kunde habe sie einmal als „seine letzte Hoffnung“ bezeichnet, weil er eine bestimmte Zutat suchte, die er sonst nirgends gefunden hatte. Ihre Antwort kam prompt: „Ich bin doch nicht Ihre letzte Rettung – ich bin Ihre erste Adresse.“

Es gibt nicht nur verschiedene Teesorten, sondern auch gleich das passende Zubehör zu kaufen.
Es gibt nicht nur verschiedene Teesorten, sondern auch gleich das passende Zubehör zu kaufen.

„Ich mache keinen Urlaub“, erzählt die ausgebildete Sportlerin nicht ohne Stolz – wobei das nicht ganz wörtlich zu verstehen ist: Ab und zu schließt sie den Laden, um neue Produkte kennenzulernen oder an Produktschulungen teilzunehmen. An Ruhestand denkt sie noch lange nicht. „Viele Kunden kaufen bei mir Gutscheine oder bekommen sie geschenkt, finden sie nach ein paar Jahren wieder und rufen mich an: Sind die überhaupt noch gültig?“ Ihre Antwort darauf ist klar: „Solange ich den Laden habe, sind sie gültig.“

Der Kaffee kommt von einem lokalen Kaffeeröster aus Kirchheimbolanden. Wichtig dabei: fairer Handel und hochwertige Bohnen.
Der Kaffee kommt von einem lokalen Kaffeeröster aus Kirchheimbolanden. Wichtig dabei: fairer Handel und hochwertige Bohnen.

In ihrer freien Zeit sammelt Steller Bücher und widmet sich verschiedenen Hobbys. In ihrem Garten blühen englische Rosen – die sind bekannt dafür, nicht ganz einfach in der Pflege zu sein. Reisen? Braucht sie nicht. Auch wegen ihres Hundes. Dafür bleibt sie in Bewegung: Dreimal pro Woche trainiert sie Kampfsport. Abends dauert es dann nicht lange, bis sie einschläft. „Ich bin keine Nachteule“, sagt sie. Ihr sorgfältig abgestimmtes Schlafsystem sorgt dafür, dass sie schnell zur Ruhe kommt – und erholt in den nächsten Tag startet.

„Die Pralinen mögen keinen Kühlschrank“, erklärt Steller. „Die perfekte Temperatur liegt zwischen 15 und 25 Grad.“
»Die Pralinen mögen keinen Kühlschrank«, erklärt Steller. »Die perfekte Temperatur liegt zwischen 15 und 25 Grad.«
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