Donnersbergkreis RHEINPFALZ Plus Artikel Altglas: Gemeinden ohne Container äußern Kritik

Nicht alle Bürgerinnen und Bürger im Landkreis sind zufrieden mit der Containerlösung beim Altglas.
Nicht alle Bürgerinnen und Bürger im Landkreis sind zufrieden mit der Containerlösung beim Altglas.

Sieben Ortsgemeinden im Donnersbergkreis finden bislang keine Stellplätze für Container und nehmen nun mitunter die Kreisverwaltung in die Pflicht. Darf das sein?

Seit Jahresbeginn dürften die meisten Menschen im Donnersbergkreis ihr erstes Mal mit den neuen Altglascontainern erlebt haben. In fast allen Gemeinden stehen die Sammelbehälter für weißes, grünes und braunes Glas inzwischen, und sie wurden hier und da auch bereits geleert. Dass die Umstellung der Abfallwirtschaft in Sachen Glasmüll dennoch weiterhin auf Kritik stößt, liegt mitunter daran, dass es in manchen Gemeinden eben keine Container gibt – und auch nicht geben wird. „Ich bin enttäuscht über die Kurzsichtigkeit des Gemeinderates und des Bürgermeisters“, äußert sich etwa eine Bürgerin aus Orbis in einem Schreiben an die Redaktion. Insgesamt sind es sieben Gemeinden im Kreis, die aktuell keine Container aufstellen wollen. Die Gründe dafür sind dabei ähnlich.

Unkontrollierte Müllablagerungen, Lärm, Glassplitter – die Kritikpunkte, die seitens der Ortsbürgermeister kommen, sind bekannt. „Wir wollten daher aber eben nichts überstürzen“, betont Peter Schmitt, Ortsbürgermeister von Orbis. Auf der Suche nach einem geeigneten Standort sei man nicht fündig geworden, habe das „Thema aber noch auf dem Tisch“. Das Problem sei bisher gewesen, dass man keine Altglascontainer beispielsweise in direkter Nähe zum Kinderspielplatz aufstellen wollte. „Und wir wollen durch einen möglichen Standort eben auch für keinen einzigen Bürger einen Nachteil erzeugen“, sagt Schmitt, der sich wünscht, dass sich dennoch alle Bürgerinnen und Bürger weiterhin mit ihrer Kritik direkt an ihn wenden und das Gespräch suchen.

Wunsch: Container an allen Supermärkten

„Der ursprünglich angedachte Standort direkt vor der Gemeindehalle im Wohngebiet stellte sich als problematisch heraus“, erklärt Philipp Hass, Ortsbürgermeister von Schweisweiler. In Dielkirchen seien gleich mehrere Stellplätze diskutiert worden, ohne einen geeigneten zu finden, wie Ortsbürgermeisterin Karin Cramme-Renner erzählt. Direkt am Kindergarten? Nein, da würden benötigte Parkplätze wegfallen. Auf dem ehemaligen Bahngelände am Sportplatz? Nein, das befindet sich in Privatbesitz. Am Friedhof? Nein, hier wird befürchtet, dass aufgrund der Lage dort auch anderer Müll abgelegt werden würde. „Wir setzen also aktuell auf Nachbarschaftshilfe“, erklärt Cramme-Renner. Dies bedeute, dass man beispielsweise Menschen, die nicht mobil sind, hilft und deren Glasmüll mitnimmt, um ihn in anderen Ortsgemeinden zu entsorgen. „Alle bekommen ihr Glas ja auch irgendwo her und können es dort ja auch abgeben“, äußert sich Peter Schmitt. So gebe es in der Nähe der gängigen Einkaufsmöglichkeiten oder zumindest in den jeweiligen Orten genügend Container, die angefahren werden könnten.

Deutlich mehr Kritik äußert Tim Mühlbach, Ortsbürgermeister von Marnheim. „Wir haben der Kreisverwaltung mögliche Stellplätze benannt, die aber abgelehnt wurden“, sagt er. Auf Nachfrage erklärte Lutz Schowalter, Pressesprecher der Kreisverwaltung, manche Gemeinden hätten Stellplätze vorgeschlagen, die auf Privatgrundstücken lagen – die jeweiligen Eigentümern hatten einer Nutzung jedoch nicht zugestimmt. In Marnheim will man aber keine anderen Standorte angeben – aufgrund der möglichen Belastung der Anwohner, obwohl „keine grundlegende Ablehnung“ gegen Altglascontainer herrsche. Allerdings sieht Mühlbach nun den Kreis in der Pflicht, für eine mögliche Entsorgung zu sorgen. „Der Landkreis macht es sich aktuell recht einfach, indem die Verwaltung das Problem auf die Ortsgemeinden abwälzt“, sagt Mühlbach und stellt die Frage: „Welche Lösungsansätze hat der Kreis für Gemeinden, die keine Container aufstellen können, oder für ältere Menschen, die nicht quer durch die Gemeinde laufen können, um ihren Abfall zu entsorgen?“ Mühlbachs Forderung ist, dass überall dort, wo Lebensmittel verkauft werden, also zumindest direkt bei den Supermärkten, Container aufgestellt werden sollten. Dann könnte das Altglas eben dort entsorgt werden, wo es auch gekauft wird. Ähnlich wie bei Pfandflaschen.

Farbtrennung auch nach Abholung gewährleistet

Dem Vorschlag würde sich auch Axel Erbach, Ortsbürgermeister von Wartenberg-Rohrbach, anschließen. „Das haben wir bereits im August in unserer Antwort an die Kreisverwaltung so vermerkt“, sagt Erbach. „Ich bin der Meinung, dies sollte gelingen, da es ja auch analoge Regelungen zur Rückgabe von Batterien und Elektrokleingeräten in Supermärkten gibt.“ Da gebe es zwar gesetzliche Vorgaben, die im Falle des Altglases (noch) fehlen würden. „Aber es sollte im Sinne der Geschäfte sein, dass die Kunden beim Einkauf ihr Altglas wieder abgeben können“, findet Erbach. Demgegenüber steht jedoch eines der Argumente, das die Kreisverwaltung zur Umstellung bei der Altglasentsorgung angegeben hat: der wirtschaftliche Faktor. So sei es für den Kreis lukrativer, den Müll bereits vorsortiert abholen zu lassen. Wird die Weiterverwendung zur Sache der Supermärkte, könnte dieser Wirtschaftsfaktor wegfallen.

Was ebenfalls für Fragen sorgt, ist die Art der Abholung. Ein Leser aus Bolanden hatte zuletzt beobachtet, wie die Firma Jakob Becker die Container entleerte, und fragte sich, warum man denn nach Farben trennen soll, wenn dann doch alles in einen großen Container zusammengeschüttet wird. „Im Fahrzeugaufbau befindet sich eine Trennwand, die für jede Farbe eine eigene Kammer bildet“, erklärt die Firma Becker. Was getrennt wurde, bleibt also getrennt. Was die Entsorgung der Deckel angeht, gibt es ebenfalls hier und da noch Verwirrung. Grundsätzlich gehören diese zwar in den Gelben Sack, verhindern aber nur bedingt die Weiterverwertung des Glases.

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