Kirchheimbolanden
Abgebranntes Windrad: Wie es jetzt weitergeht
Die Erinnerung ist noch frisch im östlichen Donnersbergkreis: Am frühen Morgen des 2. Januar, als die meisten Menschen noch mit den Nachwehen des Jahreswechsels zu kämpfen hatten, stand auf dem Hungerberg, dem Bergrücken zwischen Kirchheimbolanden, Marnheim, Albisheim und Gauersheim, plötzlich ein Windrad in hellen Flammen. Der Feuerschein und dicke Rauchwolken waren schon von weitem zu sehen. Die Gondel der Anlage brannte lichterloh. Die Feuerwehr konnte nicht viel ausrichten, weil ihr die Spezialausrüstung fehlte, um an die in 140 Metern Höhe aufgehängte Gondel zu gelangen. Zudem machten herabstürzende Trümmerteile und auslaufendes Öl die Arbeit gefährlich. Deshalb ließ man das Windrad ausbrennen. Um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten, wurde die Umgebung um die brennende Anlage weiträumig abgesperrt und alle befestigten Feldwege mit Absperrbaken versehen.
Bereits am Brandtag hatte Andreas Nolte, der Geschäftsführer der Windpark-Betreiberfirma Cerventus, mitgeteilt, dass die Windkraftanlage vollständig zurückgebaut und durch eine neue ersetzt werde. Einige Tage später kündigte er außerdem an, dass er eine Spezialfirma mit der Untersuchung des Geländes beauftragen werde. So solle verhindert werden, dass Teile der Anlage den Erdboden kontaminieren könnten. Seitens der Bevölkerung geäußerte Befürchtungen, dass als Folge des Brandes Fasern aus karbonverstärktem Kunststoff, sogenanntes CFK, freigeworden seien, wies Nolte auf Nachfrage der RHEINPFALZ zurück. Zwar habe der dänische Hersteller Vestas tatsächlich Karbonfasern in einigen seiner Rotorblätter verbaut, doch nicht in den Windrädern auf dem Hungerberg. Diese enthielten lediglich GFK, das ist ein Kunststoff, der mit Glasfasern verstärkt ist. CFK dagegen ist in seiner Wirkweise ähnlich dem Asbest und kann Atemwegsprobleme verursachen.
Trupps in Schutzkleidung auf den Feldern unterwegs
Die von Nolte angekündigte Fachfirma ist bereits seit einiger Zeit im Einsatz. Entsprechende Container und Stromgeneratoren zeugen davon. Außerdem waren Trupps in Schutzkleidung und Säcken unterwegs, die sorgfältig das Gelände durchkämmten und den Boden auf Rückstände absuchten. „Unser Anspruch ist, dass alle sogenannten Störstoffe, die infolge des Brands in die Umgebung gelangt sind, eingesammelt werden, sodass der ursprüngliche Zustand wiederhergestellt wird“, sagte Nolte auf RHEINPFALZ-Anfrage.
Die beauftragte Firma gehe bei den Aufräumarbeiten systematisch vor; jeder Zentimeter Fläche werde von den Teams vor Ort in Augenschein genommen. „Die aufgesammelten Teile werden in Säcke gepackt und anschließend in den Containern entsorgt“, so Nolte weiter. Die Baucontainer dienten den Koordinatoren und Mitarbeitern als temporäre Bürofläche und Aufenthaltsraum. Was Nolte betonte: Die Aufräumarbeiten würden gutachterlich begleitet. Bisher entnommene Bodenproben seien als unbedenklich eingestuft worden. „Aufgrund unserer langjährigen Partnerschaft und guten Beziehung mit den Eigentümern der Flächen am Standort hat ein hohes Maß an Sorgfalt für uns Priorität“, so der Cerventus-Geschäftsführer.
Kreisverwaltung ist mit im Boot
Die bei der Kreisverwaltung angesiedelte Untere Naturschutzbehörde ist über die Aktivitäten informiert. „Das ist mit uns so abgestimmt, wir begleiten das, und es geht auch in Ordnung“, sagte Reiner Bauer, Abteilungsleiter Bauen und Umwelt, auf Anfrage. Bürger, die sich Sorgen machen, weil die Mitarbeiter der Firma Schutzkleidung tragen, kann er beruhigen: „Sie tun das, weil sie bei einem Einsatz rund acht Stunden lang Kontakt mit den Fasern haben. Dabei heben sie auch größere und kleinere Stücke auf. Deshalb sind sie verpflichtet, vorsorglich Schutzkleidung zu tragen. Spaziergänger dagegen sind nicht in Gefahr.
Da es zum Zeitpunkt des Brandes sehr stürmisch war und die Anlagenteile und Fasern vor allem Richtung Gauersheim geweht wurden, habe die Firma als erstes mit den dortigen Grundbesitzern Kontakt aufgenommen. So sei unter anderem eine Pferdekoppel vor allen anderen Äckern durchkämmt worden, um die Tiere keiner Gefahr auszusetzen. Auch seien die Landwirte gebeten worden, etwaige Funde gleich zu melden.
Kreisverwaltung: Arbeiten dauern noch eine Weile
Wie Bauer weiter mitteilt, ist der Rückbau der Anlage derart anspruchsvoll, dass die Arbeiten noch eine Weile andauern werden. Vor allem um die völlig ausgebrannte Gondel entfernen zu können, bedürfe es eines Spezialkrans. Was erschwerend hinzukomme: Durch die hohen Temperaturen sei das Material der Gondel geschmolzen und habe sich derart verformt, dass eigens neue Werkzeuge zum Aufschrauben der Verbindungen hätten hergestellt werden müssen. Aus Sicherheitsgründen ist der Bereich nach wie vor abgesperrt.