Marienthal
80 Buchungen im Jahr: Warum die Spielscheune in Rockenhausen funktioniert
Es gehört längst zum Ortsbild von Marienthal dazu, dass gut gelaunte Kinder rund um das Bürgerhaus unterwegs sind. Seit mehr als zehn Jahren lockt dort die Spielscheune immer wieder Familien, Schulklassen oder Kita-Gruppen in den Rockenhausener Stadtteil. Das Projekt, das im September 2015 feierlich eingeweiht wurde, hat sich längst als Erfolgsmodell etabliert und ist in Zeiten heftiger Haushaltsprobleme in Rockenhausen zudem eines der Dinge, die sogar einen Gewinn abwerfen.
Klar reden wir hier nicht von immens hohen Beträgen, aber eben von einem Beispiel, wie eine Kommune trotz Finanzproblemen noch Vorhaben realisieren kann und die anschließend den Haushalt eben nicht belasten. 80 Gruppen buchen die Spielscheune ungefähr pro Jahr, wie der stellvertretende Ortsvorsteher Rudolf May erklärt. 60 Euro kostet das pauschal – dem gegenüber stehen Heizkosten und die Instandhaltung. Eine Rechnung, die aufgeht. Und von der vor allem die Kinder profitieren. Liebevoll gestaltet, lädt die Spielscheune mit einem kleinen, aber feinen Spielgelände unter dem Dach einer alten Scheune ein. Man kann klettern, springen, rutschen, malen. „Besonders beliebt ist das Angebot für Kindergeburtstage, aber es kommen auch manchmal Gruppen aus Kindergärten oder Schulen zu uns“, sagt May. Der Großteil komme aus dem eigenen Landkreis, allerdings habe man inzwischen einen Einzugsbereich, der bis Kaiserslautern, Bad Kreuznach und Kusel reicht. Über die Sommermonate nehme die Nachfrage etwas ab, in den kälteren Jahreszeit ist dann Angebot mehr in Fokus.
Kein Wirtschaftsprojekt, sondern „für die Kinder“
May ist wichtig zu betonen, dass die Spielscheune nie als Wirtschaftsprojekt geplant war. „Es ist für die Kinder“, so May. Deshalb mache man auch keine Schwierigkeiten, wenn es kurzfristig zu absagen komme. Auch dürfen die Kinder den Bereich außerhalb der Scheune nutzen, können dort spielen, auf Wunsch einen Grill mitbringen. „Allerdings müssen wir dann darauf hinweisen, dass die Haftung unserer Versicherung nur innerhalb der Scheune gilt“, betont May. Besonders geeignet sei die Scheune für Gruppen bis etwa 15 Personen. Eine kleine Küche ergänzt das Angebot.
All das haben viele Helferinnen und Helfer vor mehr als zehn Jahren mit etlichen Stunden Eigenleistung ermöglicht. Zur Gestaltung der Spielscheune, des benachbarten Bürgerhauses und für weitere Dorferneuerungen wurden damals 18.400 Stunden von Menschen aus dem Ort geleistet. Die Spielscheune selbst hatte 425.000 Euro gekostet, wobei das Land mehr als die Hälfte der Kosten übernommen hatte. Seitdem erfreut sich die Scheune großer Beliebtheit. „Wir schließen auf, führen die Eltern rum, erklären alles“, sagt May. Dann können die Kinder spielen. Gelegentlich müssen die Holzschnitzel erneuert werden, etwas gesäubert oder kleinere Sanierungen vorgenommen werden. Mehr ist kaum nötig. „Jährlich werden die Spielgeräte auch geprüft und manchmal müssen Kleinigkeiten angepasst werden“, sagt May.
Neue Ideen gibt es bereits
In der Zukunft will man die Idee der Spielscheune stetig weiterentwickeln. Auch hierbei sollen die Kinder tatkräftig bei der Ideenfindung unterstützen, wie bereits damals. „Die Idee kam um die Jahrtausendwende auf. Nachdem die Gemeinde für die Spielleitplanung anerkannt wurde, haben wir Kinder und Eltern nach ihren Wünschen befragt“, erinnert sich Rudolf May. Auch heute seien bereits einige Ideen vorhanden. „Wir müssen uns aber natürlich immer an die gesetzlichen Vorgaben halten“, betont May. Entsprechend sind durch den beschränkten Raum der zur Verfügung steht, auch die Möglichkeiten zur Umsetzung beschränkt. Allerdings soll die Spielscheune immer wieder neu gedacht und entwickelt werden. Und damit auch für weitere Jahre eine kleine Erfolgsgeschichte für Marienthal und Rockenhausen bleiben.