Steinbach RHEINPFALZ Plus Artikel 30 Jahre Pizzeria Bellavista: Wie eine Pfälzer Familie Hürden in der Gastronomie meistert

Haben nach 30 Jahren in Steinbach noch nicht genug von der Gastronomie: Tochter Laura Hardt (von links), Dieter Hardt und Angela
Haben nach 30 Jahren in Steinbach noch nicht genug von der Gastronomie: Tochter Laura Hardt (von links), Dieter Hardt und Angela Sberna wollen ihr Bellavista noch lange nicht aufgeben.

Seit 1995 prägt das Bellavista eine Gemeinde im Donnersbergkreis. Zum Jubiläum verraten die Betreiber ihr Erfolgsrezept, wer ihre liebsten Gäste sind und wo der Spaß aufhört.

Dass sie nach 30 Jahren in Steinbach immer noch das Sportheim führen würden, das hätten sich Angela Sberna und ihr Partner Dieter Hardt wohl nie träumen lassen. „Überhaupt war es eher Zufall, dass wir hier gelandet sind“, erzählt die 65-jährige Gastronomin. Ein Zufall, über den sich nicht nur die Sportler des TuS Steinbach freuen dürften.

„Mein Bruder Bernardino hatte damals ein Eisauto, mit dem er in Steinbach unterwegs war“, erinnert sich Angela Sberna an die Anfänge. Auf einer seiner regelmäßigen Verkaufstouren habe ihn der Vorsitzende des Turn- und Sportvereins 1907, Jakob Bauer, angesprochen, ob er nicht das Sportheim übernehmen wolle. „Warum eigentlich nicht?“, habe Angela Sberna zusammen mit ihrem Bruder überlegt. „Unsere Eltern hatten schließlich zuvor schon Pizzerien in Waldfischbach und Kusel betrieben.“ Nach kurzer Bedenkzeit öffnete das Bellavista im Oktober 1995. Mit an Bord: die gesamte Familie. Auch Lebensgefährte Dieter Hardt unterstützt seither hinter der Theke, Tochter Laura hilft ab und zu ebenfalls aus.

Erfolgsrezept: Altbewährtes erhalten

Fast drei Jahre kochte die Familie so Seite an Seite, bis ihr Bruder aus dem Familiengeschäft ausstieg, um etwas eigenes auszuprobieren. „Eigentlich ist Jakob Bauer ein zweites Mal schuld, dass wir in Steinbach geblieben sind“, erzählt Sberna. Der Vorsitzende habe sie gebeten zu bleiben. Also blieb sie – und das nun seit 30 Jahren.

Ein Erfolgsrezept habe sie dabei nie verfolgt, macht Sberna deutlich. Vielmehr vermutet sie, dass es die Beständigkeit ist, die die Menschen im und am Bellavista schätzen. „Natürlich haben wir am Anfang auch mal versucht, die Karte zu ändern oder zum Wochenende andere Speisen anzubieten.“ Gut angenommen wurde das allerdings nicht. „Die Leute überlegen sich zu Hause schon, was sie bei uns essen möchten.“ Besonders beliebt sind die Pizzen und das Valdostana-Schnitzel. Würde eines dieser beiden auf der Karte fehlen, würde das mit Sicherheit auf Unverständnis stoßen, ist sich Sberna sicher.

Höhen und Tiefen erlebt

Mittlerweile weiß Sberna das als Kompliment aufzufassen. Deswegen könne in der Küche auch jeder alle Gerichte kochen. Nur beim Pizzateig, versteht die 65-Jährige keinen Spaß. Den hat früher ihre Mutter zubereitet. Später übernahm Sberna diese Aufgabe: „Die Zubereitung vom Teig ist meine Sache. Die anderen können Käse oder Tomatensoße machen, das ist mir ganz egal.“ Selbst wenn jeder dieselben Zutaten verwendet, „so komme es doch auf das gleiche Maß beim Würzen an“.

„In 30 Jahren haben wir alle Höhen und auch alle Tiefen des TuS miterlebt“, sagt Dieter Hardt mit Blick auf den Steinbacher Fußball. Aber auch das Bellavista kennt schlechte Zeiten. Allen voran sei die Corona-Pandemie als Negativ-Erlebnis im Gedächtnis geblieben. „Wir haben die Zeit zwar überstanden, aber mit sehr viel Angst ums Überleben“, spricht der 61-Jährige das aus, was viele Gastronomen damals um den Schlaf brachte. „So eine Zeit will ich nie wieder erleben“, fügt Angela Sberna hinzu. Sie ist sich sicher, noch einmal würden sie den Kampf für ihr Bellavista in einer solchen Situation nicht aufnehmen: „Dann wäre definitiv zu!“ Zu viel Kraft hätten die Pandemie und die ganzen Verwaltungsauflagen ihnen abverlangt, begründet Hardt: „Es wurde viel versprochen und wenig gehalten.“

Zusammenhalt in schweren Zeiten

Trotz der damaligen Herausforderungen habe es auch Lichtblicke gegeben, die die beiden zum Weitermachen motivierten. Vor allem ihre Stammkunden hatten Essen zum Mitnehmen bestellt, sobald es wieder möglich war – und obwohl einige von ihnen selbst die Auswirkungen der wirtschaftlichen Unsicherheit spürten. „Diese Treue fanden wir klasse“, sagt die 65-Jährige.

Der Zusammenhalt, die Gemeinschaft, all das wird in Steinbach auch heute noch großgeschrieben. Das Bellavista spielt dabei eine zentrale Rolle; ist auch 30 Jahre nach seiner Eröffnung noch ein wichtiger Treffpunkt in der Dorfgemeinde – und das generationenübergreifend. Insbesondere am Wochenende, wenn der TuS Steinbach beim Heimspiel wieder auf dem Platz steht, kommen die Steinbacher sowie Menschen aus den Nachbargemeinden zusammen. „Früher kamen die Eltern mit ihren Kindern, heute haben diese Kinder ihren eigenen Nachwuchs und bringen ihn mit. Das ist schon außergewöhnlich“, erzählt Angela Sberna stolz. Auch den klassischen Stammtisch gibt es im Bellavista noch. „Wenn einer sich aus Altersgründen aufgelöst hat, kam bisher ein neuer hinzu“, sagt Hardt.

Familiäre Atmosphäre gehört dazu

Vor allem die kleinsten Gäste haben es seiner italienischen Lebensgefährtin angetan, die in England geboren, einige Zeit in Italien lebte und in den 1970er-Jahren mit ihren Eltern und vier Brüdern nach Deutschland kam. Gerne tauscht sie dafür auch mal kurz den Kochlöffel ein: „Das weiß hier jeder: Kinder stehen bei mir an erster Stelle.“ Damit die Eltern in Ruhe essen konnten, habe Sberna deren Babys gerne auf dem Arm gebobbelt und durchs Bellavista getragen. Noch heute fühlten sich die nächste Generation der kleinen Gäste im Steinbacher Sportheim sichtlich wohl und sorgten unter den Gästen immer wieder für einige Schmunzler: „Damals wie heute setzen sich die Kleinen gerne auf den Fußlauf an der Theke und bleiben dabei mit ihrem Windel-Hintern zwischen Lauf und Theke stecken.“

Gerne erinnert sich das Paar an die von ihnen ausgerichteten Silvesterpartys und Weihnachtsfeiern mit ausgelassener Stimmung zurück, bei denen sie ihre Gäste mit Buffets bewirteten. Ein besonderer Höhepunkt: Einmal habe ein Steinbacher Stammgast einen Sketch geschrieben und mit weiteren Steinbachern aufgeführt, in dem Vereinsmitglieder des TuS und ihre typischen Sprüche auf die Schippe genommen wurden. „Wir haben Tränen gelacht.“

Schwierige Zeiten in der Gastronomie

Über die Jahre hinweg habe sich dennoch einiges verändert, worauf Dieter Hardt und Angela Sberna mit ihrem Gastro-Betrieb reagieren mussten. Seit Corona essen die Menschen weniger vor Ort, bestellen dafür mehr zum Mitnehmen. Während früher viele Spieler nach dem Training noch im Bellavista vorbeischauten, um Karten zu spielen, machten sich mittlerweile fast alle direkt auf den Nachhauseweg. „Früher wussten wir die Namen aller Spieler, man kannte sich privat“, sagt Sberna. Das sei mittlerweile nicht mehr der Fall.

Auch findet das Paar kaum noch Personal. Zu fünft, darunter hauptsächlich Aushilfen im Service, bringen sie die gewohnte Qualität auf die Teller. In der Küche sind Angela Sberna und ihr Bruder Bernardino zugange. Ihr Bruder Angelo hat sich erst vor Kurzem aus gesundheitlichen Gründen zurückgezogen, Bernardino, der vor Jahren das Geschäft verließ, kocht schon längere Zeit wieder im Steinbacher Sportheim. „Wir sind alle älter geworden“, sagt Dieter Hardt. Deswegen und weil es an Personal fehle, schließe die Küche mittlerweile um 21 statt um 23 Uhr. Anstelle von einem gibt es jetzt zwei Ruhetage – Montag und Dienstag.

Ans Aufhören denkt „die Chefin“, wie Hardt Sberna etwas neckisch nennt, aber noch lange nicht. „Ich mache das bis ich nicht mehr kann“, versichert sie, den Steinbachern noch eine Weile erhalten zu bleiben. Eine kürzlich gemachte Erfahrung bestätigt sie in ihrem Wunsch: Beim Friseur habe sie zufällig eine Unterhaltung mitbekommen. „Ich saß etwas abseits, die Frau konnte mich nicht sehen. Sie erzählte, dass es die beste Pizza in der Umgebung in Steinbach im Bellavista gibt. Ich hatte sofort Gänsehaut.“

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