Wachenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Wohnprojekt an der Stadtmauer: 50- bis 70-Jährige im Blick

Wohnen entlang der Stadtmauer: Die Fotomontage zeigt die urprünglich geplante Variante mit sechs Häusern. Doch die beiden „hinte
Wohnen entlang der Stadtmauer: Die Fotomontage zeigt die urprünglich geplante Variante mit sechs Häusern. Doch die beiden »hinteren« Gebäude sollen nicht gebaut werden.

„Best Ager“ im Fokus: In Wachenheim sollen 20 neue Wohnungen im Herzen der Stadt entstehen. Die Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Was ist in Wachenheim geplant?
Entlang der historischen Stadtmauer Wachenheims plant das Haßlocher Unternehmen Müller Bau die Errichtung von 20 neuen Wohnungen. Diese verteilen sich auf vier Häuser und sollen mit gehobener Ausstattung punkten. „Wir sind interessiert an schönen Lagen“, erklärt Christian Müller, Geschäftsführer des inhabergeführten Bauunternehmens. Die Neubauten, die zwischen Burgstraße, Blumenweg und Stadtmauerrundweg entstehen, richten sich an die Zielgruppe der sogenannten „Best Ager“. Damit sind Personen im Alter von 50 bis 70 Jahren gemeint.

„Der Zielgruppe ist das Eigenheim oft zu groß geworden“, erläutert Müller. Häufig werde das Einfamilienhaus verkauft oder an die Kinder weitergegeben. Der Wunsch nach altersgerechtem Wohnen in attraktiver Lage stehe bei seinen Kunden im Vordergrund, so Müller weiter. Das Bauunternehmen hat bereits Erfahrung mit Projekten für diese Zielgruppe. Aktuell realisiert Müller Bau unter anderem in Freinsheim Wohnungen, die speziell auf die Bedürfnisse von „Best Agern“ zugeschnitten sind.

Braucht Wachenheim neue Wohnungen?
„Der Bedarf ist da“, sagte Wachenheims Bauamtsleiter Stefan Schneider im Stadtrat. An der Stelle an der Stadtmauer lasse sich auf kompakter Fläche Wohnbedarf decken. Das Gelände sei relativ gut zu erschließen, auch wenn es topographisch nicht so einfach sei. Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU) hob hervor, dass die Stadt durch das Projekt positive Aspekte wie vier öffentliche Stellplätze sowie Grün- und Spielflächen erhalten werde.

Wie sollen die Wohnungen aussehen?
Geplant sind laut Müller Bau Einheiten mit einer Größe zwischen 100 und 120 Quadratmetern. Ein Aufzug und barrierefreie Bäder sollen das Wohnen altersgerecht machen. Zur Energieversorgung ist der Einsatz regenerativer Technologien vorgesehen. Die Flachdächer der Gebäude sollen mit Photovoltaikanlagen und Begrünung ausgestattet werden. Echtholzparkett, großformatige Fliesen, Fußbodenheizung sowie Fensterbänke aus Naturstein sollen laut Müller ein anspruchsvolles Publikum zufriedenstellen. Jede Wohnung soll zudem über zwei Stellplätze in der hauseigenen Tiefgarage verfügen.

Wie kam das Projekt zustande?
Der Eigentümer des entsprechenden Grundstücks in der Burgstraße hat sich an das Unternehmen gewandt, erklärt Müller die Hintergründe. Auf der Fläche einer ehemaligen Gärtnerei sollen nun vier Häuser entstehen. Ursprünglich plante Müller Bau die Errichtung von sechs Häusern mit insgesamt 36 Wohneinheiten. Das ursprünglich besprochene Gelände gliedert sich in drei Abschnitte: das ehemalige Areal der Gärtnerei, ein weiteres Grundstück in Privatbesitz sowie den vom Heimatverein bearbeiteten Stadtmauergarten. Insgesamt umfasst dieses Gebiet 7650 Quadratmeter.

Der Stadtrat lehnte diese größere Variante jedoch zunächst in einer nicht-öffentlichen Sitzung und schließlich in einer öffentlichen Sitzung in der vergangenen Woche mehrheitlich ab. Die beiden Häuser, die aus der Planung gestrichen wurden, wären etwas größer gewesen.

Geplant ist jetzt also eine Bebauung im straßenzugewandten Bereich auf dem Gelände der ehemaligen Gärtnerei auf einer Fläche von 4600 Quadratmetern. Auf dem Grundstück gibt es eine natürliche Grenze: den verrohrten Burgtalbach, den der Stadtrat als Bebauungsgrenze übernommen hat. „Letztlich müssen wir uns der politischen, städtebaulichen Entscheidung anpassen und sie akzeptieren“, sagt Müller. Aus seiner Sicht sind die hinteren Grundstücke aber nun vorerst nicht bebaubar.

Wie schnell wird es gehen?
Der Wachenheimer Stadtrat hat den sogenannten „Bauturbo“ beschlossen. Dieses Maßnahmenpaket der Bundesregierung, das im Herbst 2025 in Kraft trat, soll durch vereinfachte Verfahren den Wohnungsbau deutlich beschleunigen. Ziel ist es, die Zeitspanne bis zur Baugenehmigung auf etwa drei Monate zu verkürzen, erklärte Bauamtsleiter Schneider im Stadtrat. Dennoch rechnet Bauunternehmer Müller auf Nachfrage eher mit einer Bearbeitungsdauer von drei bis sechs Monaten, da trotz der Beschleunigung weiterhin Fachgutachten erforderlich seien. Das Verfahren mit „Turbo“ sei in diesem Fall, aber nicht in allen Fällen sinnvoll, betonte Schneider.

Um die geplante Bebauung in den betroffenen Gebieten zu ermöglichen, muss laut Bauamtsleiter Schneider zudem der Flächennutzungsplan angepasst werden. Derzeit sind diese Flächen noch als „Sonderbaufläche Fremdenverkehr“ ausgewiesen.

Was sagt der Stadtrat?
Felix Korb (SPD) betonte, dass vier Wohnblöcke aus Sicht seiner Fraktion ausreichend seien. Für die Variante mit vier Einheiten spreche, dass der Stadtmauergarten unbedingt erhalten bleiben solle. Darüber hinaus gelte es, die Verkehrssituation in der Burgstraße im Blick zu behalten. Sechs Wohneinheiten seien aus Sicht der SPD zu viel.

Auch Rüdiger Göbel (CDU) sprach sich klar für die Variante mit vier Häusern aus. „Wir finden, die sechs Häuser sind zu viel, das ist eine zu massive Bebauung“, erklärte er. Im hinteren Bereich sehe er weiter Potenzial für touristische Entwicklungsmöglichkeiten.

Nils Rosenberger von den Grünen hob hervor, dass eine innerstädtische Nachverdichtung grundsätzlich zu bevorzugen sei. Gut sei, dass die Bebauung nicht zu dicht werde. Auch die Grünen unterstützten die Variante mit vier Wohnhäusern. Kritik äußerte Dorothea Geibel (FWG), die ein „totes Eck“ hinter den vier Gebäuden befürchtet. Die hinteren Grundstücksbesitzer erlebten eine Benachteiligung. Eine weitere Erschließung dieser Grundstücke sei künftig erschwert.

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