Herxheim am Berg RHEINPFALZ Plus Artikel Wie eine pfälzische Gemeinde um ihren dörflichen Charakter ringt

Die Ostansicht von Herxheim am Berg mit der protestantischen St-Jakob-Kirche.
Die Ostansicht von Herxheim am Berg mit der protestantischen St-Jakob-Kirche.

Den Bedarf an Wohnraum befriedigen und die Dorfstruktur schützen: Damit beides klappt, will Herxheim am Berg für den Ortskern klare Regeln aufstellen.

„Mit einer Überplanung des Ortskerns beschäftigen wir uns seit zwei Jahren“, erklärt Herxheims Bürgermeister Gero Kühner (SPD). Man sei eigentlich durch Landesvorgaben angehalten, den Ort nach dem Eigenbedarf weiterzuentwickeln. „Das stört aber die Investoren nicht, die hier größere Wohnkomplexe entwickeln wollen, wo früher Scheunen standen“, musste Kühner feststellen. Denn der Bedarf nach Wohnraum steigt. Es gibt viele Anfragen für eine Bebauung in zweiter Reihe sowie für Nachverdichtungen auf privaten Grundstücken im Ortskern.

„Das wird noch zunehmen“, ist Kühner überzeugt. Denn schließlich finde sich nicht für alle landwirtschaftlich genutzten Grundstücke ein Nachfolger. Zu viel Verdichtung ist aber nicht gewollt. Man sei bestrebt, den dörflichen Charakter zu erhalten – trotz der schwierigen Verkehrssituation mit den beiden den Ort durchkreuzenden Achsen von Weinstraße und L522. Außerdem wolle man, dass im Ortskern geordnet gebaut wird. „Wenn jemand kommt und will Wohnraum für 14 Parteien auf ehemaligen Winzergrundstücken schaffen, braucht er ja auch 28 Stellplätze. Doch wohin damit?“, so Kühner.

Typisch ist Haus-Hof-Bebauung

Der Ortskern von Herxheim reiht sich im Wesentlichen entlang der beiden Hauptverkehrsachsen entlang. Hinzu kommen der Dackenheimer Weg, „Am Goldberg“ die Friedhofstraße, Pfaffenhof, Raiffeisen-, Garten- und Raiffeisenstraße sowie Speyerer Straße und Teile der Weisenheimer Straße. 14,6 Hektar umfasst dieser Bereich insgesamt. Ortstypisch ist eine Haus-Hof-Bebauung mit sich anschließenden Scheunen oder anderen Nebengebäuden. Meist schließt sich auch eine Gartennutzung an.

Das Stadtplanungsbüro BBP Kaiserslautern/Mannheim wurde damit beauftragt, den Bebauungsplan für den Ortskern zu erstellen. Wie Bauamtsleiter Thomas Bayer erläuterte, wird unterschieden zwischen einem allgemeinen Wohngebiet und einem Mischgebiet. Eingezeichnete Grünflächen dürfen nicht baulich entwickelt werden. „Ziel der Planung ist es, die ortsbildprägende Mischung aus Wohnen, landwirtschaftlicher

Nebenerwerbsnutzung und kleinteiligem Gewerbe städtebaulich zu sichern und behutsam weiterzuentwickeln, ohne den Charakter des Ortes zu verändern. Die Festsetzungen orientieren sich deshalb eng an den bestehenden Nutzungsstrukturen“, schreibt das Planungsbüro. Festgeschrieben werden in dem Plan die zulässige Anzahl von Wohnungen im vorderen Teil oder in zweiter Reihe. Konflikte mit benachbarten Bebauungen und negative Auswirkungen auf die örtliche Entwicklung sollen verhindert oder zumindest minimiert werden. Ein schonender Umgang mit dem Schutzgut Boden steht dabei auch im Fokus.

Doch keine zweite Zufahrt zum Dackenheimer Weg

Die vom Planungsbüro vorgeschlagene zweite Zufahrt für den Dackenheim Weg wolle man aber nicht weiterverfolgen, betonte Kühner am Freitag. In Abstimmung mit der Bauverwaltung und den Planern wolle man dies aus dem Plan noch herausstreichen. „Wir wollen hier keinen Durchgangsverkehr provozieren“, stellte Kühner entsprechende Erklärungen zum Plan richtig. Es sei zeitlich nicht gelungen, dies in den Plan einzuarbeiten.

Der Plan wurde in der Ratssitzung am Montag so angenommen. Dabei musste sich fast der ganze Rat wegen Befangenheit in den Zuschauerraum zurückziehen. „Der Bürgermeister entscheidet in so einem Fall“, erläuterte Kühner die entsprechende Regel in der Gemeindeordnung.

Vorgestellt wird der Plan in einer Bürgerversammlung am 19. Januar, 19 Uhr, im Dorfgemeinschaftshaus. „Nach der Bestandsaufnahme eines jeden Gebäudes durch das Planungsbüro erfolgt damit die Feinabstimmung durch die Bürger“, meinte Kühner. Im Anschluss daran soll der Plan offengelegt werden. Einwände sollen von den Planern eingearbeitet werden, um den dann geänderten Plan zum zweiten Mal offen zu legen.

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