Kreis Bad Dürkheim
Weiterführende Schulen: Absagen sorgen für Frust bei Eltern
Zeitweise war unklar, ob das Werner-Heisenberg-Gymnasium in Bad Dürkheim alle Anmeldungen für die 5. Klasse des neuen Schuljahres berücksichtigen kann. Fast ein Novum für die Bildungseinrichtung, die in den vergangenen Jahren stets alle berücksichtigen konnte. Bei den Anmeldeterminen im Februar wurden Eltern angesichts des Ansturms darauf hingewiesen, dass sie eine Ersatzschule angeben müssen. Das löste Irritation und Unsicherheit und teils auch heftige Reaktionen aus, sagt Annika Breitenberger, die das WHG seit Februar leitet. Und Verständnis zeigt: „Manche hatten bereits eine Absage von der IGS Deidesheim-Wachenheim erhalten.“
Inzwischen ist klar: „Wir können voraussichtlich alle 167 Anmeldungen berücksichtigen.“ Voraussichtlich deshalb, da die sogenannte Schülerlenkung mit möglichen Zuweisungen von umliegenden Schulen noch nicht abgeschlossen ist.
Die sechs neuen Klassen werden recht voll sein, und, wie Breitenberger inzwischen weiß, auch bleiben. Am dreizügigen Gymnasium in Idar-Oberstein, an dem Breitenberger zuvor unterrichtete, erhielten jeweils knapp 20 Schüler nach der Orientierungsstufe eine Empfehlung für eine Realschule plus. Das komme in Bad Dürkheim nur selten vor.
Engagierte Eltern, motivierte Schüler
Das liege auch an der Kurstadt: Breitenberger schwärmt von der Schülerschaft, die fast ausnahmslos zusätzlich sportliche Hobbys oder Instrumentenunterricht hat, aber auch von den Eltern: „Die waren oft selbst am WHG und legen viel Wert auf Bildung.“ Und noch etwas hat sie festgestellt: Nur rund zehn Prozent der Schüler, die auf das WHG wollen, haben eine Realschulempfehlung, in Idar-Oberstein waren es zwischen 45 und 55 Prozent: „Dort hätte ich mir gewünscht, dass die Empfehlungen bindend sind.“
Achim Walk, Schulleiter der benachbarten Carl-Orff-Realschule plus, meint, das könnte auch daran liegen, dass Rektorat und Lehrerschaft des WHG ehrlich beraten, welche Anforderungen ein Gymnasium hat. Auch an „seiner“ Schule gibt es dieses Jahr aber sehr viele Anmeldungen. Die 91 zukünftigen Fünftklässler werden in vier Klassen eingeteilt. Die Schülerzahlen bewegten sich trotz der Diskussion um die Schulform in den Medien und der Politik auf einem konstant hohen Niveau. „Ich hatte ein bisschen Bedenken, dass sich Eltern von der allgemeinen Stimmung beeinflussen lassen“, gibt Walk zu. Doch das Gegenteil sei eingetreten: „Die Elternschaft hat sich nicht beirren lassen. Viele wünschen sich eine solide Schulbildung für ihre Kinder“, hat er bemerkt. „Zudem stehen unseren Schülern nach der zehnten Klasse alle Wege offen.“
Die von Carlowitz Realschule plus in Weisenheim am Berg nimmt laut Rektorin Petra Guth im kommenden Schuljahr 75 Schülerinnen und Schüler auf. „Wir freuen uns wiederholt über guten Zuspruch, der Trend wachsender Schülerzahlen für unsere Schule hält an“, teilt die Rektorin mit.
Mehrere Schulabschlüsse vereint die IGS Deidesheim-Wachenheim. Für diese Schule hatten sich 194 Kinder entschieden. „Da wir nur 112 aufnehmen können, mussten wir 82 Kinder und deren Familien leider enttäuschen“, berichtet Schulleiter Steffen Wagner. Er betont: „Es gibt für alle Gesamtschulen in Rheinland-Pfalz ein vorgeschriebenes Verfahren: Gelost wird nicht nach Namen, sondern anonym im Beisein von Schulvertretern, der Unterstufenleitung und des Schulelternbeirats.“
Viele Absagen für leistungsstarke Schüler
Besonders auffallend sei dieses Jahr gewesen, dass viele leistungsstarke Schüler abgelehnt werden mussten. Die Schule darf in diesem Lostopf 56 Schüler aufnehmen, beworben hatten sich 111. Immer wieder gibt es auch Anfragen nach einem Quereinstieg für die 7., 8. und 9. Klasse, der Wagner nur selten entsprechen kann. Selbst für die Oberstufe konnte die IGS nicht alle Anmeldungen berücksichtigen: Es gab 139 Anfragen, im vergangenen Jahr waren es nicht mal 70.
„Wir freuen uns über den Zuspruch, lösen mit Absagen aber auch Verzweiflung aus“, weiß Wagner um die Schwierigkeiten der Begrenzung. Doch warum ist die IGS so beliebt? „Man sagt uns nach, dass wir mehr das Kind in den Fokus rücken und nicht nur nach schulischen Leistungen schauen, das scheint vielen Eltern zu gefallen“, so Wagner, der gleichzeitig betont: „Auch bei uns muss man Leistungen erbringen.“