Blickpunkt RHEINPFALZ Plus Artikel Weinlese hat begonnen: Erste Einschätzungen zum neuen Jahrgang

Albert Kallfelz, Vorstand der Wachtenburg-Winzer, misst den Zuckergehalt der Trauben mit einem Refraktometer.
Albert Kallfelz, Vorstand der Wachtenburg-Winzer, misst den Zuckergehalt der Trauben mit einem Refraktometer.

Die Weinlese in der Region ist in vollem Gange. Die Betriebe sind dabei, die Beeren in den Keller zu holen – mit Ausnahmen. Und es gibt bereits Einschätzungen zum neuen Jahrgang.

Dürkheimer Winzer sind derzeit besonders gefordert – schließlich gilt es für viele, neben der Arbeit im Wingert auch noch den Wurstmarkt vorzubereiten und ab Freitag den Betrieb in Schubkarchstand oder Weindorf zu stemmen. „Aber ganz ehrlich: Wir sind extrem froh, dass wir endlich wieder Weinfeste feiern können“, sagt Sven Ohlinger vom Weingut Dambach. „Gemeinsam mit Freunden und Familie kriegen wir das alles hin. Wir haben ein gutes Team für die Lese und ein gutes Team für den Schubkarchstand“, ergänzt der Winzer.

Die Pause zwischen Grottenfest Ende August und dem Wurstmarkt hat der Betrieb für die Handlese von Spätburgunder und Chardonnay in den Spitzenlagen genutzt. „Die Trauben sind kerngesund, richtig aromatisch und reif“, schwärmt Ohlinger. Dem Riesling wollen Ohlinger und Philipp Seeger, die den Betrieb gemeinsam führen, noch Zeit geben. Voraussichtlich kommende Woche wollen sie mit der Lese beginnen.

Seibt: „Wird alles auf einmal reif“

„Aber ich bin jeden Tag im Weinberg und schaue mir die Trauben an“, sagt Ohlinger. Zeigten sich beispielsweise vermehrt Risse in der Beerenhaut, müsse alles sehr schnell gehen. „Da ist es dann von Vorteil, dass wir mit 8,5 Hektar kein so riesiger Betrieb sind“, sagt Ohlinger, der mit einem sehr guten Jahrgang rechnet – sowohl bei Rot- als auch bei den Weißweinen.

Zeit lassen mit der Hauptlese will sich Johann Seibt, Betriebsleiter und Kellermeister beim Weingut Karl Schaefer. „Durch die Dauerbegrünung unserer Weinberge werden die Trauben in unseren Lagen später reif. Da kann man nervös werden, muss man aber nicht“, sagt Seibt. Derzeit sei sein Team fleißig dabei, zu entblättern. Die Trauben der Burgundersorten und der Rieslinge sehen laut Seibt sehr gut aus: „Kommende Woche wird dann alles auf einmal reif.“

Rieslingschorle ohne Alkohol

Dabei war das Schaefer-Leseteam vielleicht das erste, das in der Pfalz draußen war. Bereits Anfang August habe man unreife Trauben gelesen, die zu Verjus verarbeitet wurden. „Das ist ein Würzmittel aus dem Mittelalter und ein histaminfreier Säuregeber, beispielsweise für Soßen oder Salate“, erklärt Seibt. Doch nicht nur das: „Im richtigen Verhältnis mit Wasser gemischt, kommt der Verjus dem Geschmack einer Rieslingschorle sehr nahe – nur ohne Alkohol“, erzählt Seibt. Wer das probieren möchte, hat ab Freitag auf dem Wurstmarkt am Schubkarchstand des VdP-Betriebs dazu die Möglichkeit.

In Wachenheim hat die Weinlese in der letzten Augustwoche begonnen, wie der Vorstand der Wachtenburg-Winzer Albert Kallfelz berichtet. Zwar seien erst einmal die Trauben für „Kleinigkeiten“ wie Traubensaft und Sekt-Grundweine geerntet worden. „Seit Montag sind wir aber in der Hauptlese – früher als erwartet.“ Der abfallende Säuregehalt in den Trauben habe die Winzer überrascht. Derzeit steht die Lese von Müller-Thurgau an. Kerner, Portugieser und Grauburgunder folgten Stück für Stück, gefolgt von Riesling in der nächsten Woche. Auch die Lese von Chardonnay, Gewürztraminer, Weißburgunder, Dornfelder, Merlot und Cabernet Sauvignon stünden auf dem Plan.

„Ein Tick zu warm“

Kallfelz hält die Qualität dennoch für vielversprechend. „Es wird ein toller Rotweinjahrgang mit kräftigen vollmundigen Rotweinen.“ Dem Weißwein, der zu 70 Prozent im Mittelhaardter Raum wachse, sei das Klima hingegen „ein Tick zu warm“.

Auch das Freinsheimer Weingut Reibold befindet sich gerade mitten in der Chardonnay- und Burgunder-Sorten-Lese. Nächste Woche stehen Riesling, Cabernet Sauvignon und Merlot an. Die Trauben hätten eine gute Reife, „es ist 100 Prozent gesundes Lesegut“, aber der Ertrag sei nicht überdurchschnittlich viel und der Säuregehalt niedriger als im Jahr zuvor, sagt Winzer Philipp Reibold. Das liege an der festeren Beerenhaut, die sich als Schutz vor Sonneneinstrahlung bilde. „Dafür haben sie dann aber weniger Saft.“ Probleme mit der Trockenheit habe es nur auf „Flächen mit felsigem Boden gegeben“. Dennoch habe sich das Weingut gegen eine Bewässerung entschieden.

Musste Beregnungsanlage einsetzen

„Falls es weiterhin schwülwarm bleibt und es aus einem Schutt regnet, müssen wir uns mit der Lese beeilen“, sagt Gerrit Merk vom Bioland-Weingut Merk in Ellerstadt. Am Montag habe er mit der Lese der Rebsorten Saint Laurent und am Dienstag mit Müller-Thurgau angefangen. Dornfelder und Portugieser standen diese Woche ebenfalls auf dem Leseplan. „An diese Wetterkapriolen müssen wir uns gewöhnen“, gibt der Winzer zu bedenken, dessen Rebspiegel sich auf 50 Prozent Weiß- und 50 Prozent Rotweine verteilt. Um auf den Klimawandel zu reagieren, setze er schon jetzt auf zukunftsfähige, resistentere Rebsorten wie Sauvignac und Souvignier gris. „Die erste Lese ist aber erst nächstes Jahr.“

Bis dahin ist er zufrieden, mit der aktuellen Lese trotz Einsatz der Beregnungsanlage mit Altrheinwasser. Allerdings seien die Maßnahmen kostenintensiv und aufwendig. Dafür hielt sich der Pflanzenschutz in dieser Saison in Grenzen, sagt der Bio-Winzer: „Bissschäden durch Wespen gibt es, aber nur wenige.“

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