Freinsheim
Wegen Baustelle: Autohaus-Chef klagt über Umsatzeinbußen
Das Autohaus Strasser mit der angegliederten Tankstelle leidet unter Freinsheims großer Baustelle in der Erpolzheimer Straße. Während seit Oktober Wasserleitungen und Kanal erneuert sowie ein neuer Geh- und Radweg angelegt wird, klagt Inhaber Christian Strasser über große Umsatzeinbußen. Auf rund 90 Prozent beziffert er die Verluste in der seit 1. März neu verpachteten Tankstelle. Im Autohaus sei dies nicht so deutlich. Jedoch leide man hier vor allem darunter, dass die „Laufkundschaft“ fehle und viele Kunden nicht wüssten, wie sie das Autohaus anfahren sollten.
Autoanlieferungen würden nur unter erschwerten Bedingungen ablaufen. Denn übers Navi werde der Lieferverkehr aus Richtung Norden an die Baustelle herangeführt. Doch von der Gewerbestraße geht es im Riedweg kurz vor der Kreuzung nicht mehr weiter. Nur noch von Süden ist das Autohaus über die Erpolzheimer Straße (L526) zu erreichen. Doch dies sei nicht erkennbar – auch nicht über Google Maps. Dadurch würden sowohl Laster mit neuen Autos als auch Kunden von außerhalb an den Absperrungen im Riedweg festhängen. Auch die Beschilderung helfe dabei nicht – im Gegenteil. „Die Leute, die sich nicht auskennen, irren nur noch in der Stadt umher“, klagt der 52-Jährige. Vor Beginn der Baustelle habe man ihm eigentlich zugesagt, dass sein Betrieb über eine kleine Zufahrt auch von Norden her immer erreichbar sein werde. Doch auf einmal habe es geheißen: „Das muss der Landesbetrieb Mobilität genehmigen.“ Da sei ihm klar gewesen, „dass das dann doch nicht klappt“.
Strasser plädiert für zwei Bautrupps
Strasser ärgert sich insbesondere, dass die Baustelle nicht schneller vorankommt. „Man hätte doch mit zwei Bautrupps arbeiten können“, findet er. Schließlich sperre man hier eine Landesstraße und ein für den Verkehr wichtiges Nadelöhr. „Über zwei Monate“ habe im Winter das Projekt still gestanden. Dass man dann davon spreche, man sei im Zeitplan, sei für ihn nicht verständlich: „Da fragt man sich schon, wie viele Monate im Vorfeld bereits eingeplant wurden, in denen nichts passiert.“
Strasser wehrt sich gegen die Darstellung von Seiten des Bauamts, er habe das Projekt im Vorfeld verzögert. Man sei seit Jahren gewillt gewesen, Gelände für die Abrundung der Rechtskurve an der Kreuzung abzugeben, bekräftigt er. Dafür habe er aber wiederum 20 Jahre auf Erweiterungsmöglichkeiten für seinen Betrieb auf der anderen Seite kämpfen müssen. 2012 habe man das Kreuzungsgelände an die Stadt Freinsheim verkauft – Zeit genug, um das Projekt anstoßen zu können. „Es tat sich aber 13 Jahre nichts“, betont Strasser.
Neue Lösung für DHL
Dass die Tankstelle trotz der Umsatzeinbußen weiter geöffnet ist, sei nicht seine Entscheidung gewesen. „Eigentlich wäre es günstiger gewesen, in der Zeit der Sperrung zuzumachen.“ Esso habe die Tankstelle aber übernommen und weiterverpachtet, nachdem Strassers Schwester Silke Schreiner die Tankstelle im März abgab. Durch diesen Wechsel sei es aber für den neuen Pächter nicht möglich gewesen, den DHL-Paketdienst ohne Unterbrechung einfach weiter zu betreiben. Hier gebe es in den nächsten Wochen noch Gespräche mit der Postvertriebsleitung. Dabei werde es auch darum gehen, ob es sich für den Pächter lohne, in der Tankstelle eine Postfiliale zu eröffnen. Bislang hat sich nach der Schließung des Automatenladens Snackiez kein Einzelhändler dafür gefunden. „Wir sind da dran, dass wir zumindest wieder DHL wieder machen können“, so Strasser. Er hofft, dass wenigstens der Kreuzungsbereich bald frei gegeben werden kann: „Das würde viel helfen.“
Kreuzungsbereich soll in zwei Wochen fertig sein
Was die Kreuzung betrifft, würde Bürgermeister Jochen Weisbrod (CDU) am liebsten sofort zur Tat schreiten, wie er auf Nachfrage betont. Jedoch sei die Abnahme der Bauarbeiten Sache des Landesbetriebs Mobilität (LBM). „Ich bin mir aber sicher, dass die Kreuzung in den nächsten 14 Tagen frei sein wird.“ Dies werde schon viel erleichtern. Bei den wöchentlichen Baustellenterminen werde Christian Strasser über alles informiert, versicherte er. So werde das Pflaster im Geh- und Radwegsbereich in den nächsten Tagen verlegt. Die Markierungen seien bereits besprochen. Weisbrod rechnet damit, dass die gesamte Baumaßnahme Mitte Juni beendet ist – „allerspätestens Ende Juni vor den Sommerferien“.
Was eine Verstärkung für die Bauarbeiten betreffe, sagte Weisbrod, dass man das Projekt nicht für zwei Trupps ausgeschrieben habe, weil dies wirtschaftlich nicht vertretbar war. Der LBM habe noch weitaus mehr und auch wichtigere Baustellen zu finanzieren. Einen langen Stillstand habe die Baustelle trotz der Frostperiode nicht gehabt, bekräftigt Weisbrod. Es sei auch verständlich, wenn die Baufirma über Fasching ihren Arbeitern ein paar Tage frei gegeben habe. Trotzdem sei man, was den Zeitplan betreffe, im Rahmen geblieben. „Jede Baustelle verursacht Unannehmlichkeiten“, sagt Weisbrod.