Interview
Was Kurt Freund von Fasswein und alkoholfreiem Wein auf dem Wurstmarkt hält
Herr Freund, nur der Festwein für den Wurstmarkt darf aus Fässern kommen, doch auch der Ausschank dieses Weins aus Flaschen ist seit Ihrer Zeit als Wurstmarktwinzermeister zulässig. Das war früher anders. Verfolgen Sie die aktuelle Debatte darüber, ob es nicht sinnvoll wäre, diese Regelung zu lockern?
Ja, selbstverständlich. Persönlich habe ich die Zeit der ausschließlichen Anlieferung und des Ausschanks des Festweins in Fässern erlebt und mitgeholfen. In meiner Amtszeit als Wurstmarktwinzermeister wurde die Pflicht, den Festwein aus dem Fass auszuschenken, aufgehoben. Und das war richtig.
Weshalb?
Das vielleicht größte Thema ist die Luft. Der Wein, der aus Fässern kommt, hat viel mehr Kontakt mit Sauerstoff, etwa beim Abfüllen in das kleine Fass für den Ausschank oder auch zum Kühlen in die Drei-Liter-Flasche. Dadurch wird der Wein viel bewegt, aber vor allem oxidativer. Hinzu kommt: Die Fässer, die auf dem Wurstmarkt verwendet werden würden, wären nur wenige Tage im Jahr im Einsatz. Sie müssten konserviert werden. Gerade bei Weinen mit Restsüße besteht sonst die Gefahr, dass sie im Fass erneut anfangen zu gären, wenn sie mit Hefe in Kontakt kommen. Und es gäbe ein Problem mit der amtlichen Prüfung der Weine.
Worin besteht das?
Wenn Sie einen Wein zur Prüfung anstellen, brauchen Sie, wenn gefordert, immer eine Konterprobe. Das ist bei einem Wein aus dem Fass eigentlich nicht zu machen.
Aber früher kamen die Weine doch auch aus dem Fass und wurden geprüft.
Ja, aber da gab es so etwas wie eine Lex Dürkheim, eine Ausnahmeregelung für den Wurstmarkt. Hinzu kommt, dass sich der Weingeschmack verändert hat.
Inwiefern?
Die Menschen auf dem Wurstmarkt wollen frische und fruchtige Rieslinge und nicht den Weinstil aus dem kleinen Holzfass. Dazu wurden früher ganz andere Mengen Wein getrunken. Mittlerweile hat sich der Ausschank deutlich in Richtung Schorle verlagert, auch dafür brauchen Sie frische und fruchtige Weine. Wenn Sie in den 1960er-Jahren eine Schorle bestellt haben, wurde nachgefragt, ob Sie tatsächlich eine Schorle oder nicht doch lieber einen Schoppen pur wollen. Heute ist es umgekehrt.
Wie haben die Winzer damals reagiert, als die Pflicht aufgehoben wurde, den Festwein aus Fässern auszuschenken?
Fast alle Beschicker der Schubkarchstände waren froh über diese Entscheidung und haben auf Flaschenweinausschank umgestellt, weil es besser für die Qualität der Weine ist. Abgesehen davon war es eine Tortur, ein 120-Liter-Fass auf die Theke zu wuchten. Vom logistischen Aufwand ganz zu schweigen. Persönlich möchte ich meinen Riesling und Gewürztraminer aus der Flasche ausgeschenkt bekommen und nicht aus dem Holzfass gezapft. Wobei diese Möglichkeit ja immer noch besteht, wenn jemand in die „gute alte Zeit“ zurück will.
Aber ist es denn nicht ein Beitrag zur Nachhaltigkeit, wieder verstärkt auf Fässer zurückzugreifen statt auf Flaschen?
Die gängigen Weine in den Schubkärchlern werden in Literflaschen gefüllt. Wenn die Flaschen leer sind, werden sie gespült und wieder befüllt. Dass der Einsatz eines Holzfasses, das ja auch erst einmal hergestellt und dann gereinigt werden muss, eine bessere Nachhaltigkeitsbilanz hat, bezweifle ich. Die Lebensdauer eines kleinen Fasses für den Wurstmarkt können Sie auch nicht mit der eines großen Holzfasses vergleichen.
In diesem Jahr darf erstmals alkoholfreier Wein auf dem Wurstmarkt ausgeschenkt werden. Eine richtige Entscheidung?
Ja, heute ist das ein großes Thema. Zu meiner Zeit gab es gerade einen Dürkheimer Betrieb, der sich damit befasst hat. Man muss auch sagen, dass die Verfahren zur Entalkoholisierung deutlich besser geworden sind.
Trinken Sie selbst alkoholfreien Wein?
Nein. Wenn ich Auto fahre, dann bleibe ich beim Wasser. Auf dem Wurstmarkt trinke ich mal eine Traubensaftschorle gegen den Durst und dann Wein aus dem Stängelglas oder dem kleinen Dubbeglas. Alkoholfreies Bier trinke ich eher. Ich denke, an den Geschmack von Wein hat man höhere Ansprüche.
Zur Person
- Kurt Freund ist dem Wurstmarkt in vielerlei Hinsicht eng verbunden. Von 1993 bis 2017 war der 73-Jährige Wurstmarktwinzermeister. 40 Jahre war er in den Gremien der Winzergenossenschaft Vier Jahreszeiten aktiv, davon zwölf Jahre Vorstandsvorsitzender des größten Weinlieferanten des Fests. Zudem saß der Winzermeister 35 Jahre im Stadtrat.




