Kreis Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Warum der Wahlkreis einen Abgeordneten in Mainz verliert

Markus Wolf – hier bei der Briefwahl – ist erneut direkt in den Landtag gewählt worden.
Markus Wolf – hier bei der Briefwahl – ist erneut direkt in den Landtag gewählt worden.

Markus Wolf verteidigt im Wahlkreis Bad Dürkheim sein Direktmandat souverän – und blickt mit Sorge auf die AfD. FDP-Mann Götz Rittner zieht indes ein bitteres Fazit.

Für Markus Wolf stand der Wahltag zunächst ganz im Zeichen der Familie: Gemeinsamer Besuch des Jou Jou in Leistadt, dann ein Gang über den Osterglockenmarkt in Bad Dürkheim. Gegen 16 Uhr setzte sich der Landtagsabgeordnete und „Titelverteidiger“ im Wahlkreis Bad Dürkheim ins Auto in Richtung Mainz – zur Wahlparty der Landes-CDU. Die Umfragen sprachen zwar dafür, dass das Ergebnis kein Stimmungskiller sein würde. „Trotzdem war natürlich Nervosität da. Aber auch Zuversicht und ein gutes Gefühl, nach dem, was wir noch in den letzten Tagen vor der Wahl an den Haustüren und anderswo gehört und erlebt haben“, sagte Wolf.

Der 45-Jährige fuhr im Wahlkreis mit 34,8 Prozent ein stärkeres Ergebnis ein als 2021 (32 Prozent) und lag damit deutlich über dem Ergebnis bei den Landesstimmen im Wahlkreis (30,4 Prozent). Sicher habe ihm die Bekanntheit geholfen: „Aber Bekanntheit ist nicht alles, auch die Arbeit in den vergangenen fünf Jahren spielt eine Rolle. Ich habe das Gefühl, dass die Wählerinnen und Wähler das mit ihren Stimmen honoriert haben.“ Ansprüche wollte Wolf aus seinem guten Ergebnis aber nicht ableiten. Gerade der Verzicht auf Personaldebatten habe die CDU im zurückliegenden Wahlkampf stark gemacht. „Jetzt geht es erst einmal darum, Koalitionsverhandlungen mit der SPD zu führen und danach die richtigen Personalentscheidungen zu treffen.“

„Erschreckende“ AfD-Ergebnisse

Als ausschlaggebend für den Wahlsieg bewertete Wolf, dass die CDU bei den klassischen Landesthemen Wirtschaft, Bildung und innere Sicherheit die besseren Lösungen angeboten habe. Die brauche es auch, um AfD-Wähler zurückzugewinnen, denn auch im Wahlkreis Bad Dürkheim hat die Partei ihr Ergebnis mehr als verdoppelt. Besonders im Norden des Wahlkreises, etwa in Mertesheim oder Altleiningen, habe es „erschreckende Ergebnisse“ gegeben – dort hatte die AfD sowohl bei den Landesstimmen und Wahlkreisstimmen die Mehrheit geholt. Nicht nur dort gebe es „Hausaufgaben zu erledigen“, die Probleme der Menschen müssten überzeugend gelöst werden.

An dieser Stelle finden Sie Statistiken von 23degrees.

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Dabei nicht mitarbeiten wird Angela Hubach von der SPD – sie hat den Sprung in den Landtag verpasst. Im Gegensatz zu Christoph Spies, der vor fünf Jahren für die Sozialdemokraten ins Rennen gegangen war, war die Kandidatur der Freinsheimerin nicht durch einen sicheren Listenplatz abgesichert. „Ich bin angetreten, um zu gewinnen“, verdeutlichte Hubach. Dass sie das nicht erreicht habe, „das schmerzt heute auch sehr“. Dennoch sei sie stolz, „gegen den Trend“ das Erststimmenergebnis im Wahlkreis für die SPD auf dem gleichen Niveau gehalten zu haben – knapp 30 Prozent.

Als „großartige Erfahrung“ werde ihr der Wahlkampf in Erinnerung bleiben. „Ich habe gekämpft wie eine Löwin“, verdeutlichte sie. Die Freinsheimerin ist dankbar für die Unterstützung der SPD-Ortsvereine aus dem ganzen Wahlkreis, die sich am Sonntagabend im Dürkheimer Weingut Zumstein zusammengefunden haben. „Die Enttäuschung ist bei allen hier vor Ort zu spüren“, sagte Hubach auch mit Blick auf das Landesergebnis.

Sehr kritisch sieht sie das landesweit gute Abschneiden der AfD und wunderte sich: „Ich kann für Markus Wolf und mich sagen, dass wir beide unermüdlich im Einsatz waren.“ Dass der AfD-Kandidat trotz wenig Präsenz vor Ort so ein starkes Ergebnis geholt hat, sei „sehr enttäuschend“. Weiter will Hubach sich für ihr Herzensthema Bildung einsetzen, auch auf Landesebene.

FDP schafft die Trendwende nicht

Wie die Stimmung beim FDP-Direktkandidaten Götz Rittner kurz vor Ende der Auszählung des Wahlkreises ist, fasste er in einem Wort zusammen: „Beschissen.“ Er habe den Abend vor dem Rechner verbracht, sei vorher noch laufen gewesen, um entspannt die Ergebnisse abzuwarten, auch wenn er bereits damit gerechnet hat, dass seine Partei es womöglich nicht wieder in den Landtag schafft. Rund vier Prozent holt Rittner im Wahlkreis. „Die Themen innere Sicherheit und Wirtschaft wurden von der FDP hochgehalten“, sagte er und räumte ein, dass seine Partei diese Themen nicht an die Wähler bringen konnte.

Die Trendwende habe die FDP nach dem Bruch der Ampel auf Bundesebene nicht geschafft – die Parteierfolge in Rheinland-Pfalz hätten die Wähler nicht erreicht. Er ist überzeugt: „Es braucht Zeit, gehört zu werden. Die liberale Idee ist ja nicht weg.“ Beim Haustür-Wahlkampf habe er diese Rückmeldung erhalten, weshalb er überzeugt ist, dass es vielen bei der Wahl um eine Entscheidung zwischen den beiden Kandidaten fürs Ministerpräsidentenamt ging. Er müsse den Abend nun erst einmal verdauen – auch im Hinblick auf den Anteil der Stimmen, die die AfD bekommen hat. „Das Ergebnis war niederschmetternd für die FDP, auch die Freien Wähler sind aus dem Landtag geflogen. Aber Schadenfreude hat heute keinen Platz. Ich hoffe persönlich im Sinne des demokratischen Wettstreits, dass sich die FDP wieder berappeln wird“, bekannte auch Wahlsieger Markus Wolf.

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Zufrieden gab sich Philipp Pogoda, Direktkandidat der AfD im Wahlkreis. Er hat es zwar mit Listenplatz 30 nicht in den Landtag geschafft, allerdings mit seinen knapp 19 Prozent bei den Zweitstimmen nach eigenen Worten „ein Ausrufezeichen gesetzt“. Den Abend verbringt er in Mainz bei der Wahlparty der AfD – die Stimmung sei gut. Sein Fazit: „Die jungen Leute wählen konservativ, das heißt, dass unsere Richtung anscheinend richtig ist.“ Seine Partei wolle nun im nächsten Schritt das Ergebnis für den Wahlkreis analysieren und dort auch klarere Akzente setzen.

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