Bad Dürkheim Vom Geflüchteten zum Journalisten: Die Pfalz aus einer neuen Perspektive

Mohammad Alhusain (33) ist zwei Monate Teil der Dürkheimer Lokalredaktion.
Mohammad Alhusain (33) ist zwei Monate Teil der Dürkheimer Lokalredaktion.

RHEINPFALZ-Volontär Mohammad Alhusain aus Syrien berichtet zwei Monate aus der Region Bad Dürkheim.

Die Busfahrt nach Bad Dürkheim aus der Erstaufnahmestelle in Ingelheim am Rhein vor neun Jahren werde ich nie vergessen. Unzählige Weinreben, kleine mittelalterliche Dörfer und der Blick auf die Haardt beeindruckten mich zutiefst. Ich wusste nicht, wo der Bus hinfährt. Ich hoffte nur, dass ich in dieser schönen Gegend untergebracht werde. Und so war's.

Die ersten Monate wohnte ich in Freinsheim. Dort lernte ich viele Menschen kennen, die mir durch ihre Unterstützung das Ankommen erleichterten. Zwei Monate nach meiner Ankunft besuchte ich den Weihnachtsmarkt. Der Kinderpunsch ist seitdem mein Lieblingsgetränk im Winter. Für meine Ausbildung zum Mediengestalter in Bild und Ton zog ich nach Ludwigshafen. Und für meine Ausbildung zum Redakteur bei der RHEINPFALZ komme ich für zwei Monate in meinen Lieblingsort an der Weinstraße zurück. Zuhause bin ich mittlerweile in Mannheim. Geboren und aufgewachsen bin ich in Syrien.

Der Ausbruch der Revolution in Syrien 2011 riss mich aus meiner Studentenbude am Mittelmeer auf die Straße. Mit einer Kamera, einem Stift und einem Block war ich unter den Demonstranten unterwegs. Zwischendurch brüllte ich „Demokratie und Freiheit“ mit. Leidenschaftlich berichtete und brüllte ich knapp drei Jahre lang. Diese Leidenschaft hat mich meine Heimat gekostet. Im Jahr 2013 musste ich mein Literatur-Studium abbrechen und das Land mit meiner Familie verlassen.

Über die Balkanroute nach Deutschland

In Jordanien fand ich zwar einen Zufluchtsort, aber keine Perspektive. Meinen Traum, Journalist zu werden, konnte ich trotz vieler Versuche nicht verwirklichen, weswegen ich mich weiter auf den Weg machte. In das Land, dessen Geschichte, Fußballkultur und Literatur mich schon immer fasziniert haben: Deutschland. Anfang August 2015 saß ich mit einer orangenen Schwimmweste in einem Schlauchboot an der türkisch-griechischen Küste. Einen Monat später saß ich in einem Zimmer in der Erstaufnahmestelle in Ingelheim am Rhein. Die Balkanroute war endlich hinter mir. Tausende Kilometer. Viel gelaufen, gerannt und sogar geschwommen.

Jetzt bin ich hier, liebe Leserinnen und Leser, um für und über Sie zu berichten. Ich freue mich auf die Arbeit, die Kollegen und natürlich auf Sie und Ihre Stadt. Gespannt bin ich besonders darauf, die Gegend aus der Perspektive eines Journalisten statt eines Geflüchteten kennenzulernen. Mein Name: Mohammad Alhusain. Mein Kürzel: moal.

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