Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Trotz Nachtsperrung: Hunderte Kröten überfahren

Erdkröten sind streng geschützt.
Erdkröten sind streng geschützt.

Naturschützer schlagen Alarm: Auf der K16 sterben weiter Hunderte Amphibien. Kreis und Polizei verweisen auf Kontrollen.

Es ist kurz nach halb zehn am Abend, als Herbert Fisch mit drei Mitstreitern im Warnwesten am Rand der Kreisstraße steht. Fahrräder mit Licht, Stirnlampen, Eimer. Die K16 zwischen Wachenheim und Lindenberg ist seit dem 20. Februar von 19 bis 6 Uhr gesperrt – eigentlich. „Aber die Autos rauschen trotzdem durch“, sagt der Vorsitzende des Nabu Mittelhaardt. „Und wenn sie fahren, liegen am nächsten Morgen die Tiere da.“

Am 26. Februar kontrollierten die Ehrenamtlichen erstmals in dieser Saison ein Teilstück zwischen Campingplatz Wachenheim und der Kuppe Richtung Rotsteig. Eine Stunde lang zählten sie: 38 überfahrene Erdkröten, vier tote Feuersalamander, rund 20 lebende Tiere, die sie von der Fahrbahn trugen. Drei Autos passierten die Strecke trotz Sperrung.

Gefährliche Aufgabe

„Wir machen das maximal einmal pro Woche, mit drei bis vier Leuten“, sagt Fisch. Mehr sei nicht verantwortbar. „Es ist einfach zu gefährlich.“ Die Straße ist eng, die Sicht schlecht. Zwar tragen die Helfer Warnwesten, doch manche Autofahrer reagierten gereizt. „Wir wurden auch schon angepöbelt“, berichtet Fisch. „Man muss sich da sehr zurückhalten.“

Nabu-Helfer überwachen die Krötenwanderung – und die Sperrung der Kreisstraße zwischen Wachenheim und Lindenberg.
Nabu-Helfer überwachen die Krötenwanderung – und die Sperrung der Kreisstraße zwischen Wachenheim und Lindenberg.

Die Zahlen sind Momentaufnahmen, temperatur- und witterungsabhängig. Doch Fisch hat sie hochgerechnet. „Wenn man das auf eine Nacht und auf mehrere Wochen überträgt, landet man im Tausenderbereich.“ Er spricht von mindestens 3000 bis 4000 getöteten Tieren pro Saison, allein auf dem kontrollierten Abschnitt. Das Silbertal, ein weiteres Wandergebiet, erfassen die Helfer aus Sicherheitsgründen nicht.

Streng geschützte Tierarten

Betroffen sind vor allem Erdkröten und Feuersalamander. Es sind streng geschützte Arten nach Bundesnaturschutzgesetz. „Sie dürfen nicht gefangen, verletzt oder getötet werden“, betont Fisch. Das Burgtal sei eines der amphibienreichsten Wandergebiete in Rheinland-Pfalz. „Eigentlich müsste man froh sein, so etwas zu haben und alles dafür tun, es zu erhalten.“

Auch seltene Feuersalamander leben im Burgtal.
Auch seltene Feuersalamander leben im Burgtal.

Der Landkreis Bad Dürkheim sieht die Lage differenzierter. Eine Sprecherin teilt mit: „Mit dem Nabu wurde bereits mehrfach über die Art der Sperrung mittels Verkehrszeichen gesprochen. Der Unmut des Nabu darüber ist uns bekannt.“ Umsetzbare und finanzierbare Alternativen sehe man jedoch nicht. Eine ganztägige Vollsperrung wäre „nicht verhältnismäßig“, da tagsüber keine Wanderung stattfinde, zudem würde sie die Akzeptanz in der Bevölkerung schmälern.

Bauliche Lösungen wie Schranken oder Baken seien als „nicht praktikabel“ verworfen worden, auch wegen der Frage, wer sie täglich auf- und abbaut und wie Rettungseinsätze gewährleistet werden könnten. Amphibiendurchlässe würden nach einer älteren Kostenschätzung rund eine Million Euro kosten und seien wegen der Topografie aufwendig.

Appell der Polizei und der Tierschützer

Für die Kontrolle ist die Polizei zuständig. Die Polizeiinspektion Bad Dürkheim teilt mit, die Strecke werde „seit Beginn der Sperrung nach Möglichkeit täglich“ überwacht, teils durch gezielte Kontrollstellen. Bislang seien vier Verstöße festgestellt und mit einem Bußgeld von 50 Euro geahndet worden. Zudem sei bei einer Kontrolle eine Trunkenheitsfahrt unter Kokain-Einfluss aufgefallen. Die Verstöße bewegten sich „zahlenmäßig auf niedrigem Niveau“, die Sperrung werde weiterhin konsequent überwacht.

Für Fisch und seine Mitstreiter ist das nicht genug. „In dem Moment, wo ein Auto fährt, können Dutzende Tiere tot sein“, sagt er. Eine Bake, die die Straße halbseitig versperrt, hält er für kurzfristig umsetzbar. Langfristig plädiert der Verband für automatische Schranken. Der Nabu prüft nach eigenen Angaben auch rechtliche Schritte gegen den Landesbetrieb Mobilität.

Vor allem aber setzt Fisch auf Einsicht. „Der Umweg über Neustadt dauert acht Minuten“, sagt er. „Bitte fahren Sie diese Strecke in der Wanderzeit nicht.“ Ein Auto weniger könne in einer Nacht Hunderte Leben retten.

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