Bad Dürkheim Traumhaft schön
Sie ist lange schon ein Star und auf den großen Opernbühnen der Welt gefragt. Und doch folgt Hanna-Elisabeth Müller immer wieder gerne den Einladungen der Reihe Von Busch Hof Konzertant, um hier einen Liederabend zu geben. Ein Heimspiel für die Sängerin, die aus Dannstadt stammt und wieder für einen ausverkauften Saal sorgte. Viele Freunde und Bewunderer der Sängerin waren gekommen, diese Ausnahmesängerin zu erleben.
Die junge Sängerin, die in Mannheim studierte, konzertiert mit den großen Orchestern der Welt: an der Bayerischen Staatsoper München ebenso wie bei den Salzburger Festspielen oder der Mailänder Scala. Letztes Jahr hat sie ihr Debüt an der Metropolitan Opera in New York gegeben, als Marzelline in „Fidelio“. Ihrer Klavierbegleiterin Juliane Ruf ist sie seit den Mannheimer Studientagen treu geblieben: Das ist gut so, denn die beiden hochkarätigen Künstlerinnen ergänzen sich fabelhaft. Nicht nur im Opernfach, auch in der Liedkunst gehört die Sopranistin längst schon zur Spitzenklasse im internationalen Gesangfach. Ihre Debüt-CD „Traumgekrönt“ hat das Liedduo veröffentlicht und darauf sind auch etliche „Blumen“-Lieder von Richard Strauss zu finden, wovon auch nun einige zu hören waren. Liedblöcke von Schumann und Strauss gab es im Wechsel, begonnen wurde mit ausgewählten Lieder aus Schumanns Zyklus „Myrthen“ und diesen gab sie alle Zartheit, Süße und klangvolle Innigkeit, die dafür notwendig ist. Groß ist Hanna-Elisabeth Müllers Kunst der Feintönung. Mit zart leuchtenden Gesangsbögen und traumhaft sicherer Intonationskunst erfüllte sie die Lieder, ließ bisweilen feine Emotionen ausschwingen, wie in „Der Nußbaum“. Heiter gewitzt brachte sie „Rätsel“ zum Klingen, wonach sie „Zum Schluss“ mit berückenden Valeurs und großer Stille ausgestaltete. Wunderbar nuanciert begleitete Juliane Ruf am Klavier, trug mit ihren Klängen die Sängerin gleichsam auf Händen. Für die Lieder von Richard Strauss kann man sich kaum eine idealere Interpretin denken als Hanna-Elisabeth Müller. Die Beweglichkeit und Geschmeidigkeit hat sie ebenso in der Stimme wie die reiche Farbe. Immer sehr kontrolliert, innig und klar fokussiert sang sie und verzichtete weitgehend auf allzu emphatischen Überschwang. Beseelt flutend ertönte „Waldseligkeit“, bezaubernd war es, wie sie die Töne und Farben modulierte in „Gefunden“. Mit großer Leichtigkeit und seismographischer Geschmeidigkeit gestaltete sie die geschwungenen Koloraturen und die hymnischen Aufschwünge in den beiden folgenden Liedern aus op. 68. Blumenlieder und klingende Jungmädchenträume, das liegt der Sängerin bestens in der feinen schlanken Stimme und dafür hat sie auch interpretatorisch bestes Faible. Anmutig und neckisch ertönte „Die Spinnerin“, edel leuchtend folgten die weiteren Lieder aus Schumanns „Sechs Gesänge“ op. 107. Ausgewählte Lieder von Strauss gab es am Ende. Langer Atem und herrlich leuchtend tönten die weitgeschwungenen Gesangsbögen, das klang alles traumhaft schön. Zart schwebende, schwärmerische Töne waren dabei zu hören, das klang kostbar und wie auf Samt gebettet. Blitzsauber klangen die Linien und Sprünge in „Hat gesagt“, von neckischem Humor reich erfüllt. Bravi und Blumen gab es am Ende für das hochkarätige Liedduo und eine Zugabe wurde gleichfalls gewährt: „Morgen“ von Strauss. Von großer Stille erfüllt, berückend und traumhaft zart interpretiert. Große Gänsehaut-Momente.