Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Traditionsgeschäft: Schuhhaus schließt nach mehr als 150 Jahren

Ursula Rautenberg (links) mit Tochter Nadine und Hund Balu.
Ursula Rautenberg (links) mit Tochter Nadine und Hund Balu.

Am 30. Juni schließt das Schuhhaus Bachmann. Ursula Rautenberg hört schweren Herzens auf. Damit endet eine Familientradition – trotz der Bemühungen um einen Nachfolger.

Wenn die Türen vom Schuhhaus Bachmann in wenigen Wochen für immer schließen, dann endet nicht weniger als ein Stück Bad Dürkheimer Stadtgeschichte: Mehr als 150 Jahre prägte das Geschäft die Innenstadt. „Wir schließen aus gesundheitlichen Gründen, es geht einfach nicht mehr“, sagt Inhaberin Ursula Rautenberg. Beim Gedanken daran, nicht mehr für ihre Kunden da zu sein, kämpft die 71-Jährige mit den Tränen.

Rautenberg, das Schuhhaus und die Kunden – das ist in der vom Online-Handel geprägten Zeit eine selten gewordene Beziehung. „Wir haben zwei Weltkriege überstanden, haben Corona überstanden, jetzt tut es weh. Viele Kunden sind fast zur Familie geworden. Dafür bin ich sehr dankbar“, bekennt die Einzelhändlerin.

Das Fachpersonal fehlt

Es gebe keine Chance, einen Nachfolger zu finden. Das Haus am Stadtplatz hat ein Bad Dürkheimer Geschäftsmann gekauft. „Das Hauptproblem ist schon immer das Fachpersonal gewesen. Früher haben wir selbst ausgebildet, in der Berufsschule gab es einen Zweig für Schuhfachverkäufer“, erinnert sich Rautenberg. Das sei aber vorbei, bedauert sie. Die Aufgabe in einem Schuhgeschäft sei bedienungs- und beratungsintensiv. „Mein Fachpersonal ist teilweise seit Jahrzehnten dabei. Meine Mitarbeiterin Monika Kauter hilft mir bis zum Schluss“, zeigt sich Rautenberg auch für die Unterstützung durch Freunde und Bekannte dankbar.

Seit dieser Woche läuft der Räumungsverkauf. Sie habe sich noch einmal mit Frühjahrs- und Sommerschuhen eingedeckt – in der Hoffnung, für ihre Kunden doch noch einmal ein Jahr dranhängen zu können.

Seit wenigen Tagen läuft der Räumungsverkauf.
Seit wenigen Tagen läuft der Räumungsverkauf.

Dass niemand den Schuhladen übernehmen möchte, überrascht sie: Schließlich laufen die Geschäfte nach wie vor gut. „Die Leute kommen aus dem Odenwald oder sogar dem Rheinland, bleiben das Wochenende und nehmen sich noch Wein mit“, erzählt Rautenberg. Einen Grund für das fehlende Interesse sieht sie in dem Gebäude: Auf drei Stockwerken bietet das Traditionsgeschäft seine Schuhe an. „Das ist personalintensiv. Wenn zwei Leute oben beraten, kann ich das Erdgeschoss ja nicht unbesetzt lassen.“ Zudem müsse jeder Schuh aus dem Lager geholt werden. Im Schnitt seien sechs Mitarbeiter bei ihrem Schuhhaus beschäftigt. „Keiner hat das Personal dafür, jeder will in eine Halle“, beschreibt sie einen Trend der Branche.

Die Lage des Geschäfts im Herzen der Bad Dürkheimer Innenstadt bewertet sie als gut. „Von März bis Oktober ist die Stadt voll. Die Touristen kaufen auch ein. Nur die Wintermonate sind schwierig“, erzählt die Geschäftsfrau. Viele Dürkheimer wüssten gar nicht, was es an Geschäften in der Innenstadt überhaupt gebe. „Ich habe schon immer alles in Bad Dürkheim gekauft bei meinen Kollegen, auch für meine Kinder“, sagt die Einzelhändlerin.

Den Stadtplatz würde sie so lassen, wie er ist. „Aber die Stadt hat schon in der Vergangenheit immer die richtigen Entscheidungen getroffen, da kann man Vertrauen haben“, erklärt Rautenberg. Das Verhältnis zur Stadtspitze sei immer gut gewesen, die derzeitige Bürgermeisterin Natalie Bauernschmitt (CDU) erkundige sich regelmäßig nach den Wünschen des Einzelhandels.

Schuhhaus statt Medizin

Rautenberg hat sieben Kinder, die aber die Familientradition nicht fortsetzen wollen. Sie selbst hat schon als Kind viel Zeit im Schuhhaus verbracht, teilweise gilt das auch für ihre Enkel. „Es geht alles, wenn man will.“ Als ihr Vater krank wurde, brach sie ihr Medizinstudium ab, um das Geschäft zu übernehmen. „Die Alternative wäre gewesen, zu schließen“, sagt Rautenberg. Das war in den 1970er-Jahren.

Gegründet wurde das Traditionsgeschäft 1874 von den Namensgebern Philipp und Gretchen Bachmann, damals noch in der Dürkheimer Schulgasse. Zunächst war es eine Schuhmacherei, Rautenbergs Großvater erweiterte den Betrieb um den Schuhverkauf. Nach dem Krieg stieg Rautenbergs Vater Oskar Lambrecht ins Geschäft ein, kaufte die Schuhe direkt von den Fabrikanten in Pirmasens ein. Dort lernte er auch seine Frau Irmgard kennen. Irmgard Lambrecht, Rautenbergs Mutter, prägte lange Zeit als Vorsitzende des Gewerbevereins die Dürkheimer Geschäftswelt.

Das alte Ladengeschäft am Stadtplatz.
Das alte Ladengeschäft am Stadtplatz.

Das Unternehmen lief gut: Alleine in Bad Dürkheim gab es fünf Bachmann-Läden, unter anderem Sport Bachmann und Abc-Schuhe. Zwischenzeitlich verfügte das Schuhhaus über Niederlassungen in Frankenthal, Grünstadt, Landau und Schwetzingen. „Irgendwann war das alles vom Arbeitsaufkommen nicht mehr möglich, es fehlte das Personal. Außerdem muss sich alles tragen“, sagt Rautenberg. Am 30. Juni schließt nun auch der letzte Bachmann-Laden.

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