Landtagswahl
Teuber-Besuch: Lehrer berichten über Frust und AfD-Tendenzen bei Schülern
Sven Teuber ist Gymnasiallehrer für Deutsch und Sozialkunde – und seit Mai 2025 rheinland-pfälzischer Bildungsminister. Sein Beruf verbindet ihn mit Angela Hubach. Die 50-jährige Förderlehrerin will für die SPD in den Landtag und hatte den Minister zu einem Gespräch über Bildung und Teilhabe in den Von-Busch-Hof nach Freinsheim eingeladen. Das, sagte Hubach, seien ihre Herzensthemen. Sichtlich gerne sprachen beide über das Start-Chancen-Programm, ein Bildungsprojekt von Bund und Ländern, das auf mehr Chancengleichheit an Grundschulen abzielt. Die Bad Dürkheimer Salierschule gehört zu den teilnehmenden Schulen. „Rheinland-Pfalz ist das Bundesland, das es geschafft hat, schon im ersten Jahr alle Schulen im ersten Jahr an den Start zu bringen“, sagte Teuber.
Es war einer der wenigen Momente, in denen er in den Wahlkampf-Modus schaltete. Ansonsten gab sich Teuber in Freinsheim als geduldiger Zuhörer und wechselte zwischen der Rolle des Vaters – Teuber hat zwei Töchter –, des Pädagogen und des Ministers. Das Start-Chancen-Programm sei auf zehn Jahre angelegt, die Schulen könnten über das Fördergeld zusätzliches Personal einstellen. Das brauche aber eine gewisse Anlaufzeit. Ziel sei es sowohl leistungsstarke als auch schwächere Schüler zu fördern. „Ich würde gerne an einer Schule mit diesem Programm arbeiten“, bekannte Hubach, die die „multiprofessionelle Perspektive“ hervorhob.
Wahlalter senken?
Einig waren sich Hubach und Teuber darin, dass Bildung die Demokratie stärkt. „Ein Großteil der Jugendlichen identifiziert sich mit der Demokratie, die Mehrzahl aber fühlt sich nicht ausreichend beteiligt“, erklärte Teuber. Er sei dafür, das Mindestwahlalter auf 16 Jahre zu senken.
Jemand der Erfahrung im Umgang mit Kindern und Jugendlichen hat, ist Max Groh, Lehrer am Werner-Heisenberg-Gymnasium: „Ich mache mir Sorgen um den Fortbestand der Demokratie“, bekannte er. Die Ergebnisse der Juniorwahlen der vergangenen Jahre haben den Pädagogen alarmiert. Die Schüler hätten Zukunftsangst: „Man merkt, dass Frust bei den Jugendlichen da ist. Plötzlich wählen sie die AfD, das haben sie früher nie gemacht.“ Groh hält die frühzeitige Einbindung der jungen Leute in demokratische Prozesse auf kommunaler Ebene für essenziell: Er arbeite mit dem Jugendkomitee der Stadt Bad Dürkheim an einem Projekt, bei dem die Jugendlichen Ideen entwickeln können und diese direkt den städtischen Gremien übermittelt werden. „Wir müssen es schaffen, die Schulen mit der lokalen Community vor Ort zu vernetzen. Die Gremien der Stadt sind total offen, die Schüler rennen dort offene Türen ein“, meinte Groh.
„Wie lässt sich das starke Versprechen der Inklusion verwirklichen?“, fragte Moderator Thomas Lind. Auch hier kamen Praktiker zu Wort: Georg Dumont, 13 Jahre Schulleiter an der Integrierten Gesamtschule Deidesheim-Wachenheim, berichtete, wie sehr ein Mädchen mit Down-Syndrom, das die Schule für kurze Zeit besuchte, den Alltag dort bereichert habe. Peter Stabenow, der kürzlich bei der Lebenshilfe in Rente gegangen ist, betonte, wie wichtig es sei, dass Kinder mit Beeinträchtigung mit Regelkindern „gemeinsam ins Leben hineinwachsen können“.
„Gefühl, dass wenig geschieht“
Als Teuber ein weiteres Mal in den Wahlkampfmodus schaltete und von der Attraktivität des Lehrerberufs, neuen Stellen an den Schulen und voll besetzten Studienseminaren für angehende Lehrer berichtete, meldete sich ein Lehrer einer Realschule plus zu Wort: „Ich bin täglich vom Lehrermangel betroffen und habe das Gefühl, dass wenig geschieht“, entgegnete er. An seiner Schule gebe es genau einen studierten Mathematiker. Die von Teuber beschriebenen Verhältnisse würden nicht für Real- oder gar Brennpunktschulen gelten. „Sie müssen nicht denken, dass ich nicht weiß, wo Probleme liegen“, entgegnete Teuber, der sich anschließend noch mit dem Pädagogen zusammensetzte. „Der Minister kann das ab“, befand Moderator Lind.