Kreis Bad Dürkheim
Stadtwerke-Fusion: Neue Eigentümer für die Therme
Warum wollen sich die drei Stadtwerke zusammenschließen?
„Viele politische Entscheidungen haben dazu geführt, dass es für die kleineren Stadtwerke schwieriger wird. Wir sind noch nicht in Not, wollen aber nicht, dass eine Not entsteht“, erklärt der Wachenheimer Bürgermeister Torsten Bechtel (CDU). Seine Bad Dürkheimer Amtskollegin Natalie Bauernschmitt (CDU) spricht von Synergien und Fragen der Wirtschaftlichkeit angesichts gestiegener gesetzlicher Vorgaben. Aus einer solchen Vorgabe – der von der EU geforderten Trennung von Netzbetrieb und Ladesäulen – ist die Pfalzlader GmbH entstanden, bei der die drei Werke bereits seit 2024 erfolgreich kooperieren.
Wie viele Kunden versorgen die drei Werke zusammen?
Laut Alexander Will, dem Geschäftsführer der Deidesheimer Stadtwerke, gibt es insgesamt 30.000 Verträge mit Kunden in Bad Dürkheim, Wachenheim, Deidesheim und Niederkirchen. Die Stadtwerke Wachenheim betreiben außerdem ein Schwimmbad, die Dürkheimer Werke die Salinarium-Therme sowie den städtischen Busverkehr.
Wird es einen neuen Namen geben?
Ja, die neue GmbH soll Stadtwerke an der Weinstraße heißen und ihren Sitz in Bad Dürkheim haben.
Profitieren die Kunden von der geplanten Fusion?
Torsten Bechtel betont, die Stadtwerke bündelten ihre Kompetenzen. Bestenfalls gelinge es, den Gewinn zu steigern. In jedem Fall bleibe das Unternehmen in kommunaler Hand. Peter Kistenmacher, Geschäftsführer der Stadtwerke Bad Dürkheim, ergänzt, die Fusion stelle sicher, dass die Stadtwerke auch in Zukunft als zuverlässiger Partner vor Ort sein können.
Werden die Stadtwerke gemeinsam günstiger Strom und Gas auf dem Markt beziehen können?
Dieter Panzer, Leiter der Wachenheimer Stadtwerke, ist skeptisch. Der Preis beim Einkauf sei mengenunabhängig, entscheidend sei der Zeitpunkt des Einkaufs. Hier bündele man jedoch das Fachwissen. Möglicherweise werden die Werke aber aufgrund ihrer Größe für Lieferanten attraktiver, spekuliert Alexander Will.
Werden Stellen abgebaut?
Nein, auch die drei Standorte bleiben erhalten. „Es wird keinen Personalabbau geben, sondern der Personalzuwachs wird langsamer erfolgen, als dies ohne Zusammenschluss der Fall wäre“, erklärt Peter Kistenmacher. Nach wie vor sei es schwierig, für die Stadtwerke Fachkräfte zu gewinnen, sagt der Deidesheimer Bürgermeister Dieter Dörr (CDU).
Wie wird die neue Gesellschaft aufgebaut?
Die Stadtwerke an der Weinstraße soll eine GmbH mit vier Gesellschaftern werden: Den Städten Bad Dürkheim, Deidesheim und Wachenheim sowie der Gemeinde Niederkirchen. Die Anteile würden ähnlich des Verhältnisses der Einwohnerzahl auf die Kommunen verteilt. „Die Anteile wurden von Wirtschaftsprüfern bewertet und im Verhältnis festgelegt, nicht politisch verhandelt“, betont Kistenmacher.
Wer wird die neue Gesellschaft leiten?
Es wird einen Aufsichtsrat geben, über den die Kommunen vertreten sind. Dieser entscheidet auch über die Leitung. Es gebe Pläne, aber noch sei nichts spruchreif, erklärt Bauernschmitt.
Was passiert mit der Salinarium-Therme?
Sie geht wie das Wachenheimer Schwimmbad auch ins Anlagevermögen der neuen Gesellschaft über. Wie der Busverkehr in Bad Dürkheim gelten die Bäder allerdings als Verlustbringer. Das Defizit des Salinariums wird, wenn alles wie geplant läuft, durch die Therme zwar kleiner. „Aber die Therme bringt den Stadtwerken keinen Ertrag“, verdeutlicht Kistenmacher.
Wer kommt dann für die Verluste einzelner Sparten auf?
Das war offenbar ein entscheidender Punkt bei den Verhandlungen. Es sei verständlich, dass Wachenheim oder Deidesheim nicht für die Verluste des Bad Dürkheimer Busverkehrs bezahlen möchten, erklärt Kistenmacher. Daher werden die Defizite einer Sparte auf den Gewinnanteil desjenigen Partners angerechnet, der diese einbringt. Das bedeutet zum Beispiel, das Defizit der Salinarium-Therme schmälert den Anteil der Gewinne, die die Stadt Bad Dürkheim als Anteilseignerin der Stadtwerke an der Weinstraße über den Verkauf von Strom und Gas erhält. „Nur der Eigentümer, der sie eingebracht hat, entscheidet auch, wie es mit der Sparte weitergeht“, verdeutlicht Alexander Will. Das gelte für Investitionen genauso wie für die Eintrittspreise der Schwimmbäder. Die Prozesse änderten sich, die Kompetenzen bei Bädern oder Busverkehr blieben aber gleich, ergänzt Bauernschmitt.
Wie geht es jetzt weiter?
Ziel ist ein operativer Zusammenschluss ab dem 1. Januar 2027. Formell müsse die Fusion aufgrund rechtlicher Bestimmungen rückwirkend erfolgen, erklärt Alexander Will. Besiegelt werden soll der Zusammenschluss bei einem Notartermin Mitte August. Danach sollen die Kunden informiert werden. Auch Informationen zu den Preisen soll es dann geben. Formell vollzogen ist die Fusion mit dem Eintrag der neuen Gesellschaft ins Handelsregister. Zuvor ist aber die Zustimmung der politischen Gremien in den Kommunen nötig. Grundsatzbeschlüsse haben diese bereits Ende 2025 getroffen.
