Bad Dürkheim RHEINPFALZ Plus Artikel Städtepartnerschaft mit Paray-le-Monial: Gelebte Freundschaft

Gegenseitige Besuche (hier die französische Delegation auf dem Wurstmarkt) sind eine Säule der Partnerschaft.
Gegenseitige Besuche (hier die französische Delegation auf dem Wurstmarkt) sind eine Säule der Partnerschaft.

Seit 60 Jahren besteht die Städtepartnerschaft mit Paray-le-Monial. Was macht die Partnerschaft so besonders, dass sie auch nach sechs Dekaden noch lebendig ist?

Nach dem Zweiten Weltkrieg war die Aussöhnung mit dem Nachbarland Frankreich Basis vieler Städtepartnerschaften, die sich beginnend mit dem Jahr 1950 bildeten. Heue gibt es 2200 Deutsch-Französische Partnerschaften. Eine von ihnen ist die zwischen Bad Dürkheim und Paray-le-Monial. Es ist eine, die noch immer mit Leben gefüllt ist.

Das Besondere? Claude Bonniaud muss bei dieser Frage nicht lange nach einer Antwort suchen. Es seien mehrere Punkte, die sich für ihn zusammenfinden. „Die musikalische Begegnung macht es sicher besonders“, sagt der 74-Jährige. Er führt an, was auch die städtischen Mitarbeiter Dirk Friedrich und Annett Pfannebecker unterstreichen. Die Begegnungen zwischen dem Chor an St. Ludwig, Kammerorchester und Kleine Kantorei mit dem Ensemble Vocale in mehrjährigen Abständen ist eine Verbindung, die eine der Säulen der Städtepartnerschaft zwischen Bad Dürkheim und Paray-le-Monial bildet. Die anderen beiden sind die partnerschaftliche Ebene und der Schüleraustausch.

Partnerschaftsurkunde des Jahres 1966.
Partnerschaftsurkunde des Jahres 1966.

Claude Bonniaud trat 1977 eine Stelle als Lehrer am Collège Jeanne d’Arc an und begleitete die jungen Menschen über Jahre nach Deutschland. „Anfangs waren es über 30, die nach Bad Dürkheim fahren wollten“, erinnert er sich. Heute sind es weniger. „Es ist ein Auf und Ab“, sagt Dirk Friedrich mit Blick auf die Zahlen. Er begleitet die Partnerschaft als Mitglied des Partnerschaftsvereins aber auch aus dem Rathaus heraus seit mehr als 40 Jahren. Für ihn ist es bemerkenswert, dass der Austausch noch immer stattfindet. Erst kürzlich waren die französischen Schüler zu Gast in der Pfalz. Der Nachwuchs ist also da – nur nicht zahlreich. Das gilt auch für den Erwachsenenbereich. Immer weniger Menschen fänden den Weg zu Vereinen, sieht Bonniaud einen gesellschaftlichen Wandel.

Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass die Basis der Aussöhnung und Begegnung zweier früherer Feinde im Europa heutiger Zeit und mehr als 80 Jahre nach Kriegsende nicht mehr die Bedeutung von einst zukommt. Das sah 1966, als die Bürgermeister Bernhard Mangold und Ernest Carrier die Urkunde unterschrieben, noch ganz anders aus. Die Verbindung mit Leben zu füllen durch gegenseitige Besuche war nicht schwer. Es entwickelten sich Traditionen, die bis heute Bestand haben. So besucht eine französische Delegation jährlich den Wurstmarkt. Bad Dürkheimer wiederum reisen nach Frankreich, um in einer Zeremonie in die seit 1972 bestehende Bruderschaft der Francs-Cacou aufgenommen zu werden. Zuletzt wurde Bad Dürkheims ehemaliger Bürgermeister Christoph Glogger (SPD) diese Ehre zuteil, seine amtierende Nachfolgerin Natalie Bauernschmitt (CDU) soll ihm in diesem Jahr folgen.

Gelebte Partnerschaft mündet in Freundschaften

Am Ende steht und fällt die Partnerschaft mit dem Engagement der Menschen. „Die Stadt Bad Dürkheim macht hier sehr viel“, lobt Bonniaud die Verwaltung. Hinsichtlich des Schüleraustauschs lebt die Verbindung von und mit den Lehrkräften in den zwei Schulen. Vor allem aber sind es die Begegnungen, die den 60 Jahren ihren Rahmen geben. „Der beste Lohn für die Mühe der gelebten Partnerschaft sind die Freundschaften, die im Laufe der Zeit entstanden sind“, sagt der 74-jährige Franzose.

Durch sie sei die Partnerschaft kein abstrakter Begriff, sondern Realität. Die soll sich auch in die Zukunft tragen. „Wir wünschen uns, dass es weitergeht und dass die deutsch-französische Freundschaft als Geschenk der Versöhnung weiter gepflegt wird“, sagt Annett Pfannebecker, die im Rathaus unlängst die Betreuung der Städtepartnerschaft aus den Händen von Dirk Friedrich übernommen hat. Wie diese Zukunft sich unter möglichen neuen politischen Gegebenheiten entwickelt, das könne man nicht steuern. „Wir können die freundschaftliche Ebene steuern“, sagt Friedrich. Die sieht zum Jubiläum am Himmelfahrtswochenende erfreulich aus. Zum Jubiläum, sagt Bonniaud, würden zwei Busse mit rund 100 Personen aus Paray-le-Monial in Richtung Bad Dürkheim rollen. Darunter wird auch Bonniaud selbst sein. Kann er seine Besuche in Bad Dürkheim noch zählen? Er lacht. „Es sind mehr als 100“, sagt er dann. Und es ist noch nicht Schluss.

x